CD-Review: Barren Earth - On Lonely Towers

März 2015

Besetzung

Jón Aldárá – Gesang
Sami Yli-Sirniö - Gitarre
Janne Perttilä - Gitarre
Olli-Pekka Laine - Bass
Marko Tarvonen - Schlagzeug
Kasper Mårtenson - Keyboard

Tracklist

1. From The Depths Of Spring
2. Howl
3. Frozen Processions
4. A Shapeless Derelict
5. Set Alight
6. On Lonely Towers
7. Chaos The Songs Within
8. The Vault


Immer gut, wenn Finnen Musik machen, in der Regel hält man danach Brauchbares in den Händen. Im Falle der, sagen wir es, wie es ist, Supergroup BARREN EARTH bestehen da erst recht keine Zweifel. Das Sextett um den ehemaligen Amorphis-Basser Olli-Pekka Laine hat sich mit nur zwei Alben schon einen gewissen Status in der Szene erspielt und dies mit Fug und Recht. Jetzt legt die Band die oft zukunftsentscheidende dritte Make-It-Or-Break-It-Platte „On Lonely Towers“ vor, man darf also gespannt sein.

In der Vergangenheit wurde die Musik als progressiver Death Metal gelabelt. BARREN EARTH sind ein Beweis dafür, dass progressive Musik nicht unbedingt aus viertelstündigen Epik-Nummern mit wenig Struktur, aber viel Gefrickel bestehen muss. So waren die Songs auf den ersten beiden Scheiben durchaus von noch überschaubarer Spielzeit, aber die Riffs und Soli wiesen schon ein gewisses Maß an Uneingängigkeit auf.
Überschaubare Spielzeit ist ein gutes Stichwort, denn genau hier hat man noch mal an den Stellschrauben gedreht, zweimal wird es zweistellig und dreimal geht’s immerhin über sieben Minuten. Trotzdem kann man nicht sagen, dass der Hörer sich mit „On Lonely Towers“ schwer tut, was den Konsum angeht. Sicher ergeben ein paar Durchläufe Sinn, aber viele Songs – bzw. bestimmte Momente derselben – zünden doch recht schnell. Hauptverantwortlich dafür ist der neue Frontmann. Der Färinger Jón Aldárá intoniert seit Anfang letzten Jahres und er tut dies auf hohem Niveau. Die cleane Stimme besitzt einen epischen Klang und zaubert immer wieder große Emotionen in die meistensfalls perfekt durcharrangierte Musik. Trotzdem gefällt der Skandinavier im harschen Bereich noch eine Spur besser, latente Aggressivität entfacht eine düstere, aber gleichfalls auch irgendwie relaxte Atmosphäre. Man macht es dem Konsumenten trotz der ausufernden Songlängen doch recht leicht, in die eigenen Visionen einzutauchen.
Allem Lob zum Trotz wäre es ein Fehler, BARREN EARTH alleine auf den charismatischen Fronter zu reduzieren. Die dreijährige Vorbereitungszeit von „On Lonely Towers“ macht sich bezahlt. Wie schon angedeutet, klingt die Musik sehr homogen, jedes Riff ist eine logische Konsequenz des vorherigen. Dies ist im progressiven Metal nicht unbedingt verwunderlich, denn meistens hat man es mit Musikern zu tun, die was von ihrem Job verstehen. Besonders gelungen ist hierbei aber die interessante Melange verschiedener Spielarten. Melodic Death mag zu Beginn des Schaffens mal im Mittelpunkt gestanden haben, mittlerweile haben BARREN EARTH aber auch ihre Heimat im Doom und Gothic gefunden. Immer verspielt, keine Frage, aber die Ausflüge in die fremden Genres sind schon deutlich heraushörbar.

Das ist gut, so bleibt die Platte über die Spielzeit von fast einer Stunde spannend und abwechslungsreich. BARREN EARTH gönnen sich kaum einen Aussetzer, wenn überhaupt, kann man „A Shapeless Derilict“ als leichten Langweiler ausmachen, sonst haben die Songs vielleicht mal eine lahme Passage, überzeugen in der Regel aber auf ganzer Linie. Soundtechnisch sind die Finnen auf der Höhe der Zeit, Artwork und Texte unterstützen den Anspruch der Musik, somit stellt „On Lonely Towers“ eine Veröffentlichung gehobener Güte dar, die bis auf wenige Momente voll zu überzeugen weiß. Die sicherste Variante, gute Musik zu kreieren, ist doch immer noch, sie in die Hände fähiger Musiker zu geben.

Bewertung: 8.5 / 10

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