Review Shai Hulud – Reach Beyond The Sun

Die Hardcore-Exoten SHAI HULUD dürften hierzulande spätestens seit ihrer letztjährigen Tour mit Sick Of It All bekannt sein. Die Band, die schon seit 1995 existiert und nach den Sandwürmern aus dem Science-Fiction-Roman „Dune“ benannt ist, legt mit „Reach Beyond The Sun“ ihr insgesamt viertes Studioalbum vor.

Die Amerikaner hatten schon immer den Ruf, etwas komplizierter zu Werke zu gehen als das Gros ihrer Genre-Kollegen. Das lässt sich auch an dem neuen Album schnell nachvollziehen. Der Opener „The Mean Spirits, Breathing“ fiedelt sich mit einer Mischung aus melodischer Eleganz und hoher instrumentaler Intensität nach vorne – Was SHAI HULUDs „Reach Beyond The Sun“ aber vor allem ausmacht, sind die unerwarteten Wendungen in den Songs: Sehr gut hörbar wird das in „I, Saturnine“ und dem darauf folgenden Titeltrack, die zwischen Uptempo und langsameren Halftime-Beats wechseln und dabei ein bestimmtes Thema vielfach wieder aufgreifen – bevor es in Letzterem in einem intensiven Finish gipfelt, das durch die auch sonst sehr oft und gerne eingesetzten Gang Shouts an Eingängigkeit gewinnt.
Die Amerikaner fühlen sich in jedem Bereich wohl – seien es Groove-lastiges Midtempo („Monumental Graves“), typische Hardcore-Rhythmen mit Double-Bass-Einsatz („If A Mountain Be My Obstacle“) oder abwechslungsreiche, mit massig Melodien und Breaks gespickte Tracks wie „Medicine To The Dead“ und „Man Into Demon: And Their Faces Are Twisting With The Pain Of Living“.
Der unkonventionelle Stil von SHAI HULUD ist aber sicher nicht jedermanns Sache: Wer ein Album braucht, das beim ersten Hören richtig knallt, ist bei den Amis an der falschen Adresse. Dafür passiert in den elf Songs einfach zu viel. Leider gelingt es SHAI HULUD auch nicht immer, alle ihre Ideen zielstrebig genug zu verpacken: Sicher beinhalten einige Tracks auf dem Album coole Leads und spannende Breaks, und auch die zahlreich vertretenen Gastsänger tragen zum Abwechslungsreichtum der Platte bei.
Andererseits gibt es abgesehen von dem sehr coolen „A Human Failing“ keinen Song, der bei mir von vorne bis hinten zündet und bei dem man intuitiv die Repeat-Taste drücken möchte. Ausreißer nach unten gibt es zwar auch nicht – dennoch kann man von einem Hardcore-Album doch ein wenig mehr Abgehtauglichkeit erwarten. Live dürfte das Material aufgrund seiner sehr mitsing-tauglichen und Publikums-orientierten Gesangspassagen für ordentlich Stimmung gut sein…

… davon abgesehen hat man es jedoch mit einem Album zu tun, das musikalisch im Verhältnis zu anderen Hardcore-Bands überdurchschnittlich gut konzipiert, aber dennoch nur durchschnittlich begeisternd und „nur“ überzeugend ist.

Wertung: 6.5 / 10

Publiziert am von Pascal Stieler

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