Interview mit Nocturnal von Emperor-Tribute

Früher oder später bekommt wohl jede legendäre Band ihr persönliches Tribute-Album. Mit “In Honour Of Icon E – A Tribute To Emperor” wurde nun auch der Black-Metal-Legende EMPEROR ein musikalisches Denkmal gesetzt. Organisator und Projektleiter Nocturnal erzählte uns im Interview, wie viel Arbeit in einem solchen Projekt steckt, wo die Schwierigkeiten in der Realisierung lagen, und warum es sich trotz aller Mühen gelohnt hat. Doch lest selbst….


Hallo! Wie geht es dir? Alles gut soweit?
Hallo! Ja, danke, alles bestens.

Du bist der Manager, Ko-Produzent und Grafiker des EMPEROR-Tribute-Albums, das dieser Tage erscheint. Wann hattest du die Idee zu diesem Projekt?
Ja, ich habe für Tryzna Production und Metal Swamp das Tribute-Projekt gemanaged. Im August diesen Jahres werden es genau zwie Jahre sein, seit wir den Plan zu diesem Projekt gefasst haben.

Was waren die größten Schwierigkeiten, die es dabei zu überwinden galt?
Naja, wir mussten mit den ausgewählten Bands Kontakt herstellen, mit Candlelight Records und natürlich EMPEROR. Mortiis hat uns bei sehr geholfen, den Kontakt zur Band herzustellen (danke dafür auch an dieser Stelle!). Dann mussten wir das Layout machen, also kreieren und modifizieren so dass wir und die Bands damit zufrieden sein konnten. Aber das hat großartig funktioniert. Die beteiligten Bands waren alle sehr zufrieden damit, und EMPEROR ebenfalls. Danach mussten wir noch jeden einzelnen Track prüfen und das Ganze zum Mastern schicken. So sah der Organisationsprozess grob gesagt aus. Ich würde jetzt nicht so weit gehen, zu sagen, dass es Schwierigkeiten gab… aber natürlich hat es uns viel Zeit gekostet, weil es ein großes Projekt war. Wie grade schon gesagt… es hat uns fast zwei Jahre gekostet!

Nach welchen Kriterien habt ihr die teilnehmenden Bands ausgewählt?
Es gab verschiedene Kriterien. Wir wollten hauptsächlich Black Metal-Bands, aber natürlich, weil der Einfluss von EMPEROR auch weit in andere Extreme-Metal-Genres hineinreicht, wollten wir auch ein paar Death- und eine Thrashband dabei haben. Abgesehen von Qualitätskriterien wollten wir außerdem so viele Länder wie möglich abdecken, um zu zeigen, wie groß der Einfluss der Musik und der Message von EMPEROR war.

Gab es Bands, die ihr gern dabei gehabt hättet, die nicht mitmachen wollten?
Ich würde nicht sagen “nicht mitmachen wollen”, eher “konnten”. Wir haben ein paar Bands gefragt, die wir sehr mögen, die aber dann nicht mitarbeiten konnten… hauptsächlich, weil sie so beschäftigt waren. Wir wollten zum Beispiel mit Drautan eine Band aus eurem Land dabeihaben, aber leider war es ihnen zu dieser Zeit nicht möglich, mitzumachen –trotzdem beste Grüße an die Band!Um deine Frage zu beantworten: Nein, es gab keine Band, die uns aus Desinteresse, mitzuwirken, abgesagt hat.

Über welche Zusage hast du dich am meisten gefreut und warum?
Für mich war es eine große Ehre und Freude mit jeder der am Tribute-Sampler partizipierenden Bands zusammenzuarbeiten. Alle Bands haben einen großartigen Job gemacht und waren zu 100% bei der Sache. Aber um deine Frage wenigstens teilweise zu beantworten: Durch Taake und Setherial haben wir eine Menge Anregungen bekommen, indem sie uns oft ihre Meinung und Sichtweisen mitgeteilt haben. Dafür sind wir ihnen sehr dankbar! Hoest von Taake beispielsweise war sehr angetan vom Artwork und hat uns deshalb gleich eine Mail geschrieben. Das war ziemlich cool, weil es einfach gut ist zu wissen, dass unsere Arbeit gefallen findet, nachdem wir wirklich versucht haben, das Beste daraus zu machen und uns alle Mühe gemacht haben, damit die Bands, die Fans und nicht zuletzt EMPEROR mit dem Werk zufrieden wären.


Habt ihr den Bands Auflagen oder Anweisungen gegeben, wie sie die Songs covern sollen, wie sie aufnehmen sollen oder dergleichen, oder lag das alles im Ermessen der Bands?

Nein, wir haben ihnen keine Anweisungen gegeben. Was sie gemacht haben, lag ganz in ihrer Verantwortung. Wir haben uns nur ihre Coverversionen angehört, und wenn uns etwas negativ aufgefallen ist, das wir gerne geändert gehabt hätten, haben wir es sie wissen lassen. Aber wir hatten da keinen all zu großen Einfluss drauf, lediglich Kleinigkeiten hier und da. Die Zusammenarbeit mit den Bands lief perfekt, es gab nicht ein einziges Problem. Wir haben nur darauf geachtet, dass die Gesamtlänge des Tributes die 80-Minuten-Marke nicht überschreitet.

