Interview mit Simon Kratzer von Fallen Yggdrasil

Die Tübinger Death Metaller haben kürzlich die Aufnahmen zu ihrem zweiten Album abgeschlossen, dass wahrscheinlich März/April veröffentlicht wird. Hier lest ihr wieder ein Interview mit Sänger Simon Kratzer.

Servus Simon! Ihr seid ja seit kurzem mit den Arbeiten zum „In No Sense Innocence“- Nachfolger fertig, der voraussichtlich im März 2004 erscheint. Wie sind die Aufnahmen denn gelaufen?
Simon: Hi Stefan, schön mal wieder mit Dir zu plaudern! Ich denke, wir können sehr zufrieden mit den Aufnahmesessions sein. Wir waren erneut in den Maranis Studios in Backnang, wo ja auch schon „In no sense Innocence“ aufgenommen wurde. Die Arbeit dort war wieder sehr konzentriert und produktiv, man hört das der neuen Platte, so möchte ich behaupten, auch an. Ich habe erst heute die fertig abgemischt und gemasterten Versionen gehört – und muss sagen, dass es mich weggeblasen hat. Der Sound ist wirklich sehr gut geworden. Es ist dieses mal auch noch einen Tick besser gelungen, die Intensität, die uns live nachgesagt wird, einzufangen.

Kannst du uns schon etwas über die neuen Songs erzählen?
Simon: Ja, freilich. Es sind jetzt letzen Endes doch wieder weniger geworden, als wir geplant hatten, insgesamt werden 9 Tracks auf der Cd sein, die Spielzeit wird sich wohl auf etwas unter 40 Minuten belaufen, ganz genau weiß ich das im Moment selbst noch nicht zu sagen. Einige der neuen Lieder könnten dem einen oder anderen, sofern er uns in den letzten Monaten mal live gesehen hat, schon vertraut sein, da wir sie auch schon bei Konzerten gespielt haben.

Steht schon ein Name für das Album, oder immerhin schon die Titel der Lieder?
Simon: Wir schwanken noch etwas, was den Titel anbetrifft, tendieren aber momentan zu „Building up a ruin to come“, so heißt auch einer der Songs. Ansonsten gibt es noch „The snake“, „Babylonian Prayer (Don’t lead me into temptation)“, „I Burn (Enlightenment)“, „For those masters of the undone“, „Bequest“, „My family“. Dann ist da noch einen Song, der bisher „Just another Lullaby“ hieß, bei dem ich mir aber im Moment überlege, ob ich ihn noch kurzfristig umbenennen soll.

Wie sieht’s textlich aus? Erzähl doch mal ein wenig über die Lyrics.
Simon: Ich habe meinen bisherigen Stil weitgehend beibehalten, es gibt also wieder englisch – und deutschsprachige Textpassagen, ein komplett „deutscher“ Song wie „NewAgeMephisto“ auf der letzten Scheibe fehlt allerdings dieses mal, dafür gibt es einige rein englische Texte. Das hat sich einfach so ergeben. Auch inhaltlich bleibt alles beim Alten, die Texte bewegen sich wieder in der Schnittmenge zwischen persönlichen und sozialkritischen Momenten, in den meisten Fällen beides kombiniert. Mit dem Song „The Snake“ habe ich mich an ein sehr problematisches Thema herangewagt. Es geht darin um sexuelle Gewalt. Schon allein die Tatsache, dass dieser Text sage und schreibe 11 Überarbeitung erfahren hat, zeigt, dass ich mich da sehr schwer getan habe – und zu 100% zufrieden bin ich auch jetzt noch nicht, aber irgendwann musste ich mich einfach auf eine Version festlegen. Dieses Thema brennt mir schon lange unter den Nägeln, denn die Vorstellung, dass ein Mensch komplett von seinen Trieben beherrscht wird und nicht mehr fähig ist, diese Triebe zu bezähmen, hat für mich etwas sehr Bedrohliches an sich – von dem Leid der Opfer natürlich gar nicht erst zu sprechen. Ich glaube, es gibt nichts, was die Abgründe der menschlichen Existenz deutlicher und fassbarer zum Vorschein bringt als Sexualdelikte – und die Vorstellung, dass solche Triebe in jedem beliebigen Menschen, womöglich auch in Dir und mir, schlummern könnten, ist doch der komplette Horror, oder? Motiviert, dieses Thema zu behandeln, wurde ich letzen Endes durch eine Diskussion in meinem Bekanntenkreis, bei der – natürlich – auch die These vertreten wurde, dass viele Frauen durch Kleidung, Verhalten etc. ein solches Delikt doch geradezu provozierten. Diesen Ansatz finde ich grundfalsch und gefährlich! Es mag schon sein, dass solche Faktoren nicht unwichtig sind, aber das ist eigentlich nicht der Kern des Problems, um das es dabei geht! Es geht hier nicht um eine Frage der Rocklänge, sondern um etwas viel Fundamentalers, nämlich darum, dass ein „Nein“ ein „Nein“ ist, ganz egal wann, wo und von wem es ausgesprochen wurde.

