Interview mit Simon Kratzer von Fallen Yggdrasil

Simon Kratzer, Shouter der Tübinger Death Metaller Fallen Yggdrasil, die seit kurzen mit S-C-R auch ein Label gefunden haben, stellte sich unseren Fragen und beantwortete diese sehr sympathisch und ausführlich. Daraus ist das bisher längste Interview auf Metal1.info geworden. Doch lest selbst… viel Spaß dabei!

Servus Simon! Wie geht’s?
Simon: Hi! Kann mich nicht beklagen. Ich habe im Moment zwar einen Sack voll Arbeit, aber alles in allem läuft es ganz gut.

– Die Frage hängt dir wahrscheinlich schon zum Hals raus, aber mich würde zu aller erst trotzdem interessieren, wie euer etwas außergewöhnlicher Bandname entstanden ist und was dahinter steckt.
Yggdrasil ist die Weltenesche der nordischen Mythologie. Sie steht also für die Welt. Der andere Bestandteil des Namens „fallen“ kommt einfach vom englischen „to fall“. Das ganze hat eine gewisse apokalyptische Bedeutung, denn wer will schon, dass ihm die Welt unterm Popo weggefällt wird??? Der Name erinnert leider viele Leute an Black oder Pagan Metal, dabei haben wir damit ja nix zu tun und mit der nordischen Mythologie verbindet uns strenggenommen auch nicht mehr als mit anderen Mythen, aber wir fanden den Namen cool, obwohl wir uns bewusst waren, dass er nicht unproblematisch ist – schon allein deswegen, weil er dauernd falsch geschrieben wird. Und weil wir ihn immer wieder erklären müssen, haha. Aber dass haben wir uns selbst eingebrockt..

.– Wie seid ihr mit Supreme Chaos Records in Kontakt gekommen?
Das war eigentlich keine große Sache. Supreme Chaos sind in der Ludwigsburger Gegend angesiedelt, wo wir ja auch mehr oder weniger herkommen, daher kannten wir Robby schon seit Jahren. Es gibt in Ludwigsburg ja die „Rockfabrik“, wo auch Metal läuft und wo sich die Metalszene trifft. Da kennt jeder jeden und so mussten wir früher oder später auch dem Robby über den Weg laufen, zumal er ja selbst auch noch in einer Band singt (Karkadan). Zunächst waren Supreme aber eigentlich auch nur einer von vielen Vertrieben, die unsere CD bei sich im Programm hatten. Diese Zusammenarbeit hat sich dann aber als sehr erfolgreich herausgestellt und so hat es sich ergeben, dass wir jetzt enger zusammenarbeiten.

– Wie schätzt du in Zukunft die Chancen der Band mit dem Label im Rücken ein? Immerhin wart ihr ja auch schon ohne solche Hilfe in großen Mailordern wie zB Nuclear Blast vertreten und habt nicht schlecht verkauft.
Das warten wir jetzt mal ab. Ich mein, Supreme Chaos sind ein kleines Label, deren Möglichkeiten in vielerlei Hinsicht natürlich um ein Vielfaches beschränkter sind als bei den großen. Aber ich bin sicher, dass Supreme Chaos großes Potential hat und uns mit Sicherheit einige Türen öffnen wird, die nicht geöffnet bekommen hätten. In erster Linie hoffe ich natürlich darauf, dass die CD ordentlich vertrieben wird. Das haben wir bisher zwar auch auf eigene Faust ganz gut hinbekommen, aber Supreme haben da mit Sicherheit noch ein paar Möglichkeiten mehr. Außerdem ist es für uns natürlich auch sehr angenehm, dass uns jemand diese Arbeit abnimmt, denn Du kannst mir echt glauben: Das ist echt eine Menge Stress.

– Wann wird’s nach dem Re-Release von „In No Sense Innocence“ auf Supreme Chaos Records wieder eine neue CD von euch geben?
Also geplant ist, Ende des Jahres wieder ins Studio zu gehen. Es ist allerdings nicht unbedingt gesagt, dass die Cd bei Supreme rauskommen wird. Also wir haben da eigentlich nichts dagegen, zumal Supreme Chaos bisher einen sehr guten Job machen, aber es besteht keine Verpflichtung dazu. Unsere Zusammenarbeit ist im Moment ausschließlich auf „In no sense Innocence“ beschränkt, es gibt darüber hinaus keine vertragliche Bindung. Wir werden also erst zu gegebener Zeit schauen, wie’s weitergeht.