Habt ihr die Songs ausgesucht, die auf die CD kommen sollten, oder haben die Bands sich “ihr” Lied selbst rausgesucht?
Nun, wir hatten ein paar Songs, die wir unbedingt auf der CD haben wollten, aber wir haben den Bands freie Wahl gelassen, selbst zu wählen… danach haben wir die ganze Sache dann zusammengebracht. Es erschien uns ziemlich logisch, dass jede Band den Song wählen würde, der am besten zu ihnen passt, also haben wir sie das selbst entscheiden lassen… aber natürlich haben wir versucht, es so zu managen, dass bestimmte Songs auf dem Album gelandet sind. Demzufolge ist die Tracklist, wie sie jetzt aussieht, den Entscheidungen der Bands geschuldet, die Zusammenstellung der Bands wiederum war unsere Entscheidung.

Auf der CD findet sich nur ein Song von jedem der beiden letzten EMPEROR-Werke. Meinst du, man wird einer Band wie EMPEROR mit einer Tribute-CD gerecht, die sich hauptsächlich auf deren erste beiden Alben beschränkt?
Das ist eine sehr entscheidende und gute Frage, aber ja, ich denke, wir werden der Band damit gerecht. Die Hälfte der Antwort habe ich ja eben schon damit gegeben, dass die Bands entschieden haben, welchen Song sie covern, die andere Hälfte wäre: Hätten wir die Zeit gehabt, hätte ich auch gerne eine Doppel-CD herausgebracht, mit mehr Bands, die noch mehr Songs covern. Aber uns hat das Projekt schon so zwei Jahre gekostet, bis wir alles beisammen hatten… und immerhin haben wir versucht, einen Song von jedem EMPEROR-Album auf unser Tribute-Album zu packen… und damit hatten wir Erfolg!

Könntest du uns noch ein wenig über den Organisationsprozess erzählen? Haben die Bands ihr Material beispielsweise selbst gemixt, oder wie lief das ab?
Klar, gerne. Grundsätzlich haben wir den Bands wie gesagt beim kreieren ihres Cover-Songs freie Hand gelassen. Wie bereits geschrieben haben wir uns nicht in ihren Sound eingemischt oder in das Mastering jedes einzelnen Songs, weil jede Band ihren eigenen Sound hat. Aber natürlich mussten wir ein finales Mastering machen, damit sich das Album wie aus einem Guss anhört. Das hat für uns Sverker Widgren vom bekannten schwedischen Necromorbus-Studio übernommen. Auch er hat einen wirklich großartigen Job gemacht, für den wir ihm sehr dankbar sind!

Du hast mehrfach von direktem Kontakt mit EMPEROR geredet – wisst ihr, was die Band von eurer Tribute-Scheibe hält, und hatten sie in irgend einer Form Einfluss auf euer Projekt?
Ich weiß, dass sie es gut fanden und der Sache zugestimmt haben. Wir haben die Erlaubnis bekommen, dieses Tribute-Werk als “offizielles” EMPEROR-Tribute zu vermarkten. Insofern können wir jetzt das erste offizielle EMPEROR-Tribute-Album präsentieren!

Habt ihr Pläne für weitere Tribute-Veröffentlichungen?
Diesbezüglich kann ich nur für Tryzna Production sprechen, ich weiß nicht, Metal Swamp darüber denkt. Aber es ist allgemein schwer zu sagen. Ein Tribute-Album für eine bestimmte Band zu erstellen, bedeutet nämlich, diese ehrlich zu ehren… ich bin mir nicht sicher, ob ein zweites Tribute-Album zu einer anderen Band der ersten gegenüber respektvoll wäre. Das sind ehrenhafte und heikle Angelegenheiten, die wir sehr ernst nehmen.

Ok, das war’s von meiner Seite! Vielen Dank für das Interview, das ich an dieser Stelle gerne mit einem kurzen Brainstorming beenden würde. Was fällt dir ein, wenn du folgende Begriffe hörst:

Satyricon: Eine großartige Black-Metal-Band mit Frost, einem der charismatischsten Black-Metal-Schlagzeuger. Ausserdem Wongraven, das Nebenprojekt von Satyr, welches meiner Meinung nach den Norwegischen Spirit perfekt widerspiegelt.
Metal1.info: Ein deutsches Metal-Webzine.
Norwegen: Endlose, schneebedeckte Landschaften, Berge und wilde Flüsse… schlicht und ergreifend “der stolze Norden”.
Ihsahn: Ein brillianter norwegischer Musiker, der in seinen frühen Schaffensperioden viel zur Entwicklung des Black Metal beigetragen hat und nie damit aufgehört hat, beeindruckende Kompositionen zu schreiben.
Black Metal: Svarte kunst!!!

Zu guter Letzt möchte ich mich herlich bei dir für dein Interesse bedanken!Ausserdem möchte ich allen Bands und Individuen, die an diesem Projekt beteiligt waren, meine ehrliche Anerkennung und Dankbarkeit aussprechen, nicht zuletzt natürlich Candlelight und EMPEROR selbst. Es war uns eine große Ehre, Teil dieses großartigen Projektes gewesen zu sein, das ins Leben gerufen wurde, um einer der großartigsten Black Metal-Bands aller Zeiten zu gedenken!