CD-Review: The End Machine - Phase 2

Besetzung

Robert Mason - Gesang
George Lynch - Gitarre
Jeff Pilson - Bass
Steve Brown - Schlagzeug

Tracklist

01. The Rising
02. Blood And Money
03. We Walk Alone
04. Dark Divide
05. Crack The Sky
06. Prison Or Paradise
07. Plastic Heroes
08. Scars
09. Shine Your Light
10. Devil’s Playground
11. Born Of Fire
12. Destiny


Als Gitarrist der U.S.-amerikanischen Hard-Rock- bzw. Heavy-Metal-Helden Dokken etablierte sich George Lynch als einer der großen Axtmänner der 80er. Manch einer seiner Fans wird argumentieren, dass mit seiner Ur-Band seit seinem Ausstieg nicht mehr viel los ist – selbst die kurzlebige Reunion im Jahr 2016 konnte die Magie der Anfangsphase nicht wiederbeleben. Da auch Mr. Lynchs Nachfolgeband Lynch Mob mittlerweile auf Eis liegt, dürften THE END MACHINE die einzige wirksame Ersatzdroge für all jene sein, die das klassische Dokken-Line-up schmerzlich vermissen. Auf ihrem vor zwei Jahren erschienenen Debüt spielten neben dem Gitarristen nämlich auch noch Bassist Jeff Pilson und Drummer Mick Brown und damit immerhin drei Viertel der Dokken-Gründer. Mick Brown hat die Drumsticks mittlerweile an den Nagel gehängt und so springt auf „Phase 2“ sein Bruder Steve ein. Es bleibt also alles in der Familie …

Den Wunsch, das Feeling der Dokken-Hochphase wiederzubeleben, hegt auch der Meister selbst: Im Booklet zu „Phase 2“ schreibt Mr. Lynch in seinen Liner Notes, dass THE END MACHINE beim Schreiben des Albums maßgeblich darauf fokussiert waren, das Flair von phänomenalen Platten wie „Tooth And Nail“ oder „Back For The Attack“ wiederzufinden. Solche Aussagen sind gefährlich, können derartig angepriesene Platten den so geschürten Erwartungen doch praktisch nie gerecht werden. THE END MACHINE schlagen sich hier jedoch besser als gedacht. Das macht sich in erster Linie daran bemerkbar, dass „Phase 2“ – eingeleitet vom gut einminütigen Intro-Solo „The Rising“ – ein sehr gitarrenlastiges Album geworden ist, auf dem die Leadgitarre sehr viel Platz beanspruchen darf. Das war in der jüngeren Schaffensphase des George Lynch nicht immer so und es ist ein deutlicher Schritt zurück in Richtung Dokken, dass der Musiker sich hier als Gitarrenheld in den Vordergrund spielt.

Tatsächlich gelingt es den Herren von THE END MACHINE auf „Phase 2“ öfter als erwartet, positiv an die stilbildenden Alben ihrer Zeit mit Don Dokken zu erinnern. Klar, ein bisschen aufgesetzt wirkt es schon, wenn sich die Truppe knapp 40 Jahre später an einem vergleichbaren „Vibe“ versucht, gute Songs kommen dabei aber nichtsdestotrotz heraus. Titel wie „Crack The Sky“, das knackige „Prison Or Paradise“ oder auch „Shine Your Light“ mit seinem coolen Solo lassen den Geist klassischer Dokken-Platten mindestens erahnen. Auf „Phase 2“ findet sich somit zwar kein zweites „Tooth And Nail“, aber doch immerhin eine Menge grundsolider Hard-Rock-Songs mit dezenter Metal-Schlagseite, die wenigstens mit einem Bein in der Vergangenheit stehen. Dazwischen findet sich moderner ausgerichtetes Material wie das groovende „Plastic Heroes“ und die Halbballade „Scars“, die in jedem Fall als Füllmaterial taugen.

Größter Pluspunkt von „Phase 2“ ist aber wie erwähnt das Gitarrenspiel von George Lynch – egal ob in klassischen oder modern anmutenden Songs, wenn der Mann hier in die Saiten greift, kommen THE END MACHINE am nächsten an ihre „Vorgängerband“ heran. Anders als in manch anderem Projekt, in das Mr. Lynch in letzter Zeit involviert war, bedient sich der Mann hier ausgiebig der Spieltechniken, die ihn bekannt gemacht haben. Das führt dazu, dass seine Griffbrett-Akkrobatik bereits im eröffnenden „Blood And Money“ wirklich fast wie 1984 klingen. Ein fast genauso starkes Argument für THE END MACHINE findet sich übrigens in Sänger Robert Mason. Mag sein, dass Dokken in ihrer Hochphase die zwingendere Band waren, aber hier gibt es immerhin Songs in Anlehnung an jene Zeit, die dank des u. a. auch bei Warrant beschäftigten Sängers von einer verdammt starken Stimme angeführt werden. Selbst wenn Don Dokkens Band noch Material wie früher schreiben würde, er könnte es nicht mehr singen, weshalb THE END MACHINE mit „Phase 2“ klar die Nase vorn haben.

Die Wahrheit ist, dass die Herren Lynch und Pilson keine Songs wie „Tooth And Nail“ oder „Til The Living End“ mehr schreiben werden. Müssen sie auch nicht, denn wer sie hören will, kramt die entsprechende Platte raus. Wenn man sich aber an die nachgerade gruselige Neuaufnahme des Lynch-Mob-Debüts erinnert, dann ist des Meisters Umgang mit der eigenen Vergangenheit schon weitaus unglücklicher ausgefallen als auf „Phase 2“. Für Fans der klassischen Dokken-Bissigkeit wird es hier aller Wahrscheinlichkeit nach etwas zu viel Midtempo und unverzerrte Gitarren geben und ein oder zwei Songs weniger hätten vielleicht der Stringenz geholfen, doch am Ende gilt: Sowohl im Hinblick auf die Beteiligten als auch den Inhalt wird man in diesem Leben wohl nicht mehr näher an den traditionellen Sound dieser Musiker herankommen als bei THE END MACHINE.

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Bewertung: 7.5 / 10

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