– Was habt ihr sonst für die nächste Zukunft geplant, jetzt nicht unbedingt nur auf die Musik bezogen?
Na ja, da kocht so jeder von uns sein eigenes Süppchen, darum kann ich da wenig sagen. Ich persönlich werde hoffentlich noch dieses Semester mit dem Studium soweit vorankommen, dass das Staatsexamen in greifbare nähe rückt, mal sehen, ob’s klappt. Ich komm ja kaum zum Lernen, weil ich dauernd Interviews beantworten „muss“. Haha. Das war natürlich nicht Ernst gemeint. Bandmäßig werden wir fleißig neue Songs einstudieren, damit wir möglichst bald wieder ins Studio können. diesmal für eine Fulllength-CD. Da ist noch einiges zu tun.

– Auf „In No Sense Innocence“ variiert ihr in eueren Texten zwischen deutscher und englischen Lyrics, bei „Crown of All Creatures“ wechselt ihr sogar mittendrin die Sprache. Konntet ihr euch nicht für das eine oder andere entscheiden oder wie kam das?
Nein nein, das hat damit nichts zu tun. Es war einfach so, dass ich bisher immer die Texte auf Deutsch getextet habe und dann ins Englische übersetzt. Aber irgendwie ist das ja beknackt, denn bei der Übersetzung ging jedesmal sämtliche Metrik und so am Sack. Außerdem gibt es so gewisse Wortspiele und so, die sich nicht ins Englische übersetzen lassen… zumindest nicht, wenn man ein so unvollkommenes Englisch spricht wie ich… Also hab ich mir gedacht, dass ich die Texte einfach auf Deutsch lass. Allerdings wollte ich immer ein paar zentrale Passagen auf Englisch lassen, weil das vielleicht auch für Leute, die nicht Deutsch können, ein gewisses Verständnis ermöglicht.

– Was soll ich mir unter dem Titel „You Suicide Me“ vorstellen? Ist wohl nicht ganz so einfach, an jemand anderem Selbstmord zu begehen. Wenn ich mir den Text so durchlese, würde ich das so interpretieren, dass jemand von jemand anders durch sein Verhalten in den Selbstmord getrieben wird. Wie war das von dir gedacht?
Du liegst mit Deiner Vermutung sehr richtig. Es geht darum, dass das „Ich“ des Songs – das mit mir identisch sein kann, aber nicht sein muss – von einer anderen Person in den Selbstmord getrieben wird. Oder eigentlich sollte man sagen: wegen dieser Person glaubt er nur noch im Selbstmord eine Lösung sehen zu können. Das „Ich“ versucht zunächst seinen Schritt zu verteidigen und schiebt der anderen Person alle Schuld in die Schuhe. Aber dann kommen erste Zweifel, denn er merkt, dass er sich selbst über seine Gefühle nicht im klaren ist „You don’t feel! But I feel! I feel – what?“ . Und schließlich kommt dann die endgültige Wende, denn im Akustikpart, der das Dahinscheiden des „Ichs“ darstellt, heißt es „Oh no, this is not what I want“. Aber zu diesem Zeitpunkt gibt es schon kein Zurück mehr…

