Das Cover des gleichnamigen Albums der Band Stormwarning.

Review Stormwarning – Stormwarning

STORMWARNING sind eine dieser Bands, die man auf den ersten Blick gerne als weiteres Produkt des nie zum Stillstand kommenden Fließbands der süditalienischen Plattenfirma Frontiers Music abtun möchte: Eine südamerikanische Melodic-Metal-Band, deren Debüt über besagtes Label erscheint, wurde in den meisten Fällen am Schreibtisch von Plattenboss Serafino Perugino geboren. Wenngleich nachvollziehbar, ist dies jedoch ein Irrtum. die argentinisch-brasilianischen STORWARNING sind nämlich eine dieser seltenen Gruppen, die tatsächlich auf natürliche Weise entstanden sind und die man wie die sprichwörtliche Nadel im Frontier’schen Heuhaufen suchen muss. Es könnte sich also durchaus lohnen, ihrem selbst betitelten Debüt eine Chance zu geben.

Prinzipiell passt der Sound von STORMWARNING absolut zum Frontiers-Kerngeschäft. Verpackt in eine moderne, druckvolle Produktion spielt die Truppe melodischen Heavy Metal ganz im Stile der 80er. Im eröffnenden „Eye Of The Storm“ erinnert das vor allem im Hinblick auf die Gitarrenriffs an Whitesnake zu Zeiten von „Slip Of The Tongue“ und in Nummern wie „Lovers In The Dark“ oder „Soldiers Of Love“ eignen sich dank entsprechend üppig eingesetzter Keyboards auch Bands wie Survivor als Referenz. Mit Frontmann Santiago Ramonda hat die Formation zudem einen wenig individuellen aber höchst talentierten Sänger in ihren Reihen, der perfekt zu dieser Art Musik passt. So weit, so gewöhnlich.

Allerdings unterscheiden sich STORMWARNING in einem entscheidenden Punkt von der Mehrzahl ihrer Label-Kollegen: Sie sind eine tatsächliche Band und das hört man. Zwar spielen die Südamerikaner exakt den gleichen Sound, den die Plattenfirma den meisten ihrer künstlich erschaffenen Projekte auf den Leib schneidert, jedoch hört man der Performance auf diesem Album die Leidenschaft an. STORMWARNING wollen offenkundig genau diesen Sound machen und haben ihn auch voll verstanden. Natürlich bewegt sich die Gruppe stets innerhalb der Grenzen der Sparte und lässt in „Sweet True Lies“ oder der zuckrigen Ballade „Question Of Time“ kein Klischee aus; hier wirkt das aber eher wie eine Hommage als wie die lieblose Aneinanderreihung typischer Versatzstücke.

Dass diese Platte Spaß macht, mag auch daran liegen, dass sich STORMWARNING zweifelsohne als Metal-Band verstehen. Das Trio orientiert sich zwar an einem hochmelodiösen Sound, schafft es aber stets, diesen mit der nötigen Wucht auszustatten. Einerseits gelingt dies dank des Drummings von Felipe Souzza, der jeden der Songs mit wuchtigen Grooves antreibt und etwa in „Last Trip To Eden“ auch nicht vor geschmackvollem Doublebass-Einsatz nicht zurückschreckt. Zum anderen erzeugen STORMWARNING den nötigen Druck auch durch unerwartet bissigen Gitarrensound, der dafür sorgt, dass die Synthies nie Überhand nehmen und ein insgesamt schön kantiges Gesamtbild entsteht.

Das Fazit am Ende solcher Kritiken ist wirklich immer das Gleiche: Wenn man es mit einer echten Band anstelle eines des Namedroppings wegen zusammengewürfelten Kunstprodukts zu tun hat, findet man auch bei Frontiers Music echte Qualität. STORMWARNING transportieren auf ihrem Debüt den melodischen Heavy-Metal-Sound der späten 80er dank starkem Songwriting und tadelloser Umsetzung gekonnt ins 21. Jahrhundert. Das ist mit Sicherheit nicht innovativ oder überraschend, aber es macht von Anfang bis Ende verdammt viel Spaß. Es bleibt zu hoffen, dass diese Platte von der Kundschaft des Labels nicht übersehen wird, weil kein großer Name dabei ist …

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Wertung: 7.5 / 10

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