Review Nehëmah – Light Of A Dead Star

  • Label: Oaken Shield
  • Veröffentlicht: 2002
  • Spielart: Black Metal

Anno Domini 2002: Die Franzosen von NEHEMAH, die damals seit bereits einem Jahrzehnt Black Metal der kältesten und ungeschliffensten Art spielten, bringen ihr Debutalbum heraus. Was kann man, vor 6 Jahren genauso wie heute, von einer Band erwarten, die nach zehnjährigem Bestehen und zwischenzeitlicher Inaktivität ihr erstes Full Lenght Album herausbingt? Im Falle Nehëmah nur das Beste, dass will ich niemandem Vorenthalten.

Zugegeben, das Intro „The Witch Burns“ tönt recht unspektakulär aus den Boxen, das Knistern von Feuer gesellt sich zu ein paar unterschwelligen Keyboards, die eine nokturne, beklemmende Stimmung kreieren. Ehe man sich versieht, ist man allerdings bereits mitten im pfeilschnellen Opener „Light Of A Dead Star“ angelangt, der mit rasenden Tremolo-Gitarrenläufen, vielen Tempowechseln in bester alter DARKTHRONE Manier und- was doch ziemlich untypisch für Black Metal der alten Schule ist- einem markant knurrenden Bass aufwartet, der sich gegen Ende sogar ein wenig in den Vordergrund schiebt und einige stimmungsvolle Läufe hervorzaubert. Dabei ist die Leichtigkeit, mit der die vier Herrschaften sich durch ihr Liedgut bewegen, höchst bemerkenswert. Es gibt immer wieder Reminiszenzen an DARKTHRONE, alte BATHORY und BURZUM, aber genauso, wie sie den alten Vorbildern huldigen, reichern Nehëmah ihr Material gekonnt mit genrefremden Harmonien und Rhythmen an, was dem Gesamtbild mehr als nur zugute kommt. Dies wird besonders bei “ Nehëmah In Vulva Infernum“ deutlich, das man wohl als den absoluten Übersong dieses Albums bezeichnen kann: Im schleppenden Midtempo angesiedelt, zaubern die Leadgitarren ein majestätisches, erhabenes Gebilde aus orintalisch anmutenden Melodiebögen, die am Ende sogar in zweistimmige Melodien übergehen. Das ganze wird noch getragen von einem dezenten, aber gut vernehmbaren Bass und zum Ende hin derart spannend aufgebaut, dass es sich schließlich in einer triumphalen klanglichen Explosion entlädt.
Wer hier keine Gänsehaut kriegt, hat von großer Musik wohl wirklich keinen blassen Schimmer. Aber nicht, dass hier der Eindruck entsteht, dass es nur „Nehëmah In Vulva Infernum“ wäre, das dieses Album zu einem solchen Juwel macht. Denn egal, ob es sich nun um den rasenden Opener „Light Of A Dead Star“, das zermürbende, von verzerrten, klirrenden Gitarrenwänden vorangetriebene „In October Nightshades“, in das Nehemah mit großem Einfühlungsvermögen eine fragile, melancholische Akustikpassage eingebaut haben, oder den ausdrucksstarken, von an Emperor erinnernden Leads eingeläuteten, aber am Ende in ein wehmütiges Gesangsszenario umschlagenden Song „I Will Sleep With The Dragon“ handelt, allesamt sind es herausragende Lieder, die das große Können Nehëmah’s eindrucksvoll unter Beweis stellen.

Dass die Produktion mit der klassischer Black Metal Alben wenig zu tun hat, habe ich ja bereits erwähnt. Schon die enorme Präsenz des Basses und die zwar sägenden, aber recht voluminösen Gitarren dürften jeden, der den typischen Klang eines orthodoxen Black Metal Albums erwartet hat, erst einmal verwundern. Auch das Schlagzeug klingt zwar verhallt und „typisch“, ist aber gleichzeitig deutlich präsenter und homogener in das Liedgut eingearbeitet, als es bei Produktionen dieses Genres oft der Fall ist. So zeigen Nehëmahauch in in produktionstechnischen Belangen ihren Riecher für einen Sound, der zwar „old-school“ klingt, aber eben doch dem guten Geschmack und dem Können der Musiker nicht entgegenarbeitet.

Generell leistet das französische Vierergespann hier beste Arbeit: Alle beteiligten Musiker bringen ihr Können in die Musik ein, kein Instrument wird grob vernachlässigt, jede Sekunde atmet und klingt homogen. Und das alles bringen sie in einem Klanggewand der klirrendsten und unheilvollsten Art unter. Das absolute i-Tüpfelchen auf diesem entzückenden Album ist wohl Corvens Gesang, der wirklich an eine Krähe erinnert, manchmal fast schon so dermaßen, dass man sich fragt, ob es sich um einen Menschen handelt, der hier seine dunklen Gesangskünste zum Besten gibt. Das ganze ist dann noch ordentlich verhallt, was die ohnehin schon unheimlichen Krächzvokale des Sängers noch weltfremder erscheinen lässt. Zu schade, dass Corven auf den nachfolgenden beiden Alben seine individuelle Gesangsnote größtenteils gegen den Klang eines Abbath(IMMORTAL) eintauschte.

Wer Black Metal der alten Schule liebt, der wird vor „Light Of A Dead Star“ nur niederknien können. In Anbetracht all der grandiosen Riffs und Stimmungen, die Nehëmah auf diesen Tonträger gebannt haben, bleibt einem gar nichts anderes übrig. Diejenigen, die Black Metal zwar prinzipiell mögen, aber in neuere Veröffentlichungen der Old-School Fraktion wenig Vertrauen setzen, sollten mal ein Ohr riskieren. Die Franzosen machen nichts falsch, im Gegenteil, sie beglücken ihre Hörerschaft mit einem Prachtstück nach dem anderen und man kann „Light Of A Dead Star“ meiner bescheidenen Meinung nach als eines der besten französischen Kunstwerke blackmetallischer Machart bezeichnen. Das Genre neu erfunden haben sie nicht- aber muss man das immer? Manchmal bringen Leidenschaft und ein gesundes Maß an Traditionsbewusstsein vereint mit kompositorischem Können eben auch Besseres hervor als sture Progressivität um jeden Preis. Insofern gibt es von mir beinahe die volle Punktzahl für ein Werk, das es wirklich in sich hat.

Wertung: 9.5 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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