Wenn du in der Beziehung zwischen dem „Ich“ in „You Suicide Me“ auf dich selbst anspielst, hast du selbst schon mal ernsthaft an Selbstmord gedacht?
Eigentlich nicht, dazu bin ich ja auch viel zu stur. Aber auf der anderen Seite hat es ja auch etwas Beruhigendes, zu wissen, dass man die Gardinen zuziehen könnte, wenn man denn mal keinen Bock mehr haben sollte… Ich bin durchaus der Meinung, dass jeder das Recht hat, aus dem Leben zu scheiden, wenn er es will. Also ich meine: Selbstmord ist mit Sicherheit keine Sünde, für die man in die Hölle kommt, auch wenn man uns das einreden will. Das hat meiner Meinung nach nichts mit einem Mangel an „Respekt vor dem Leben“ zu tun. Mein Problem mit Suizid ist eigentlich etwas anderes: Erstens sind viele Selbstmorde meiner Meinung nach unreflektierte Kurzschlussreaktionen wegen Dingen, die eigentlich nicht so schlimm sind, dass sie diesen letzten Schritt nötig machen. Wer weiß, wie vielen Leuten das bewusst wurde, als es zu spät war? Zum Beispiel als sie schon auf der Hälfte der 20 Stockwerke waren, die sie eben heruntergesprungen sind? Und zweitens muss man sich auch bewusst sein, was man damit eventuell den Hinterbliebenen antut. Und in diesen Zusammenhang gehört dann auch der dritte Punkt: Was ich nämlich absolut inakzeptabel finde, ist, wenn sich Leute übern Jordan einschiffen, nur um andere zu bestrafen oder ihnen ein schlechtes Gewissen zu machen. „Jetzt werdet ihr schon sehen, was ihr mir angetan habt“. Das ist ziemlich hinterfotzig, weil man den Betroffenen damit keine Chance gibt, sich zu rechtfertigen.

– Ich bin schon seit ich es das erste mal gelesen habe von dem genialen Wortspiel „In No Sense Innocence“ begeistert. Wie bist du darauf gekommen?
Wie ich genau ich darauf kam, weiß ich wirklich nicht mehr. Es war zunächst einfach eine Spielerei , um die ich dann den restlichen Text aufgebaut habe. Die Bedeutung hängt natürlich eng mit dem gleichnamigen Song zusammen.

– Gibt’s nen bestimmten Song, den ihr gerne mal covern würdet?
Hm, wüsste ich jetzt eigentlich nicht, was von Dismember wäre ganz cool, „Dreamingin Red“ oder „Skinfather“ vielleicht?

– Gibt’s irgendeinen besonderen Auftritt, an den du dich immer wieder gerne zurückerinnerst oder hast du sonst eine lustige Geschichte aus dem Konzertleben auf Lager?
Oh, da gibt’s viele. Es kommt immer drauf an, wonach man das beurteilen will: Nach dem Auftritt, danach wie gut wir gespielt haben, oder wie gut wir ankamen? Oder danach, wie witzig die Stimmung unter den beteiligten Bands war? Oder danach, wieviel Kohle danach in unserer Kasse war? Ok, letzteres ist natürlich kein unbedingter Maßstab, aber was ich damit sagen wollte ist, dass man das ja an ganz unterschiedlichen Dingen messen kann… Von der Party her war zum Beispiel der Gig letztlich in Bautzen ganz cool. Da gab’s bei der Aftershow Karaoke und „Reise nach Jerusalem“…

– Ist euer Line-Up nach den vielen Besetzungswechseln der letzten Jahre jetzt mal richtig stabil, oder droht sich da schon wieder eine Neubesetzung an?
Im Moment sieht es sehr gut aus. Die jetzige Besetzung scheint mir sehr motiviert zu sein und zieht gut mit. Aber ich muss ehrlich sagen, dass ich mich darauf zwischenzeitlich nicht mehr verlasse. Dazu hat bei uns das Besetzungskarussell schon viel zu sehr rotiert in der Vergangenheit. Früher waren wir zum Teil sogar zu rücksichtsvoll, haben viel zu oft ein Auge zugedrückt. Dass hat der Band rückblickend ganz schön geschadet und ich muss ehrlich sagen, dass mich das im Nachhinein wahnsinnig ärgert. Heute würden wir das nicht mehr mitmachen. Sobald wir das Gefühl haben, dass jemand keinen Bock mehr hat und keine Besserung abzusehen ist, ist er raus. Das klingt natürlich sehr brutal, ich hab aber keine Lust mehr, dass irgend jemand die Band behindert. Der Rest der Band sieht das auch so. Wer nicht mehr bereit ist, mit zu ziehen soll sich selbst und der Band gegenüber so ehrlich sein, und gehen – oder er wird gegangen. Was es einfach nicht mehr geben darf ist, dass jemand versucht, das Angenehme am „Bandleben“ mitzunehmen, aber das Unangenehme (und davon gibt es einiges) außen vor zu lassen. Ich gebe zu, dass das alles sehr hart klingt, aber anders geht das einfach nicht, wenn wir unseren Standard halten wollen. Und wenn ich jetzt so rumpoltere, dann heißt dass natürlich nicht, dass wir in der Band eine reine Zweckgemeinschaft wären, oder dass wir mit unseren Exmitgliedern zerstritten sind. Wir sind alle sehr gute Freunde und wir haben uns die Bandmitglieder auch immer besonders stark nach dem Gesichtspunkt ausgesucht, ob die Leute cool sind und menschlich zur Band passen. Auch mit unseren Exmitgliedern verstehen wir uns noch sehr gut, nicht umsonst werden sie CD-Booklet gegrüßt. Aber es muss eben auch klar sein, dass die Band niemanden mitziehen kann, nur weil’s ein Kumpel ist. Das haben wir den Neuen aber auch genauso gesagt und es wurde akzeptiert.