Über welches Thema würdest du niemals einen Song schreiben?
Simon: Ich mag generell keine Gore oder Porn- Texte. Ich will niemandem an’s Bein pinkeln, ich mein, letzten Endes soll jeder schreiben, worüber er will, aber ich sehe darin keinen Sinn: Es hat in meinen Augen keine wirkliche Aussage, weckt bei mir keine Emotionen – es sei denn Ekel ist eine Emotion -, und es fehlt mir persönlich der dazu passende Humor. Ok, bleibt noch die Möglichkeit der Provokation. Aber wenn will man damit Provozieren? Leute, die gegen Gewalt sind ? Ich sehe keinen Fehler darin, gegen Gewalt zu sein. Leute, die etwas gegen die Profanisierung der Sexualität haben? Auch darin sehe ich nichts Falsches. Also: Wen will man damit provozieren? Und wozu? Wenn man diese Fragen nicht beantworten kann, bleiben nur zwei Möglichkeiten: Provokation um der Provokation Willen, oder Provokation um der Werbung, sprich um des Kommerzes Willen… Irgendwie beides nicht so toll, oder? Darum wird man so etwas von mir nicht zu hören bekommen…

Hast du wieder alle Texte selbst geschrieben oder kam auch von den anderen aus der Band was? Wie ist das Schreiben der instrumentalen Sachen bei euch aufgeteilt?
Simon: Ich habe wie immer die Texte zu verantworten gehabt. Das lasse ich mir auch nicht nehmen, denn immerhin muss ich sie ja auch live und auf Platte darbieten und vertreten. Die andern lassen mir da auch alle Freiheiten und reden mir nicht rein. Teilweise ist ihnen auch relativ egal, was ich schreibe, solange es gut klingt und nicht irgendwelche fragwürdigen Positionen propagiert. Und was letzteres anbetrifft sind wir uns weitgehend einig, so dass die Jungs wissen, dass sie mir voll und ganz vertrauen können. Manchmal wünschte ich mir trotzdem bei dem einen oder anderen, er würde sich etwas mehr interessieren, aber das ist natürlich jedermanns eigene Sache. In instrumentaler Hinsicht sind in letzter Zeit vor allem Leadgitarrist Raffael und Drummer Christoph sehr wichtig geworden. Das hat viel damit zu tun, dass die beiden in Freiburg wohnen, wo seit einigen Monaten auch unser Proberaum ist, während der Rest von uns über ganz Südwestdeutschland verteilt ist. Wir proben daher nur ein, maximal zwei mal im Monat zusammen. Angesichts dieser etwas ungünstigen Situation hat es sich als praktisch erwiesen, wenn die beiden Freiburger auch unter der Woche zu zweit proben und dort schon Ideen erarbeiten, die wir dann in den gemeinsamen Proben zusammen bearbeiten können.

Habt ihr im Studio noch etwas Neues geschrieben oder Teile umarrangiert, oder war das Songwriting schon vorher zu 100% abgeschlossen?
Simon: Das Songwriting war zu 100% abgeschlossen, es ging nur noch um das Einspielen. Wir haben ja auch gar kein Budget, das es uns erlaubte, im Studio noch Zeit mit Komponieren zu verbringen. Es ist aber natürlich schon so, dass einem im Studio manchmal Kleinigkeiten auffallen, die doch noch verbessert werden könnten, und dann probiert man doch mal etwas anderes aus oder feilt noch ein bisschen rum. Vagelis, der Chef der Maranisstudios, hat uns bei einigen Dingen auch nützliche Anstöße gegeben, die wir dann zum Teil auch so oder ähnlich umgesetzt haben. Es ist ganz gut, wenn man da noch jemanden sitzen hat, der die Lieder noch nicht kennt und daher offener und mit dem Gehör des Außenstehenden an das Material herangehen kann, ohne – wie wir – schon eine ganz konkrete Vorstellung im Ohr zu haben. Denn das lässt einen doch manchmal den Wald vor lauter Bäumen nicht mehr sehen… Aber wie gesagt eigentlich stand alles schon fest.

