Review Morning – Hour Of Joy

„Im Westen nichts Neues“. Das ist nicht nur ein Roman von Erich-Maria Remarque, sondern könnte auch das Motto der Holländer MORNING sein, die uns mit „Hour Of Joy“ ihr Debüt-Werk vorgelegt haben.
Der Westen ist in diesem Fall Holland. Und welchen Stil zelebrieren Bands aus dem Land des Gouda und der Tulpen für gewöhnlich? Richtig! Epischen Gothic Metal mit Frauengesang. Paradebeispiele dürften hier wohl „The Gathering“ und „After Forever“ sein. Und eben das präsentieren uns auch MORNING.

Fette Metal-Riffs, ein treibendes Schlagzeug, breite Keyboard-Teppiche, elegische Gitarren-Soli und kraftvoller Gesang. Das sind die bekannten Elemente, die den Sound des Sextetts bestimmen. Mal eher metallisch kraftvoll wie in „The Unreachable Mess“ oder oder „The Unknown Is Searching The Unfound“, mal eher episch und melodisch wie in „Kill The Silence“ oder „Inside“. Auf jeden Fall liegt die Betonung immer klar auf der Stimme von Saskia, die zugegebenermaßen trotz ihres zarten Alters von 21 Jahren eindeutig mit den Größen des Genres konkurrieren kann. Eine Tatsache die, was das handwerkliche betrifft, auch auf ihre Kollegen zutrifft. Von der Ausführung her kann man da nicht meckern.

Leider gilt das nicht für das Material, das wir hier vorgesetzt bekommen. Das ist doch alles arg gleichförmig und bekannt. „The Gathering“ und „Epica“ blicken doch an allen Ecken und Enden ständig durch. Lediglich ein Track sticht aus dieser Masse hervor. „Captured By The Colour Of Faith“ überzeugt mit einer beklemmenden Atmosphäre und eingestreuten Growls, die ebenfalls von Saskia zu stammen scheinen, aber im Gegensatz zu ihrer typischen Singstimme eher an Angela Gossow erinnern. Zwar erreicht Saskia nicht ganz deren Agressivität und Härte, aber ich habe sogar von Männern schon schlechtere Growls gehört!
Der Rest des Materials ist hingegen bestenfalls Mittelmaß. Symptmatisch hierfür ist das Queen-Cover „The Show Must Go On“, das am Ende des Silberlings steht. MORNING schaffen es zwar, das Original technisch gut umzusetzen, aber irgendwie fehlt hier was. Der Titel wirkt, als hätten die Niederländer sich aufs einfache Nachspielen verlegt. Lediglich der ein oder andere – aber dafür auch schon ziemlich oft gehörte – Riff bildet eine Neuheit. Das erreicht einfach niemals die Magie von Queen!

Insgesamt ist das nicht schlecht – ein Totalausfall ist zumindest nicht dabei – aber eben auch nicht gut. Freunde des Goth Metal sollten sich die Scheibe dennoch wenigstens mal anhören. Schon wegen der herausragenden Sängerin und dem erwähnten „Captured By The Colour Of Faith“. Das sind auch die einzigen beiden Dinge, die die Platte vor einer schlechten Bewertung retten. So bleibt am Ende eine durchschnittliche Platte mit durchschnittlicher Bewertung: Fünf!

Wertung: 5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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