CD-Review: Schelmish - Die Hässlichen Kinder

Besetzung

Dextro - Gesang, Gitarre, Schalmeien, Sackpfeifen, Cister
Daniel San - Gesang, Gitarre, Bouzouki
Rimsbold - Gesang, Sackpfeifen, Schalmeien
DesDemonia - Gesang, Sackpfeifen,Schalmeien, Bouzouki
Picus von Corvin - Gesang, Keyboard, Synthesizer, Davul, Percussion
Der Hai - Bass
Samtron - Schlagzeug, Schlagwerk, Percussion
Luzi - Sackpfeifen, Schalmeien, Bouzouki

Tracklist

01. Bist du bereit
02. Boulevard
03. Überladen
04. Too Late
05. Die hässlichen Kinder
06. For The Clansmen
07. 1212
08. Blähsucht
09. Goresh
10. Sommer
11. Strangers
12. Sag nur ein Wort
13. Mosaik
14. Für euch


Abteilung „Manchmal beißt man mehr ab, als man runterschlucken kann“. Mein letzter Ausflug in Mittelalter-Rock-Gefilde liegt ja nicht allzulang zurück und ging mit Cumulo Nimbus auch relativ glimpflich aus, also wieso nicht gleich noch eine Runde in längst vergangene Zeiten eintauchen und mal schauen, was sich hierzulande noch in dem Genre tummelt. Dabei stieß ich auch mal wieder auf den Namen SCHELMISH und auf die Promo zu ihrem neuen, wenn ich mich nicht täusche bereits achten Album „Die hässlichen Kinder“… Komischer Titel, aber von solchen Äußerlichkeiten lass ich mich ja nicht abschrecken, die Musik ist was zählt.

Und da war ich doch erst mal etwas überrascht. Der Opener „Bist du bereit“ eröffnet mit leichten Ethno-Klängen, die hier und da etwas in Gothic-Gefilde abdriften, dazu tief tönender, gemäßigter Gesang… Erinnert alles in allem etwas an eine zahmere Form von Rammstein oder irgendwo auch an Knorkators Versuche, eben diese Band zu veralbern. Aber es klingt tatsächlich gar nicht so schlecht. Etwas sehr simpel vielleicht, aber ich hab schon schlechteres gehört.
Und zwar beispielsweise das, was auf den ordentlichen Opener folgt. Schon Track 2, „Boulevard“, zeigt SCHELMISH von einer ganz anderen Seite. „Endlich“ kommt das durch, was mir auf der Rückseite des Promo-Cardsleeves und dem Promoschrieb versprochen wurde: „Medieval Rock/Punk/Metal“. Oder auch nicht. Denn „Boulevard“ ist so eine entsetzlich einfalls- und niveaulose, halbärschige Punknummer, dass sich mir die Fußnägel hochrollten. SCHELMISH rechnen hier also mit ihren Kritikern ab, aber das wird auf so plumpe und beleidigende Art und Weise gemacht, dass es dem Oktett aus Bonn schwer fällt, irgendwie Sympathien damit aufzubauen. Eigentlich wirkt das ganze nur wie das Genöle eines verzogenen Kindes, das der (scheinbar berechtigten) Kritik mit einem „Selber!!!“ gegenüber tritt. Apropos „tritt“: Einen Song mit einem Furzgeräusch einleiten, yey. Da, das Niveau zuckt noch, tritt noch mal drauf.
Dass es noch eine Etage tiefer geht beweisen SCHELMISH glücklicherweise erst wieder mit dem unglaublich misslungenen „Blähsucht“, da werden tatsächlich noch Löcher gegraben, um noch ein wenig tiefer zu kommen. Zwischen diesen beiden Nummern bemühen SCHELMISH sich aber auch nicht gerade um hohe Kunst. Gespielt wird eine recht krude Mischung aus eher lockeren, an die Ärzte erinnernden Parts und einer großen Portion eher dreckigem Rock wie ihn die Böhsen Onkelz ihrerzeit zelebrierten, angereichert mit ein paar mittelalterlichen Instrumenten, deren Einsatz so dermaßen aufgesetzt wirkt, dass sich mir irgendwie der Gedanke aufdrängt, dass man’s doch gerne zwei Fanbasen recht machen will. In den sterbenslangweiligen Instrumentalstücken „For The Clansmen“ und „Goresh“ klingt der Kram dann auch noch so steril, plastifiziert kaputtproduziert, dass ich mir schwer vorstellen kann, dass irgend jemand die Dinger selbst gespielt hat.