Worin liegen deiner Meinung nach die wichtigsten Unterschiede zwischen dem alten und neuen Material?
Simon: Das ist für mich nicht ganz einfach zu beantworten, denn für diese Frage fehlt mir der analytische Blick von Außen. Ich stecke da zu weit drin. Aber ich glaube sagen zu können, dass die neuen Lieder insgesamt auf der einen Seite kompakter sind, auf der anderen Seite aber auch mehr Wert auf Feinheiten gelegt wurde, gerade im Bereich der Gitarren. Vom Stil her geht es aber genau in die bewährte Richtung, soll heißen: recht harter Death Metal mit einer ordentlichen Schippe Melodie und ein paar un-deathmetallischen Spielereien. Der größte Unterschied wird wohl im Gesang auszumachen sein. Im Gegensatz zur letzten Platte singe ich nicht mehr durchgehend so tief, sondern variiere wieder mehr, was es mir auch erlaubt, mehr Emotionen zu transportieren. Überhaupt finde ich die Platte viel emotionaler als die letzte, was eben vor allem auch mit dem Gesang zu tun hat. Ich war dieses Mal einfach besser vorbereitet als bei „In no sense Innocence“, hatte viel konkretere Vorstellungen und konnte mich dann mehr auf Dinge wie Betonung einzelner Wörter etc. konzentrieren.

Spielt ihr zum neuen Album auch eine kleine Promo-Tour?
Simon: Das ist bisher noch nicht sicher. Sicher ist nur, dass wir es gerne täten, es ist aber so, dass ich dieses Jahr – wenn denn alles klappen sollte – mein Staatsexamen ablegen werde und da muss ich natürlich schauen, wie ich mit Lernen und der Abschlussarbeit hinkomme… Mal sehen, wie es läuft. Was auf gar keinen Fall geht, ist so eine Ochsentour wie die letzten Jahre mit diesen vielen Einzelkonzerten an Wochenenden, denn da geht einfach schon allein für die Hin- und Rückfahrt viel zu viel Zeit drauf. Das kann ich mir dieses Jahr nicht leisten. Dann schon lieber eine kleinere zusammenhängende Tour, denn die wäre unterm Strich gesehen zeitlich ökonomischer als jedes Wochenende für ein oder zwei Gigs durch halb Deutschland zu zockeln.

Habt ihr euch denn auch für das ein oder andere Festival – egal ob nun groß oder klein – beworben?
Simon: Wir selbst haben uns nirgends beworben, aber sowohl Supreme Chaos, bei denen ja die letzte CD erschienen ist, als auch Black Earth Promotion, mit denen wir seit letztem Jahr im Bookingbereich zusammenarbeiten, werden wohl einige Festivals bemustert haben. Genaues kann ich dazu im Moment aber noch gar nicht sagen, da ich in dieser Hinsicht gegenwärtig selbst nicht auf dem Laufenden bin…

Wieviele Groupies hast du im vergangenen Jahr abwimmeln müssen? ;-)
Simon: Alle, die kamen – aber so viele waren’s nun auch wieder nicht. Aber du spielst auf diese Gästebuchgeschichte auf unserer Homepage an… Über diese Sache habe ich mich schon etwas geärgert ehrlich gesagt, das wird aus meiner Antwort ja auch hervorgegangen sein. Aber was bildet sich diese Person eigentlich ein? Dass ich mich da auf nichts eingelassen habe, gibt ihr nicht das Recht, zu verbreiten, ich sei ein „arroganter Sack“… Zumal es nun auch mit Sicherheit nicht so war, dass ich sie irgendwie brüsk abgewiesen oder beleidigend behandelt hätte, ich bin einfach nicht auf ihre „Offerten“ eingegangen, das war alles… Also manchmal muss man schon fragen: Hallo, geht’s noch? Vermutlich verletzter Stolz… Wobei man sich fragen muss, ob Groupies – beiderlei Geschlechts – den überhaupt besitzen. Ich wage es zu bezweifeln. Es ist ja schon würdelos genug, sich jemandem anzubieten, nur weil man seine Musik mag – oder seinen angeblichen sozialen Status.

