Review Mindpatrol – Downfall Theatre

Manche Sätze sollten in keinem Info-Sheet für eine Veröffentlichung stehen. Beispielsweise die Aussage, dass sich eine Band ihren Lyrics insofern unterwirft, dass, um die Stimmung des Gesungenen gefühlsmäßig am besten widerzugeben, sich die Musiker keinem Genre zuordnen, sondern das Metier bedienen, was zu der Aussage des Songs am besten passt, also entweder Power Metal oder Black Metal oder doch eher Thrash Metal. Dieses Vorgehen impliziert aber ein Talent am Instrument, um dieses Vorhaben auch tatsächlich gut umsetzen zu können – und Talent ist ein Luxusgut. MINDPATROL aus Luxemburg scheinen sich diese Fähigkeit zuzuschreiben, so wandlungsfähig am Instrument zu sein, um jedes beliebige Genre auf ihrem Debüt „Downfall Theatre“ wohlklingend präsentieren zu können – bewusst bleibe ich im Konjunktiv.

Eingeleitet durch eine im Verlauf des Albums immer wieder auftretende Erzählstimme, die davon berichtet, dass „this is the story of how things used to be back when I was alive. It’s a sad one and I could never have imagined all those things that happened“, verdienen sich MINDPATROL schon nach wenigen Sekunden eine Medaille für lyrischen Kitsch auf niedrigen Niveau, welche die Herren auch mit anderen Textfragmenten wie „there is no place for me. Come and see my loneliness. The world has turned its back on me“ oder „ghostly soldiers form my army. So fear me for I’m the theatre king“ eifrig verteidigen. Kurz zusammengefasst: Das lyrische Ich verliebt sich in eine Dame, die sich nach Jahren zum schlimmsten Menschen des Kosmos mausert und den Verliebten mit einem so gebrochenen Herzen zurücklässt, dass dieser eine Metamorphe seines gesamten Ichs durchlebt und  fortan von „bury yourself“, „hold your breath for I cut your throat“ und „we are all here to spread hate and sin“ schwafelt. Beziehung scheitern, Liebe erlöscht, Menschen betrügen – der Stoff, aus dem klassische Dramen und moderne Telenovelas ihre Geschichte beziehen, ist auch der Stoff, den MINDPATROL hier vorstellen, jedoch fernab von jeglicher sprachlicher Raffinesse. Ein Blick auf den Info-Sheet verrät: „Zusätzlich zum Album wird es einen Roman geben, welcher die Ereignisse der Geschichte weiter ausschmückt“. Bitte nicht!

Den versprochenen Mix aus verschiedenen Genre bleiben die Gründungsmitglieder Francois und Hofmann, wie häufig bei Ankündigungen dieser Großspurigkeit, schuldig und setzen ihren faden wie abwechslungsarmen Kompositionen noch die Krone durch einen schiefen und mehrere Tonarten zu hohen Gesang auf. Mit „Forever Mine“ und „Golden Light“ schuf das Duo gleich zu Beginn ihres Debüts nach weniger als zehn Minuten nicht nur ein Paradebeispiel für klebrig-süße Textzeilen, sondern auch noch für ungelenke Gesangübungen eines weniger talentierten Sängers. Wenn das die erwähnten Power-Metal-Stücke darstellen sollen, dann dürfen sich Tobias Sammet und Hansi Kürsch offiziell verhöhnt fühlen.

Stücke wie „Depulsoris Ira“ und das letzte (fünfzehnte!) Lied „My Final Sin“ bieten mit ihren Up-Tempo-Intros eine temporäre Abwechslung vom sonst unspektakulären Riffing. Und mir schwant, dass MINDPATROL diese wenigen Minuten schnelleren Gitarrenspiels als Black Metal bezeichnen – allein wegen des schnelleren Gitarrenspiels. Schon für diese Reduzierung eines komplexen Genres gehören Francois und Hofmann ermahnt! Zusätzlich zu der Schelte für diesen Fauxpas, welchen „Downfall Theatre“ in seiner sprachlichen wie musikalischen „Kreativität“ darstellt!

Wertung: 4 / 10

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