Ehre wem Ehre gebürt: Ganz ohne Reiz ist „Die hässlichen Kinder“ nicht. „Bist du bereit“ ist – wie schon gesagt – relativ anhörbar und die obligatorische Ballade „Sag nur ein Wort“ kommt auch überraschend gefühlvoll daher und gehört wohl zu den besseren dieses Genres. Auch ist Leadsänger Dextro eigentlich gar nicht wenig talentiert, der Mann hat eine gute Stimme, die angenehm ins Ohr geht. Das Problem ist halt nur, wofür er sie normalerweise einsetzt. Denn sowohl die ordentliche Gesangsleistung als auch die beiden netten Tracks sind zwischen all dem Bullshit, den SCHELMISH hier produziert haben, völlig verloren und können einem von daher sogar ein Stück weit Leid tun. Es ist bezeichnend, wie viele Voiceovers Napalm auf die Promo-CD klatschte. Merkten sie vielleicht selber, was sie da rausgebracht haben, und wollten das Elend noch kaschieren? Wer weiß es nur.
Ihr Publikum wird die Band mit diesem Album zweifelsohne finden, ansonsten könnte man einen Rausschmeißer wie das frappierend an „Auf gute Freunde“ von den Onkelz erinnernde „Für Euch“ auch gar nicht aufnehmen, ich bin heilfroh nicht dazu zu gehören. Aber da ich ja als Musikjournalist auch zum „Boulevard“ gehöre und es SCHELMISH nach eigener Aussage eh „am Arsch vorbei geht“, was „wir“ denken und schreiben, können SCHELMISH und wir Presseheinis ja ab sofort versuchen einander zu ignorieren und friedlich zu koexistieren. Trotzdem gibt’s noch wohlwollende:

Bewertung: 1 / 10

Geschrieben am

1 Kommentar zu “Schelmish – Die Hässlichen Kinder”

  1. René A. Dippe

    Ich weiß, dieser Artikel ist inzwischen 6 Jahre alt und die Band seit 7 Jahren inaktiv, aber: wieso wurde der doch recht gesellschaftskritische und vorallem titelgebende Song „Hässliche Kinder“ damals völlig außer Acht gelassen, als dieser Artikel geschrieben wurde? Schelmish verpackten in ihren Songs sehr oft sozial- und gesellschaftskritische Botschaften (eben durchaus typisch Punk oder mittelalterlich formuliert: „narrenhaft“). Die Gesellschaft wird unterhalten während ihr der sprichwörtliche Spiegel vorgehalten wird. „Hässliche Kinder“ kritisierte in beißend humorvoller Art und Weise die Oberflächlichkeit unserer Gesellschaft, damals wie heute, Schönheitsideale die fern jeder Realität und jeden Gesundheitsbewusstheits liegen. „Boulevard“ befasste sich mit der reißerischen und meinungsBILDenden Art mit der diese Boulevardblätter (damit ist übrigens mit nichten jeder Journalist persé gemeint, aber wem der Schuh passt der zieht ihn sich eben an) in der Regel berichten. Dass einem das „am Arsch vorbei geht“ was „die“ schreiben kann ich absolut verstehen. Das hat sich nach 10 Jahren auch leider nicht zum positiven geändert, wahrscheinlich wurde die Botschaft einfach nicht erkannt.

    Ich bin übrigens weder ein sonderlich großer Schelmish-Fan (ich hör die Songs, wie sie in meinen Playlists auftauchen, suche aber nicht explizit danach), noch Musikjournalist, ich bin lediglich ein kleiner Webdesigner mit einem Hauch Punk/Narr im Herzen, der bei Musik auch einmal genauer hinhört.

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