Interview mit Mikko Kotamäki von Barren Earth

Mitglieder von Kreator, Moonsorrow, Swallow The Sun und Mannhai treffen sich zum fröhlichen Musizieren. Gibt es nicht? Gibt es doch! BARREN EARTH veröffentlichen nun ihr Debüt-Album „Curse Of The Red River“. Sänger Mikko Kotamäki wurde von uns an einem schönen Sonntagmorgen aus dem Bett geklingelt und zum Debüt dieser neuen Allstar-Band befragt.

Gut Morgen, Mikko! Wie geht’s dir?
Mir gehts gut, danke dir!

Du hörst dich aber noch ziemlich verschlafen an. Hab ich dich etwa geweckt?
Ein bisschen vielleicht. Ich habe mir vorgenommen, dieses Wochenende nüchtern zu bleiben. Das fühlt sich ja echt interessant an, muss ich schon sagen. Ein Sonntagmorgen an dem ich keinen Kater habe – das ist neu für mich. Aber früher aus dem Bett komme ich deswegen wohl trotzdem nicht… (lacht)

„Curse Of The Red River“ lässt viel Spielraum für Interpretationen. Ist damit Blut, der Fluss des Lebens gemeint? Oder der Fluch der Dürre?
Olli-Pekka (Laine; Bass) hat die Lyrics zu diesem Song geschrieben und ich bin mir nicht ganz sicher, was davon er mit ihnen ausdrücken möchte. Vielleicht ist auch etwas ganz anderes gemeint. Nachdem, was er mir aber drüber erzählt hat, geht es dort um den Fluch eines Finnen – eine Geschichte aus unserer Mythologie – und bringt den Titel damit in Verbindung. Mehr kann ich dir darüber aber leider nicht erzählen.

BARREN EARTH bedeutet im Deutschen so viel wie „trockenes Land“. Gibt es da ein spezielles, über das ihr singt?
Eigentlich nicht, nein. Es ist mehr ein Überbegriff und lässt sich auf viele verschiedene Länder dieser Erde übertragen. In erster Linie ist es auch einfach ein cooler Name, eine sonderlich tiefgründige Bedeutung hat er gar nicht.

Das Coverartwork wurde von Travis Smith entworfen, der auch schon mit Bands wie Katatonia, Opeth und Bloodbath arbeitete. Er passt meiner Meinung nach perfekt zu euch.
Da muss ich dir recht geben. Travis ist einer der begabtesten Cover-Künstler überhaupt. Peaceville Records – unsere Plattenfirma – hatte schon Kontakt zu ihm, weil er einige Artworks für andere Bands wie Katatonia oder Opeth angefertigt hat. So bekamen wir die Möglichkeit mit ihm zu arbeiten, was uns allen auch ziemlich Spaß gemacht hat. Vom Resultat sind wir natürlich mehr als begeistert.

Wie ist das Artwork dann entstanden? Hatte er Vorgaben von euch oder komplett freie Hand?
Wir haben ihm eigentlich nur den Titel des Albums gegeben und ihm gesagt, dass wir gerne ein Artwork hätten, das ein wenig old school aussieht und nicht in dieses moderne 08/15-Muster fällt. Er hat das exzellent gemacht, da merkt man schon, dass er ein sehr professioneller Kerl ist.

Der Song „Flicker“ ist langsamer, ruhiger mit einer Atmosphäre, die perfekt zum Titel passt – dein klarer Gesang kommt dort auch ziemlich gut zur Geltung. Allgemein hat es mich ein wenig überrascht, wie viel davon auf der Scheibe zu finden ist.
Wir haben kaum darauf geachtet, wie viel Klargesang wir am Ende einbauen. Wie gesagt: Olli hat die meisten Songs geschrieben und wollte, dass die Growls auf der Scheibe dominieren. Letztendlich und offensichtlich gibt es aber trotzdem einige Parts, die ruhiger ausgefallen sind und mit dem klaren Gesang einfach besser funktionieren. Es war also mehr ein natürlicher Prozess, mehr davon einzubauen, weil das Gesamtbild der Songs so am besten zur Geltung kommt.

Kann es sein, dass Sami auf diesem Track und auch bei „Our Twilight“ im Hintergrund singt?
Sami ist hierbei für die Backing Vocals zuständig, richtig. Er singt nebenbei noch auf anderen Songs. Im Grunde hat sich jeder aus der Band neben seinem Instrument nochmal mit ein paar Gesangspassagen im Hintergrund eingebracht.

Für den Mix war Dan Swanö verantwortlich. War er eure erste Wahl oder waren auch noch andere Produzenten im Gespräch?
Er war auf jeden Fall unsere erste Wahl! Wir kamen gar nicht auf die Idee, einen anderen Produzenten zu fragen, sondern wollten von Anfang an nur Swanö. Er hat sich über die letzten Jahre hinweg einen erstklassigen Ruf erarbeitet, ist in seinem Handwerk wirklich ein Meister. Wir wollten einen old school-Sound für die Scheibe und dafür war er genau der Richtige. Ehrlich gesagt haben wir ihn während dieser Zeit gar nicht zu Gesicht bekommen, sondern nur per E-Mail Kontakt gehalten und ausgetauscht, was für die Fertigstellung der Songs nötig war.

Ihr seid nun bei Peaceville Records unter Vertrag. Wie kam der Kontakt zustande? Sind sie auf BARREN EARTH aufmerksam geworden, weil es praktisch eine Allstar-Band ist?
Zuerst war da ein ganz wichtiger Eindruck: sie kümmern sich um ihre Bands und stehen tatsächlich noch auf die Musik der Bands, die sie unter Vertrag haben. Wir haben ungefähr fünf Demo-Tapes an verschiedene Labels geschickt und von den meisten auch eine Antwort erhalten. Peaceville zeigten aber definitiv am meisten Interesse an uns, so dass uns die Wahl nicht schwer gefallen ist. Peaceville haben im Lauf ihrer Geschichte derart viele verdammt gute CDs auf den Markt gebracht, dass wir einfach denken, dass unsere Musik gut in die Schiene des Labels passt.