Hat sich seit „In No Sense Innocence“ bei euch grundlegend was verändert? Zumindest die Ausgangsposition dürfte fürs neue Album ja ziemlich anders aussehen, da ihr ja jetzt schon bekannter seid etc.
Simon: Hm, nicht so entscheidend. Es sind eher Kleinigkeiten wie die, dass immer mehr Veranstalter von sich aus auf uns zukommen. So etwas zeigt, dass sich unser „Status“ geändert hat. Wir werden seit „In no sense…“ auch häufiger nach Autogrammen gefragt als vorher. Das ist für uns etwas seltsam, weil es sich eigentlich so gar nicht mit unserem Selbstverständnis deckt. Aber es schmeichelt uns natürlich auch irgendwie, das zu bestreiten wäre eine glatt Lüge.

Denkst du, dass du irgendwann mal mit Musik genug Geld verdienen kannst, um davon zu leben?
Simon: Nein, da mache ich mir keine Hoffnung. Streng genommen mache ich mir nicht einmal Gedanken darüber, denn es ist ja wohl so, dass es selbst mit vordergründig kommerzieller Musik alles andere einfach ist, den finanziellen Durchbruch zu schaffen. Ungleich schwerer ist es für Bands wie uns, die schon von vornherein aufgrund der musikalischen Ausrichtung kaum kommerzielles Potential haben. Ich glaube auch nicht, dass ich das brauche, ich bin ganz zufrieden, wie es ist. Dann kann man wenigstens tun und lassen, was man will – und man kann jederzeit aufhören, falls man mal keine Lust mehr haben sollte. Ein Berufsmusiker kann das nicht so ohne weiteres, weil er sich dann überlegen muss, wie er zukünftig seine Brötchen verdienen soll. Und es dürfte kaum etwas Schrecklicheres geben, als aus kommerziellen Gründen gezwungen zu sein, kreativ zu sein – und das womöglich auf einem Gebiet, dass Dir gar nichts mehr bedeutet, das Du aber nicht verlassen darfst, weil Du dann Gefahr läufst, Deine finanzielle Grundlage zu gefährden. Dann schon lieber in einer Death Metal Band spielen …

Ich weiß ja vom letzten Interview noch, dass dich Metallica nicht interessieren, aber wenn wir schon beim Thema sind, nehm ich das mal als Beispiel. Die bringen ja schon bald ihre vierte Single von „St. Anger“ raus, innerhalb von nur ungefähr nem halben Jahr. Was hältst du von so etwas, ganz unabhängig von der Band?
Simon: Naja, das ist natürlich die reine Abzocke, aber da werden Metallica selbst wohl gar nichts für können, das geht über die Plattenfirma…dass die versuchen, rauszuholen, was geht, ist klar… Ich als Fan würde das nicht mitmachen. Es ist aber bezeichnend, dass ausgerechnet Metallica am lautesten über mp3 etc. jammern – dabei wird man als Fan durch solche Geschäftspraktiken ja geradezu zum download von Musik gezwungen, da solche Veröffentlichungen nichts mehr mit „value for money“ zu tun haben.

Du hast doch bestimmt auch die ganzen Statements von Jon Schaffer bezüglich dem Sängerwechsel und sein Patriotismus-Gedöns mitgekriegt. Hast du da ne Meinung zu? Interessierst du dich überhaupt für Iced Earth?
Simon: Iced Earth gehören zu den Bands, die mir hauptsächlich live gefallen, auf CD beeindrucken sie mich nicht so. Aber ich denke noch oft an die Tour mit Nevermore und Ivanhoe, ich glaube das war 95, denn dieser Konzertabend gehört noch heute zu meinen Alltime – Konzert – Highlights! Ich habe halt die „Burnt Offerings“ im CD – Regal stehen, aber es wäre gelogen, hier zu behaupten, sie würde oft bei mir abgespielt. Diese Statements von Schaffer habe ich nicht gelesen, kannst du mich aufklären?

