CD-Review: The Raven - One Last Time (EP)

  • Veröffentlichung: 2009
  • Label: Purple Rose
Besetzung

Davey Strehler - Gesang, Gitarre
Dayn Reese - Gitarre

Tracklist

01. Fireflies
02. Self Denial
03. One Last Time
04. Eleanor Rigby
05. Devil's Path


Promozettel sind ja eh so ’ne Spezies für sich. Die versprechen einem oft und gern die dollsten Dinge und lügen dabei gern auch mal das Blaue vom Himmel herunter oder vielleicht wissen sie’s einfach auch nicht besser und beinhalten deswegen oftmals ziemlichen Murks, selten aber kam mir einer unter, der so gnadenlos heftig daneben lag, wie der zur ersten EP der 2007 gegründeten amerikanisch/europäischen… äh… Band THE RAVEN. Denn hier wird ganz großes Versprochen: „The Raven könnte eure neue Lieblingsdroge werden. Sie machen süchtig, sind verführerisch, schmerzhaft, verspielt und werden euch nie wieder loslassen.“ Ahja, okay. Bei den Abschnitten „schmerzhaft“ und „werden euch nie wieder loslassen“ hoffte ich schon, dass gerade diese beiden Punkte nicht zwingend zusammen gehören, aber man kennt das ja, erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Oder hofft.

Jedenfalls war ich guter Dinge, als mir die mit „One Last Time“ betitelte Debut-EP des aus Zürich emigrierten Wahlamerikaners Davey Strehler in die Finger fiel. Ich horchte vorab schon mal bei Myspace rein und der Opener „Fireflies“ ist doch absolut kein übler Song. Eine straight durchrockende Gothic-Nummer mit coolem Gesang, einem netten Refrain, ein paar hübschen Melodien und auch dem einen oder anderen verspielten Elektro-Einsprengsel. Mir hätte klar werden sollen, dass das nicht gut gehen kann, als mir dezent End of You ins Gedächtnis kamen, aber eigentlich macht der eine Song fast alles richtig.
Was Davey sich aber beim Rest dieser EP gedacht hat, möchte ich am Liebsten gar nicht wissen. Denn schon der zweite Song „Self Denial“ greift so tief ins Klo, dass der eine oder andere Kanalarbeiter ihm wohl mühelos die Hand schütteln könnte. Von der leicht melancholischen Stimmung des Openers ist nämlich nix mehr übrig, nur aufgebohrtes Elektrosampeling, dazu ganz heftig böser Gesang im Refrain (also um es etwas deutlicher zu sagen, völlig kraftloses Gekeife, das ich selbst so oder so ähnlich auch noch hinbekommen würde), der auch noch Dinge deklamiert, die dööfer nicht klingen könnten, und Melodie… naja, gibt’s irgendwie nicht mehr. Zumindest keine, die sich halbwegs festsetzen würde. Der Track macht einfach keinen Spaß.

Und das kann man so auch fast 1:1 auf den Rest der EP übertragen. „One Last Time“ könnte man noch mal als so was wie einen Lichtblick bezeichnen, der Track ist zwar alles andere als spektakulär, aber das Streicherarrangement im Refrain kann ganz gut was, wieso man so eine epische Nummer aber dann in unter drei Minuten durchhetzt, wer weiß es nur. Dann werden auch noch die Beatles gecovert, „Eleanor Rigby“ mochte ich schon im Original nicht, auch die Version von Pain fand ich scheiße und THE RAVEN setzen halt noch mal einen oben drauf und haben hier zweieinhalb Minuten auf CD gepresst, die die Welt nicht braucht, ehe der letzte Track „Devil’s Path“ völlig frei von Stimmung und Atmosphäre als billige Rocknummer bis zum bitteren Ende durchlangweilt. Fünfzehn Minuten geht der Spaß und ich bin echt dankbar, dass das Ding so schnell rum ist, denn länger hätte ich’s echt nicht mehr ausgehalten.

„Mit Songs wie ‚Devil’s Path‘ und ‚One Last Time‘ fällt die Entscheidung schwer, sie als Helden oder als Bösewichte zu sehen.“ Ganz so unrecht hat der Promoschrieb mit diesem Satz gar nicht. Ich würde zwar nie auf die Idee kommen, THE RAVEN Helden zu nennen, aber Bösewichte? Naja, wirkliche Böswilligkeit kann ich ihnen bei der Grütze auf dieser Silberscheibe echt nicht unterstellen, dazu ist das Handwerklich alles viel zu ordentlich und so, ändert aber nichts daran, dass das Material so langweilig ist, dass man diesen Satz hier vom Promozettel wohl umändern müsste: „The Raven ist ein Schlag ins Gesicht für alle großen Plattenfirmen. Sie sind der Beweis: Man braucht keine Plattenfirma um bemerkt zu werden.“ Besser wäre: „The Raven ist ein Schlag ins Gesicht für alle guten Bands ohne Plattenvertrag. Sie sind der Beweis: Man braucht keine gute Musik um veröffentlicht zu werden.“

Keine Wertung

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