
Es ist kein Geheimnis, dass sich Musik nicht mehr verkauft – aber sie sorgt für Aufmerksamkeit. Das Album als Promo-Aktion für eine Tour mag aus Künstlersicht frustrierend sein, funktioniert aber. Umgekehrt sind Touren ohne Album ein riskantes Unterfangen. Das müssen auch RAISED FIST feststellen: Schwedische Hardcore-Legende hin oder her – ohne neue Musik auf Headliner-Tour zu gehen, erweist sich als schwieriges Unterfangen.
Da das auf maximal 1.200 Fans ausgelegte Backstage Werk zu allen Seiten großzügig abgehängt ist, bleibt bei rund 300 im Vorverkauf abgesetzten Tickets, positiv ausgedrückt, viel Platz zum Tanzen. Immerhin: Einige Fans kosten das schon bei der Vorband DRØVER aus, sodass die Münchner zumindest positives Feedback auf ihre Show bekommen. Auf der Bühne geht zwar nicht alles glatt, gleich beim ersten Song gibt es Probleme mit einer Gitarre. Davon lassen sich DRØVER aber nicht aus dem Konzept bringen. Fette Breakdowns, schneidige Riffs und kraftvoller Gesang sind im modernen Hardcore zwar keine Alleinstellungsmerkmale, zumindest aber eine solide Basis – und mit ihrem sympathischen Auftreten, stabilen Ansagen und großem Einsatz hinterlassen die Newcomer einen positiven Eindruck.
Da sonst kein Support eingeplant ist, ist es schon um 21:00 Uhr Zeit für den Headliner: RAISED FIST. Die stürmen nach krachend lautem Intro pünktlich die Bühne – und zumindest eines ist schnell klar: Von Vorverkaufszahlen lassen sich die Schweden die Laune nicht verderben. Warum auch? Zumindest im von Vorhängen umhüllten Innenraum des Werks stehen die Fans nun näherungsweise dicht. Allerdings nicht lang, denn schnell kommt wieder Bewegung ins Publikum – und diesmal so richtig. Kein Wunder: Der Sound ist hervorragend, und RAISED FIST feuern einen Hit nach dem anderen ab.
Dass die Schweden zwischen den Songs immer wieder bei Schlagzeuger Robert Wiiand zusammenkommen und sich scherzend in iher Muttersprache unterhalten, verleiht der Show fast schon Open-Rehearsal-Charakter. Während der Songs jedoch reißen RAISED FIST das volle Programm „Hardcore-Show“ runter: Da wird gesprungen, sich der Shirts entledigt und gepost, bis die Luft restlos testosterongesättigt ist. Dazwischen füllt Sänger Alexander Hagman einiges an Spielzeit mit ausschweifenden Ansagen – gegen Trump, die Epstein-Gang und Israel, über die Familie, das Alter und die Schlangen da draußen („Venomous“). Das ist aber auch nötig. Denn selbst mit dem heute kurzerhand erstmalig live gespielten „In Circles“, bei dem Hagman nur einen Circle Pit fordert, sondern sich diesem sogar anschließt, kommen RAISED FIST nur gerade so auf eine Stunde.
- Perfectly Broken
- Chaos
- Flow
- Man & Earth
- Working On Wood
- Anthem
- Murder
- Killing It
- Venomous
- Some Of These Times
- In Circles
- Friends And Traitors
Quantitativ bekommt man bei zwei Bands mit 90 Minuten Bruttospielzeit nicht allzu viel fürs Geld. Dafür muss man sich nicht durch eine unnötig hohe Zahl an Vorbands zum Headliner quälen – und zumindest liefern RAISED FIST ein in jeder Hinsicht starkes Set ab: An der Songauswahl, aber auch an der Motivation der Schweden gibt es indessen nichts auszusetzen. Und so selten, wie man RAISED FIST zu sehen bekommt, muss man ohnehin nehmen, was man kriegen kann.



„Fuck Epstein! Fuck Trump! Fuck U.S.A.! Fuck Israel! Free Palestine!“
Mal abgesehen davon dass der Sänger ein ganz schöner Bauer ist, rumlamentiert mit seinen Töchtern (würde mich interessieren, was er davon halten würde wenn deren Köpfe abgeschnitten werden aufgrund von falscher Religion) und auch ansonsten gerne die „Kopf-ab-Geste“ praktiziert hat. Es ist ein bisschen was zerbrochen bei mir, weil der Sänger einfach so stupides Schubladendenken praktiziert hat und ansonsten auch nicht wirklich helle rübergekommen ist. Und diese „Pausen beim Drummer“ fand ich einfach panne. Bei einer Band mit dieser Live-Erfahrung und Background einfach scheisse. Dann spielt wieder in Clubs und nicht in abgehängten großen Venues (die sie eh nie voll bekommen werden). Merchpreise waren auch unterirdisch. Alles in allem ein Konzert, welches ich mir nächstes mal sparen werde ;)
Danke! Seit über 25 Jahren ist Raised Fist eine meiner absoluten Favoriten-Bands. Eine der wenigen in dem Genre, die es schaffen, dass man schon nach den ersten Sekunden eines Songs sofort weiß wer da am Werk ist. Wohl zu großen Teilen auch der Verdienst der Vocals. Und da sind wir auch schon beim Knackpunkt. Sound, Setlist, Bandperformance… alles gut gestern. Viel besser als die letzte Show in München. Aber mir ging’s ähnlich wie dem Vorredner. Das Gerede vom Sänger war schon fast zum fremdschämen und wenn’s der Falsche hört treten die in München nicht mehr auf (wer dabei war weiß auf welchen Spruch ich mich beziehe). Klar, Politik war schon immer ein Thema im HC. Aber so?