Na ja, einerseits hat er, nach acht Jahren und vier Alben, behauptet das Matt Barlow nie hundertprozentig in zur Band passte und nicht der richtige musikalische Partner für ihn wäre, und dass er beim Komponieren schon immer Owens‘ Stimme im Kopf hatte… Auf der anderen Seite lässt er eben bei jedem zweiten Satz raushängen, wie sehr er sein Vaterland doch liebt, auch auf dem Album. Da is zum Beispiel die US-Hymne das Intro und Texte wie den von „When The Eagle Cries“ kann man schon als gewaltverherrlichend sehen, finde ich („A senseless act that goes unforgiven, how could they?, they will pay … blood will flow, for freedoms fight…“ usw.).
Simon: Naja, das mit Barlow / Owen fällt ihm aber früh auf, haha. Das wird wohl nicht der wahre Grund sein, denke ich. Da wird was ganz anderes abgelaufen sein. Aber darüber könnte man nur spekulieren. Was das mit den patriotischen Texten anbetrifft: Das spricht natürlich nicht gerade für großes Reflexionsvermögen… Die Amis sind da schon etwas „speziell“… Ok, man muss natürlich auch mitbedenken, dass wir Europäer gerade wenn es um den 11. September geht, auch leicht reden können, weil es uns ja eigentlich nicht betraf. Man weiß nicht, was bei uns los wäre, wenn jemand so etwas bei uns verübt hätte. Ich habe da ehrlich gesagt die Befürchtung, dass auch hierzulande so mancher Gewehr bei Fuß gestanden hätte… Das sollte man immer mitbedenken, trotzdem sind mir so patriotische Töne immer unheimlich. Das mag auch etwas damit zu tun haben, dass gerade wir Deutschen da auch stark historisch geprägt sind. Das ändert aber freilich nichts daran, dass die gegenwärtige US – Politik äußerst gefährlich ist… Dass sie offenbar von der Mehrheit der US – Bürger und offenbar auch von Schaffer mitgetragen wird, ist schon sehr bedenklich und wirft kein gutes Bild auf diese Gesellschaft. Diese tumbe Reduzierung der Welt auf die Formel „auf der einen Seite die Guten, also die USA und alle, die ihnen die Füße küssen – und auf der anderen Seite die Bösen, die mit Stumpf und Stiel ausgebombt werden müssen“ , wird den tatsächlichen Problemen dieser Welt einfach nicht gerecht – und genau deswegen lassen sich die Probleme auf die damit verbundene Art auch nicht lösen.

Welche drei Dinge würdest du auf eine einsame Insel mitnehmen?
Simon: Vermutlich erwarten deine Leser jetzt irgendeine Antwort der Art „Eine Stereoanlage und meine zwei Lieblingscds“ – aber was soll ich damit anfangen, da ich doch mal davon ausgehen muss, dass es auf der Insel keinen Strom gibt? Also entscheide ich mich für die pragmatische Variante: Ein Messer, einen Schleifstein und ein Brennglas um Feuer machen zu können. Damit sollte ich mich dann schon durchschlagen können… es sei denn, wir sprechen hier über ein Stück kahlen Fels in rauer See, auf dem es nur Stein und giftige Tiere gibt… Du kennst es ja schon, aber auch diesmal bleibst du nicht verschont von unserem Wortspiel… Here we go.

MTV/Viva:
Ich besitze ja keinen Fernseher, bin also eigentlich gar nicht so richtig auf dem Laufenden. Ich denke aber, dass gerade diese beiden mehr Einfluss haben als jeder Radiosender. Richtig großer Erfolg ist ohne Unterstützung von MTV und VIVA vermutlich kaum noch möglich. Im Moment ist eine meiner Lieblingsthesen, dass die Musiksender mitverantwortlich sind für den Umsatzrückgang in der Tonträgerindustrie, denn ich kenne viele Leute, bei denen den ganzen Tag lang MTV oder VIVA läuft – und die sich überhaupt keine Platten mehr kaufen, da sie die Musik ja direkt aus dem Fernseher konsumieren. Auf diese Art sind sie immer auf dem Laufenden was aktuelle Trends angeht und bekommen auch noch etwas zu sehen dabei…

Hypocrisy:
Mit dieser Band verbindet mich nicht viel. Die ganz alten Sachen hatten für mich nie eine große Bedeutung, damals gab es einfach so viele Death Metal Bands, von denen viele besser waren. Aber die “Fourth Dimension” war dann richtig genial. Was danach kam hat mich dann wieder etwas kalt gelassen, “Roswell 47” ist ein guter Song, aber den kann man zwischenzeitlich einfach nicht mehr hören. Und das aktuelle Zeug geht mir relativ sonst wo vorbei.

