CD-Review: Kalmah - The Black Waltz

Besetzung

Pekka Kokko - Gesang, Gitarre
Antti Kokko - Gitarre
Timo Lehtinen - Bass
Janne Kusmin - Schlagzeug
Marco Sneck - Keyboard

Tracklist

01. Defeat
02. Bitter Metallic Side
03. Time Takes Us All
04. To The Gallows
05. Svieri Doroga
06. The Black Waltz
07. With Terminal Intensity
08. Man Of The King
09. The Groan Of Wind
10. Mindrust
11. One From The Stands


KALMAH sind zurück! Nach beinahe drei Jahren des kreativen Schaffens schlagen die bisher etwas im Hintergrund stehenden finnischen Melodic Death Metaller zu. Und schon auf den ersten Blick spürt man, dass sich KALMAH mit „The Black Waltz“ seit „Swampsong“ gehörig verändert haben. Weg von bunten Artworks, hin zu einer düsteren Fotografie, komplett in schwarz-weiß gehalten. Selbst das Bandlogo sieht etwas mystischer aus, nicht mehr so „comichaft“ wie auf den früheren Alben. Auch Album- und Songtitel lassen auf eine düsterere Atmosphäre schließen. Und der Eindruck täuscht kaum, fuhr man früher noch eher die Schiene des leicht Death Metallig angehauchten Melodic Metal, geht man hier eindeutig härter zur Sache. Böse Zungen ordnen derartige Bands (u.a. auch Children Of Bodom, Norther etc.) in die Schublade „Power Metal, nur der Gesang ist halt böse“ ein, was hier nicht mehr funktioniert. Zu vielseitig ist „The Black Waltz“, zu aggressiv und außerdem fast gar viel zu gut, um es irgendwie einordnen zu können. Lassen sich alte Elemente auf keinen Fall abstreiten, vernimmt man dennoch die stark gesteigerte Melodic Death/Thrash Metal-Lastigkeit, nicht nur aufgrund des stark in den Hintergrund gestellten Keyboards. Hier ausschlaggebend ist wohl auch am meisten der Gesang, der nun nicht mehr, wie auf den bisherigen Alben, geschrien, sondern fast durchwegs vorzüglich gegrunzt ist, was KALMAH ein weiteres anderes Gesicht verpasst. Nun genug der Vorworte…

„Deafeat“ eröffnet mit einem schweren Riff und man muss keinen Bruchteil einer Sekunde warten, bis die gewohnt melodischen Gitarrenleads einsetzen, ebenso das untermalende Keyboard. Ungewohnt schnell wechselt das Quintett in ein hohes Blastbeat-Tempo und der tiefe Gesang Pekkas gliedert sich wunderbar ein. Hatte ich persönlich mit diesem etwas anderen Mix meine Schwierigkeiten, geht das nun runter wie Öl. Gegen Mitte folgen natürlich die obligatorischen eingängigen Keyboardleads, die aber weniger im Vordergrund stehen, aber trotzdem stellenweise diese gewisse „Solofunktion“ einnehmen, wie beispielsweise auf dem ohnehin genialen „They Will Return“. Jedoch hat man durchwegs den Eindruck, das Keyboard sticht unter den Songs nicht mehr derartig heraus. Weiter geht es mit „Bitter Metallic Side“, einem wahrhaftigen Knaller, der nach einem ruhigen Synthesizerintro gleich mit einem sehr thrashigen Riff loslegt. Auch hier fällt wieder der recht häufige Gebrauch von Blastbeats auf. Wieder muss man die superben Leads und Refrainmelodien nicht missen, und als in der Mitte die geschrienen, perfekt plazierten Vocals und die darauffolgenden Melodiebögen einsetzen, muss es um den Hörer fast gar geschehen sein. Großartig!

Als wäre das nicht genug, folgt mit „Time Takes Us All“ ein weiterer Hammer, dessen „drastisch und dramatisches“ Anfangsriff mich anfangs ein wenig an die aktuelle MORS PRINICIPIUM EST Scheibe „The Unborn“ erinnert. Wieder fesseln einen die großartigen Melodien, der großartige Gesang, einfach das komplette perfekte Zusammenspiel der Instrumente und des – es muss einfach nochmal erwähnt werden – genialen Gesangs. Die Stimmung reißt weiterhin nicht ab, es geht einfach so weiter und das Interludium „Svieri Doroga“ unterstreicht die teils recht melancholische, aber dennoch kraftvolle und teils epische Atmosphäre von Titeln wie „The Black Waltz“ (verdammt, diese Intromelodie!) oder „With Terminal Intensity“. Und verdammt nochmal, die letzten drei Songs verdienen noch einmal zusätzlich an Erwähnung, denn sie toppen alles, was man bisher zu hören bekam. Alleine „The Groan Of Wind“, einer der absoluten Übersongs dieses Albums, erzeugt eine noch nie dagewesene Atmosphäre. Hier stimmt einfach alles, gefühlvolle, kaum enden wollende Melodien, perfekt unterlegende Riffs und ein Rhythmus, der jedes Metallerherz höher schlagen lässt und durch Mark und Bein fährt. Wer hier seinen mentalen Orgasmus noch nicht erfahren durfte, wird das spätestens bei „Mindrust“ tun, das sehr thrashig und schnell beginnt, dann ebenfalls in einer unglaublichen Melodieorgie mit einem der wohl besten Refrains auf diesem Gebiet und mit „The Groan Of Wind“ als absoluter Höhepunkt endet, bevor „One From The Stands“, ein wieder sehr Melodic Metal lastiger Song mit den selben atemberaubenden Merkmalen wie sie alle anderen Songs besitzen, dieses absolute Meisterwerk vollends abrundet. Wahnsinn, wirklich nur Wahnsinn…

Was die Jungs auf „The Black Waltz“ bieten, übertrifft alles auf diesem Gebiet bisher dagewesene. Werden Fans vielleicht einige technische Elemente der alten Alben vermissen, liegt dennoch das atmosphärischste, emotionsgeladenste und – das sage ich ruhigen Gewissens – beste KALMAH Album vor. Hier stimmt so gut wie alles, die Produktion ist einsame Spitze, die Instrumente machen alle einen super Job und der Gesang Pekkas, welcher noch einmal ein besonderes Lob verdient, verleiht dem Ganzen noch den letzten wichtigen Schliff! Hiermit sollte der Finnische Fünfer den durchbruch endgültig geschafft haben und kann sich weit über die jetzigen Children Of Bodom und Norther stellen, ohne sich „Kopie!“ und „Sell-Out!“ Rufe anhören zu müssen. Danke KALMAH!

Bewertung: 9.5 / 10

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