Review Psy:Code – Delusion

Hat der geneigte Metaller die letzten Jahre über ein aufmerksames Auge auf unser Nachbarland Dänemark geworfen, so wird ihm garantiert eine Sache aufgefallen sein: Unter all den neuen Acts, die sich im Staat zwischen der Skandinavischen Halbinsel und Mitteleuropa aus dem Boden gestampft haben, hat sich die überwiegende Mehrheit dem Modern Metal in seinen verschiedenen Auslegungen verschrieben – was es nicht gerade einfacher macht, den Überblick zu behalten.

Die vor wenigen Jahren gegründeten PSY:CODE gehören zwar zu eben jenen Bands, bilden aber insofern eine seltene Ausnahme, als dass ihr zwar sehr moderner Sound durch eine sehr eigenständige Spielweise transportiert wird. Das erste größere Zeugnis davon soll nun der lang erwartete Studiostreich „Delusion“ abgeben. Vollständig in Eigenregie im bandeigenen SteinLab Studio entstanden, konnten Dänen damit außerdem einen Labeldeal bei ihren Landsmännern von Mighty Music einfahren.
„Fundamental State Of Mind“ ist ein cleverer Schachzug, täuscht den Hörer noch für kurze Zeit und macht ihn glauben, dass auch im weiteren Verlauf der 11 Tracks starken Scheibe die Brutalo-Schiene gefahren wird. Stattdessen zeigt sich aber nur allzu schnell, dass viel mehr das Gegenteil der Fall ist. PSY:CODE verstehen sich zwar ohne Probleme darauf, dem Hörer Blastbeat-Attacken entgegenzuschleudern oder durch das Runterschrauben der Geschwindigkeit und damit verbundenes Stakkato-Riffing und dem angepassten Gesang zu überzeugen.
Wirkliches musikalisches Geschick beweist das Quintett allerdings mit der eingängigen Melodieführung und den Refrains, die absoluten Ohrwurm-Charakter haben und in ihrer Dichte nach Vergleichbarem suchen dürfen. Wer nun denkt, dass sich der Härtegrad des FullLength-Debüts dadurch merklich nach unten korrigiert, irrt. Nackenbrecher im Stile von „Cut The Queen“ und „No Regrets“, die vom gerölllawinenartigen Growling des Fronters Schou leben, beweisen das Gegenteil. Allgemein scheint der Mikrofonbefeuchter die komplette Gesangspallette der extremen Künste auf dem Kasten zu haben, wodurch beinahe jeder Song eine ganz eigene Stimmung verliehen bekommt – und „Delusion“ als Ganzes doch in sich stimmig ist.

PSY:CODE liefern damit ein absolut hörenswertes Debüt ab, das für eine Eigenproduktion zudem mit einem beachtlich guten Sound ausgestattet ist. Moderner Metalcore kann tatsächlich so abwechslungsreich klingen. Hier ist also nichts faul im Staate Dänemark – im Gegenteil. Man darf gespannt sein, was es in Zukunft noch von dieser jungen Band zu hören gibt. Interessant bleibt es allemal.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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