Sturm Und Drang – „Learning To Rock“-Prelistening

STURM UND DRANG

Sie wurden völlig unterschiedlich in der Szene aufgenommen. Die einen konnten nur müde lächeln, andere fragten sich, warum ein Haufen 15-jähriger Bengel plötzlich Beachtung in bedeutenden Kreisen der Metalwelt findet. Haben derartige Teenager überhaupt schonmal einen Plattendeal für’s Debüt bei einem bekannten Label bekommen? GUN Records hat offenbar das beherzigt, was oftmals gefordert wird: Gebt jungen Talenten eine Chance und setzt nicht ausschließlich auf die Erfolgsgaranten.

Die Rede ist von den finnischen Jungs STURM UND DRANG. Alles fing bei einem der Reunion-Shows der großen Judas Priest anno 2004 an, als die Luftgitarre plötzlich der E-Gitarre weichen musste. Die damals 12-jährigen Luftgitarristen waren von Priest derart begeistert, dass sie kurzerhand selbst Rockmusiker werden wollten. Drei Jahre später, steht das Debüt „Learning To Rock“ in den Startlöchern und wird vierlerseits, in erster Linie aber wohl von ehrlichen Szene-Größen (u.a. Udo Dirkschneider), begeistert erwartet. Neben den ganzen Neidern, die unter Garantie auf uns zukommen werden und solche, die bereits ankamen, erkennen andere eben die erstaunliche musikalische Reife und das in der Tat große Talent des Musizierens. Bereits der erste Song, „Broken“, entpuppt sich als gewaltig melodischer Ohrwurm, den man gerne wieder und wieder hört. Aber prinzipiell lässt sich diese Eigenschaft auf alle Songs der „Learning To Rock“ übertragen. Hinzu kommt ein feiner Anteil tiefer Melancholie, der mich überlegen lässt, was die Kerlchen für eine Vergangenheit haben müssen, wenn sie damit in diesem Alter derart authentisch wirken. Besungen wird das ganze in feiner Melodic Metal-Manier von André Linman, und ganz im ernst: Spielt Bekannten, die in dieser Musik nicht ganz unbewandert sind, mal das ein oder andere Stück vor und man wird feststellen, dass die Musik auf vieles schließen lässt, aber gewiss nicht auf das Alter der Drahtzieher.

STURM UND DRANG

Mit Hinblick auf aktuelles Musikgeschehen mit Tokio Hotel, den Killerpilzen, Barbiebitches oder wie der ganze Schmonz an der Viva-Front heute so heißen mag, wird es dieser junge, aber enorm gute Fünfer nicht einfach haben. Zumal hier ganz eindeutig die Metallerschicht die angestrebte Zielgruppe ist. In einer von viel Intoleranz und Engstirnigkeit unterlaufenen Szene scheint Alter keine kleine Rolle zu spielen, daher kann man nur empfehlen: Vorurteile kurz beiseite legen, Silberling in den Player schieben und sich über qualitativ guten Hardrock bis Heavy/Melodic und NWOBH-like Metal erfreuen. Und vielleicht etwas Tusche und Haarspray reduzieren. Wenn man bedenkt, dass STURM UND DRANG – wohl mit einem Augenzwinkern versehen – auf diesem Album noch gelernt haben zu rocken, darf man freudig erwarten, was da noch kommt, wenn erstmal alles zur Routine geworden ist. Der Band selbst ist zu wünschen, dass sie mit dem nun ansteigenden Rummel vernünftig, sachlich und bodenständig umgehen. Als junge Diven unserer favorisierten Musik hätten sie wohl nur ein kurzes Gastspiel auf dem Walk of Fame. Später könnte man Landsleute wie Stratovarius sicher überragen.

Dieser Bericht beruft sich auf das Pre-Listening des am 24.08. erscheinenden Albums.


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