CD-Review: Living Corpse - And Everything Slips Away

Besetzung

Rafael Falletti – Gesang
Emanuele Ciancio – Gitarre
Mauro Lacertosa – Bass
Daniele di Giorgio – Schlagzeug

Tracklist

01. Human Conception
02. Smile To The Victory
03. Run Away
04. Set Me Free
05. The Light Of The Answers
06. Across The Sea Of Desperation
07. Nothing
08. How The Hell Are You Gonna Pay Your Dues
09. Now Rise The Fuck Up
10. Forgetting
11. ?X


Als “Alternative Post-Core” präsentiert mir der Promoschrieb zu LIVING CORPSE deren neues Album “And Everything Slips Away”. Interessant, denke ich mir, und lege die CD in den Player. Nur um sogleich von einem Riff beschallt zu werden, dass so unheimlich standard-metalcore-mäßig ist, dass es das Wort Metalcore selbst fast nicht genug beschreibt. Ich mache mich also darauf gefasst, gleich den üblichen „Nichts ist neu, alles klingt gleich etc. etc.“-Sermon herunterzubeten, die Platte mit einer mittelmäßigen bis unterdurchschnittlichen Wertung abzuspeisen und sodann von der Festplatte zu verbannen. Doch so einfach machen es mir LIVING CORPSE nicht.

Im weiteren Verlauf präsentieren LIVING CORPSE kurze Ambient-Einspieler, sehr strange Gesangspassagen irgendwo zwischen Gang Vocals und Kinderchor und coole Soli.„Smile To The Victory“ legt mit sehr coolen Grooves und Gang Vocals noch eine Schippe drauf, außerdem gibts hier ein paar interessante Gitarrenriffs, die stilistisch sehr an Caliban auf „I Am Nemesis“ erinnern, zu hören. In „Run Away“ und „The Light Of The Answers“ kommen erneut Clean-Passagen und mitunter Piano-Einlagen auf, die beide aber keinerzeit kitschig klingen.
Überhaupt geben sich die lebenden Leichen in der Riff-Arbeit für eine junge Core-Band erstaunlich abwechslungsreich – nicht mal ein Übergewicht an Breakdowns oder Schwächen im Songwriting drängen sich auf. Irgendwas muss es da doch zu mäkeln geben, könnte man meinen. Gibt es auch, keine Angst: Sänger Richard Falletti klingt in den High-Pitch-Passagen manchmal etwas schwachbrüstig, da kommen unangenehme Assoziationen zum Schuljungen-Gekrächze von Bring Me The Horizon-Fronthipster Oli Sykes auf. Macht aber nix, wenn man so verdammt coole Passagen einbaut wie in „Across The Sea Of Desperation“, wo es nach einem akustischen Intro erst ziemlich melodisch was auf die Mütze gibt (übrigens mit sehr gutem Drumming von Daniele di Giorgio), bevor das Ganze in einen von Pianos untermalten Breakdown übergeht – und das Chaos mit elektronischen Beats abgerundet wird.

„And Everything Slips Away“ ist definitiv eins der unorthodoxeren Metalcore-Alben der letzten Monate. Das schmälert seine Qualitäten aber in keiner Weise. Zwar scheint den Italienern gegen Ende ein kleines bisschen die Luft auszugehen. Wer mit Bands wie Iwrestledabearonce, A Day To Remember oder eben Caliban was anfangen kann, sollte sich LIVING CORPSE mal reinziehen – und zwar auch, wenn er über 16 ist.

Bewertung: 7.5 / 10

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