Und wie habt ihr dann als Band zusammengefunden? Einige von kannten sich vermutlich schon vorher über ihre anderen Bands, oder?
Janne (Perttilä; Gitarre) und Markko (Tarvonen, Schlagzeug) kannte ich schon seit einer ganzen Zeit, weil beide auch bei Moonsorrow spielen. 2007 war ich mit Swallow The Sun auf einer Europatour, bei der auch Moonsorrow mit von der Partie waren. Dort kam der Kontakt mit den beiden Zustande. Die anderen Jungs lernte ich aber ernst kennen, als wir das Demo für die „Our Twilight“-EP aufnahmen. Es war im Sommer 2008, wenn ich mich recht erinnere, als mich Markko anrief und sagte, dass sie eine neue Band am Start hätten, aber noch einen Sänger brauchten und fragte, ob ich nicht Lust dazu hätte. Kurz darauf bekam ich ein paar Aufnahmen aus dem Proberaum zugeschickt, die mir extrem gut gefallen haben. Da dachte ich mir: „Das kannst du nicht ablehnen“ und sagte zu.

Die Aufnahmen zu „Curse Of The Red River“ scheint ihr allgemein recht locker angegangen zu sein, habt viel Bier getrunken, Grillpartys geschmissen und eine gute Zeit zusammen verbracht. Siehst du BARREN EARTH irgendwo vielleicht auch als eine entspannte Abwechslung zu deiner anderen Band, Swallow The Sun?
Irgendwo hast du da sicherlich recht. Aber wir sind dennoch eine vollwertige Band, arbeiten ziemlich hart, um das Bestmögliche aus uns heraus zu bekommen. Die anderen Bands, in denen wir spielen, machen uns die zeitliche Planung schon schwer genug – deswegen setzen wir uns mit BARREN EARTH nicht noch zusätzlich unter zeitlichen Druck. Wir versuchen zwar, so viel Zeit wie möglich in diese Band zu stecken, gehen es alles in allem aber relativ locker an.

Mit einer derartigen Fülle an verschiedenen musikalischen Hintergründen der verschiedenen Bandmitglieder war es manchmal bestimmt nicht einfach, seinen eigenen Willen durchzusetzen. Gleichzeitig dürfte das ohne Frage eine Bereicherung für eure Musik gewesen sein.
Im Prinzip trifft beides zu. Beim Songwriting war es natürlich sehr einfach, weil jeder von uns professioneller Musiker ist und weiß, was er macht. Jeder wusste zu 100%, was die einzelnen Songs brauchen und wie es klingen sollte. Auf der anderen Seite hatte jeder von uns auch seine eigenen Vorstellungen und Ansichten, wie eine Passage oder ein ganzer Song klingen sollte. Das machte es manchmal ziemlich schwer und kompliziert, keine Frage. Aber im Großen und Ganzen war die Zusammenarbeit doch sehr angenehm und auf jeden Fall sehr professionell. Für mich persönlich war es vor allem beeindruckend, mit Sami (Yli-Sirniö; Gitarre) arbeiten zu können – er ist ein exzellenter Gitarrist und Sänger, ein wirklich herausragender Musiker.

Es ist auch beeindruckend, wie viele verschiedene Stile und Einflüsse ihr auf dem Album vereinbart und dass es gleichzeitig aber nicht überladen wirkt.
Wir haben immer darauf geachtet, die Musik simpel zu halten. Wir haben so viele verschiedene Musikertypen in der Band, jeder mit unterschiedlichen musikalischen Hintergründen und Vorlieben. Dieser Umstand war mit Sicherheit dafür verantwortlich, dass unser Album und der Sound selbst so breit gefächert wirkt. Sami versteht sich vor allem auf melodisches Gitarrenspiel, kann unglaubliche Solos aus den Ärmeln zaubern. Janne ist strenger Rhythmus-Gitarrist, Markko ist ein sehr talentierter Schlagzeuger – wir alle sind ziemlich gut in dem, was wir machen und konnten unsere Kreativität vollkommen ungezügelt zum Einsatz bringen.

Mitte Februar habt ihr als Support für Finntroll in Helsinki den zweiten BARREN EARTH-Gig überhaupt gespielt. Wie schaut es denn mit euren Live-Plänen für dieses Jahr aus? Bisher seid ihr in Deutschland ja nur für das Summer Breeze Open Air bestätigt.
Bisher ist das Summer Breeze das einzige Festival für uns in Deutschland, da hast du recht. Vielleicht kommen ja noch ein paar dazu, wer weiß… Wir haben auch schon darüber geredet, im kommenden Herbst auf eine Europatour zu gehen. Bisher wissen wir allerdings noch nicht, ob daraus was wird. Die unterschiedlichen Zeitpläne die wir wegen unseren anderen Bands haben, machen die Sache nicht unbedingt leichter.

Lass uns das Interview mit einem kleinen Brainstorming abschließen. Was fällt dir zu den folgenden Begriffen ein:

Schneeball: Finnland
Interview-Tage: Bier
Veggie-Burger: Das mögen Gitarristen nicht
Ihsahn: Startet jetzt erst durch
Metal1.info: Weckruf!

Mikko, ich danke dir für deine Zeit so früh am Morgen! Hab noch einen schönen Tag!
Den wünsche ich dir auch, machs gut! Wir sehen uns auf dem Summer Breeze.

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