Review The Cumshots – Just Quit Trying

Manchmal tauchen ziemlich merkwürdige Bandnamen im internen Promoverteiler auf. ReinXeed zum Beispiel, oder Elvira Madigan oder was weiß ich. Ich staunte das ein oder andere Mal schon nicht schlecht, aber am meisten rieb ich mir wohl die Augen, als Kollege Robin nach jemandem Suchte, der sich dem neusten Output einer Band namens THE CUMSHOTS annehmen solle. Wie der eine oder andere schon so richtig vermutet, meldete ich mich freiwillig für die Operation, wobei ich mir noch nicht ganz sicher war, worauf ich mich da einließ. Der… sagen wir mal „pornöse“ Name des norwegischen Fünfers ließ schon mal viel Raum für Spekulationen, auch so Tracktitel wie „Bitter Erection“ oder „Vomitory“… Und die Genrebeschreibung „Death’n’Roll“ bei den Metal Archives beseitigte auch die ein oder andere Klarheit, kurzum: Der erste Durchlauf von „Just Quit Trying“ kam einem Sprung ins kalte Wasser schon recht nahe…

Nehmen wir einfach mal direkt vorweg, dass das Wasser im Endeffekt doch etwa Zimmertemperatur hatte. Denn obwohl die ersten paar Takte vom Opener „Praying for Cancer“ vor allem gesanglich gewöhnungsbedürftig sind, stellt sich schon bald etwas ein, was man mit den Worten „fettes Grinsen“ wohl am Besten benennen kann. Denn seltener hat die Bezeichnung Death’n’Roll so gut zu einer CD gepasst, wie zum dritten Album von THE CUMSHOTS. Das hat übrigens erst zwei Jahre nach seiner Veröffentlichung wirklich seinen Weg nach Deutschland gefunden, als die Jungs aus Oslo beim deutschen Label Rodeostar unterschrieben und den Hamburgern aus Dankbarkeit „Just Quit Trying“ komplett inklusive zwei Videoclips in die Hand drückten.

Aber ich schweife ab, denn eigentlich sollte es ja um die eigentliche Musik gehen. Da hätten THE CUMSHOTS viele Möglichkeiten gehabt, sich gut selbst ein Bein zu stellen. Zu oft habe ich es schon erlebt, dass hinter einer Band, die ein spaßiges Image pflegt, eigentlich nur heiße Luft steckt. THE CUMSHOTS sind da irgendwie anders. Denn obwohl alles, was die Jungs bandtechnisch tun, irgendwie ein dickes fettes Augezwinkern nicht verhehlen kann (der Track „Vomitory“, der eine Widmung an einen hauseigenen „Kotz-Raum“ einer Bar auf der hamburger Reeperbahn gewidmet ist, oder aber auch ein Auftritt vor ein paar Jahren, als die Jungs zugunsten eines „Rettet den Regenwald“-Projekts eine Live-Pornodarbietung auf der Bühne zuließen), sind die Norweger Vollblutmusiker, die sich nicht hinter ihrem Namen verstecken brauchen.

Los geht’s wie schon gesagt mit „Praying for Cancer“ und gespielt wird eine Mischung aus Death und Heavy Metal mit Rotzrock-Attitüde. Der leicht gegröhlte Gesang von Frontmann Max Cargo (bürgerlicher Name Kristopher Schau, ein bekannter norwegischer Comedian und Performance-Künstler) dringt ziemlich schmutzig aus den Boxen, wobei ich jetzt nicht genau weiß, ob da im Studio nachgeholfen wurde oder ob das wirklich zu hundert Prozent natürlich aus seiner Kehle kommt. Der Gesang klingt nämlich sehr ungeschliffen, während die Produktion und Abmischung des restlichen Soundbilds glasklar, gut drückend und schön transparent ist. Das erzeugt einen netten Gegensatz, der gefällig ins Ohr geht und sich darin festsetzt.

Meistens bewegen THE CUMSHOTS sich im leicht gehobenen Midtempo, die Rhythmusfraktion zeigt sich sehr timingsicher und groovt ohne Ende, die Gitarreros riffen sich während dessen sehr versiert durch die Notenskalen. Das Ganze artet nie in Gefrickel aus, bewegt sich aber auf einem technisch sehr ordentlichen Niveau. In den Refrains wird dann meist etwas melodischer gekocht, da lässt sich schön mitgröhlen und sowieso kann man Fuß und Kopf nur schwer vom Mitwippen abhalten. Vergleichbare Bands finden sich nur schwerlich, die Death’n’Roll-Pioniere Entombed wollen nicht so recht passen, vielleicht eher die Finnen von The Black League, wobei sich bei THE CUMSHOTS weniger Blues-Einflüsse finden.

Dafür überraschte der vorletzte Track „Black Silence“ mich beim ersten Hören mit etwas, das ich so absolut nicht erwartet hatte. Über weite Strecken klingt der Song nämlich den eher harscheren Parts der „Back To Times Of Splendor“ von Disillusion zum Verwechseln ähnlich. Auch der großartige Rausschmeißer „Baptized In Broken Glass“ erinnert stellenweise an die Leipziger. Daran mag man schon merken: THE CUMSHOTS setzen sich selbst keine Grenzen, sondern kreieren ihren eigenen, ziemlich frischen, unverbrauchten Sound, der viel Spaß macht und zum immer wieder hören einlädt. Denn trotz der teilweise etwas harscheren musikalischen Themen (Gewalt und Rache, Alkoholismus, Nutzlosigkeit und was weiß ich noch alles) ist „Just Quit Trying“ ein tolles Gute-Laune-Rotz-Rock-Album mit einigen netten Überraschungen und einer anbetungswürdigen Halbwertszeit. Darum:

Wertung: 9 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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