Gorerotted:
Der Name ist mir schon mal irgendwo untergekommen, wenn man nur nach dem Namen geht, dann gilt für die Jungs bestimmt das, was ich oben über Gore/Porn- Lyrics geschrieben habe?

Iron Maiden:
Maiden waren nach den Scorpions die erste Band überhaupt, die ich mir angehört habe, insofern werden sie, unabhängig von dem, was sie aktuell machen, bei mir immer einen gewissen Nostalgie – Status haben. Ganz abgesehen davon, dass sie einige absolute Klassiker geschrieben haben! Auch die ersten Cds, die ich mir gekauft habe, waren von Maiden – und das zu einer Zeit, als ich noch gar keinen eigenen CD – Player hatte. Das war irgendwie nicht ganz logisch damals, haha. Dann in der Blaze – Periode habe ich sie aus den Augen verloren, was nun nicht so sehr an der gesanglichen Leistung Blaze’s gelegen hat, sondern daran, dass mir die Lieder als solche nicht mehr so gut gefallen haben. Und die neueren Sachen mit Bruce Dickinson können mich auch nicht mehr so richtig vom Hocker reißen – im Vergleich zu den Klassikern wirkt das halt alles etwas hüftsteif in der Zwischenzeit. Obwohl ich nach wie vor nichts auf die Band kommen lassen, das sind absolute Top – Musiker und ein Platz in der Musikgeschichte ist ihnen sicher!!!

Underground:
Ich bin schon echt lange im Underground dabei und habe schon so ziemlich alles gemacht, was man in dem Bereich machen kann: Konzerte organisiert, ein kleines Distro für Demoveröffentlichungen geführt, in Fanzines geschrieben – und natürlich selbst in einer Band gespielt, was ich ja immer noch tu. Ich habe hier sehr viel Ehrlichkeit, selbstloses Engagement und Liebe zur Musik erfahren – und unglaublich nette Leute kennen gelernt. Trotzdem verliere ich, je länger ich mich im Underground bewege, meine ursprünglich mal romantische Sicht darauf, denn es gibt, was ich früher nie wahrhaben wollte, unbestreitbar auch hier einen Haufen Idioten, so wie eben überall. Die schlimmsten davon sind diese unsäglichen Wichtigtuer, die denken, sie seien die großen Könige, nur weil sie in einer Band spielen, die dann oft genug auch noch absolut uninteressant ist. Für viele von diesen Leuten ist der Underground nur ein notwendiges Übel, durch das man eben “durch muss”, wenn man nach oben will. Entsprechend wenig Interesse haben sie an der Philosophie, die dahintersteckt, Unabhängigkeit, Anti – Kommerzialismus, Do – it – Yourself etc. Naja, wie auch immer. Was ich damit eigentlich sagen will: Ich bewege mich nach wie vor sehr gerne im Underground und fühle mich dort auch mit Fallen Yggdrasil absolut heimisch, aber ich bin längst nicht mehr der Meinung, dass jeder, der sich dort engagiert, deswegen automatisch ein besserer Mensch sein muss…

Drogen:
Damit wollte ich noch nie etwas zu tun haben, vom Alkohol abgesehen habe ich mich bisher abstinent von allen Arten von Drogen gehalten, auch vom Kiffen, denn die meisten Kiffer gehen mir auf die Nerven mit ihrer Lethargie. Naja, aber dafür gab es Zeiten, in denen ich ganz schön viel getrunken habe, was letzten Endes auch nicht besser ist. Zum Glück habe ich nie zu den Leuten gehört, die wenn sie getrunken haben aggressiv oder sonst wie unangenehm werden. Aber selbst Alkohol konsumiere ich heute nur noch sehr selten, wenn, dann meist wenn ich mit der Band unterwegs bin. Ich vertrage aber nicht mehr viel, und wenn ich dann nicht aufpasse, bin ich schneller abgestürzt, als mir lieb ist. Und danach geht’s mir dann meist ganz schön übel … Wir sind auch schon hin und wieder mit härteren Drogen in Kontakt gekommen, weil etliche Musikerkollegen das offenbar zu brauchen scheinen, um ihre Musik mit Leben füllen zu können. Eigentlich ist das, von den bekannten Risiken und Nebenwirkungen, über die jeder Arzt oder Apotheker liebend gerne ausgefragt werden will, abgesehen, auch aus künstlerischer Sicht bedenklich, denn wenn man nicht aus sich selbst heraus genug Stimulanz für die Darbietung der eigenen Stücke aufbringen kann, ist da irgendetwas falsch…

Interviews:
Oh, die mag ich. Klar, in relativ großer Anteil von Fragen bewegt sich meist auf der Standardschiene, das ist dann für mich nicht so spannend, aber auf journalistischer Sicht natürlich absolut notwendig und richtig. Interessant wird es aber, wenn Fragen kommen, die etwas von den üblichen Standards weg oder tiefer gehen. Man hat als Interviewter natürlich auch manchmal die Möglichkeit, etwas von der eigentlichen Frage wegzugehen und die Antwort in eine bestimmte Richtung zu lenken …

Wortspiele:
Unser Wortspiel im Titel der letzen CD “In no sense Innocence” finde ich noch heute ganz gelungen, allgemein integriere ich ganz gerne mal Wortspielereien in die Texte. Man sollte nur acht geben, dass dem dann auch ein Sinn zugrunde liegt. Denn es wäre schade, wenn man um des reines Ästhetizismus‘ Willen die Aussage eines Textes zerstörte. Ich bin da der recht pragmatischen Auffassung, dass die Sprache im Dienste der Aussage zu stehen hat. Was freilich nicht die Möglichkeit ausschließt, diese Aussage zu verpacken…

South Park:
Hm, da bin ich als alter Nicht – Fernseher – Besitzer mal wieder der falsche Ansprechpartner. Aber ich kann immerhin eine Anekdote dazu erzählen: Es gab da Anfang 2001 mal ein legendäres Konzert irgendwo in Niederbayern, genaugenommen das erste Konzert mit dem damals neuen eingestiegenen Schlagzeuger Christoph alias Molch. Hm, jetzt lass mich überlegen, wie war denn das gleich noch mal… Ah ja, also auf jeden Fall war unser damaliger Basser Dierk, der zwischenzeitlich ja nicht mehr dabei ist, seeeehr betrunken an dem Abend – was aber zunächst mal noch kein Problem war. Aber irgendwann zwischen zwei Liedern rief irgendjemand aus dem Publikum auf die Bühne “Mann, siehst Du scheiße aus”. Da ich diesen Zwischenruf logischerweise unmöglich auf mich beziehen konnte, haha, drehte ich mich zu meinen Mitmusikern um, um zu schauen, wer das Ziel dieser Bemerkung war. Und was musste ich sehen??? Einen Dierk, der bis auf – und jetzt kommen wir wieder auf Deine Frage zurück – Southparkboxershorts und weiße Tennissocken splitterfasernackt war. Aber es kam noch besser: Er ist dann noch über das Drumpodest gestolpert und auf den Rücken gefallen. Und nicht nur, dass er, obwohl mit allen Gliedmaßen wie verrückt zappelnd – was irgendwie an Kafkas Erzählung “Die Verwandlung” erinnerte – aus dieser etwas prekären Lage nicht mehr auf die Beine kam, nein, zu allem Überfluss gewährten seine Boxershorts auch noch, ähm, wie soll ich sagen: “tiefe Einblicke” in seinen Genitalbereich … Ich kann Euch sagen, es gibt Anblicke, auf die man liebend gerne verzichten würde!

Metal1.info:
Ich beobachte Euer Werdegang ja nun zwischenzeitlich auch schon seit einigen Monaten und ich muss sagen, dass Ihr Euch fest etabliert zu haben scheint, was ja bei der Menge von Online – Magazinen nicht so einfach ist. Glückwunsch! Wenn Ihr so weitermacht, dann wird man von Euch noch eine Menge hören! Das Zeug dazu habt ihr auf jeden Fall.

Das war’s auch schon wieder. Danke für deine Zeit und viel Glück und Erfolg mit dem neuen Album und euerer weiteren Zukunft!
Simon: All right! Vielen Dank für das Interview! Und auch Dir die besten Wünsche!Wer weitere Infos zur Band und insbesondere zur neuen Platte möchte, findet diese auf unserer Homepage: www.Fallen-Yggdrasil.de, oder kann uns eine E-Mail schreiben: fallen-yggdrasil@web.de
Und ansonsten: Haltet die Augen offen nach der neuen Platten, ich glaube echt versprechen zu können, dass sie jedem gefallen wird, der Death Metal mag.

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