– Spielst du seit dem Einstieg von Dierk überhaupt noch selbst irgend etwas am Bass?
Ich würde gerne, aber ich habe einfach keine Zeit im Moment. Ich hatte mir sogar mal überlegt, dass ich noch in eine zweite Band einsteigen könnte, um dort nur Bass zu spielen. Aber das ist zeitlich einfach nicht machbar, zumal die Zweitband sich damit abfinden müsste, dass sie eben wirklich nur „Zweitband“ ist. Und das ist ja nicht fair, gerade auch aufgrund dessen, was ich in der vorigen Frage gesagt habe. Dierk ist ja übrigens zwischenzeitlich auch nicht mehr dabei, er ist recht bald nach der Veröffentlichung von „In no sense Innocence“ ausgestiegen und wurde durch Suli ersetzt.

– Welche Musik hörst du privat außer Death Metal?
Alle anderen Metalspielarten mit Ausnahme von Black Metal, das ist absolut nicht mein Ding, außerdem geht mir diese Imagesache auf den Keks. In letzter Zeit komme ich aber ohnehin kaum noch zum Musikhören, weil ich viel zu selten zuhause bin. Es gibt eine Menge Platten, die schon vor Monaten erschienen sind und die mich interessieren würden, die zu hören ich aber noch keine Zeit hatte. Das nervt ziemlich.

– Welche Scheiben wären das denn zum Beispiel?
Mir fehlen z.B. die neuen Sachen von Amon Amarth, sogar die letzte Dismember! Ok, mein Bruder hat die Platten, aber da wir ja zwischenzeitlich recht weit auseinander wohnen, habe ich da nur wenig von. Dann wollte ich mir seit langem mal die aktuelle Dew-Scented reinpfeiffen, aber ich komm zeitlich nicht dazu. Und die aktuelle Unleashed kenn ich auch nur sporadisch. Ok, ich denke letzteres ist nach dem, was ich kenne, jetzt nicht unbedingt ein großer Verlust, aber es würde mich schon mal interessieren, immerhin waren Unleashed meine erste Death Metalband!!! Die Liste würde sich mühelos fortsetzen lassen…

– Ist das Internet für dich und die Band sehr wichtig?
Auf jeden Fall. Vieles, was früher über die Post ging, machen wir jetzt per E-Mail – und wir sparen damit eine Menge Geld. Wir hatten noch vor 5 Jahren regelmäßig immense Ausgaben für Porto, das konnten wir jetzt beträchtlich verringern. Wir selbst wohnen ja recht weit auseinander (Heidelberg, Freiburg, Karlsruhe, Tübingen), da ist E-Mail auf jeden Fall auch ein wichtiges Mittel zur bandinternen Kommunikation. Ich kann den Jungs zum Beispiel alle neuen Reviews, Interviews etc. einfach zumailen, außerdem können wir uns jederzeit gegenseitig auf dem Laufenden halten. Wir veranstalten hin und wieder regelrechte „Konferenzschaltungen“. Das ist manchmal sogar zweckmäßiger als zu telefonieren.

– Wie sieht bei euch eine Bandprobe aus, wenn ihr so weit auseinander wohnt? Scheint ja doch recht kompliziert zu sein, und geht wohl auch nicht all zu oft…
Ja, das ist in der Tat ein großes Problem. Wir können auf jeden Fall nur Wochenends richtig zusammen proben – und dann natürlich auch nur, wenn keine Konzerte anstehen. Damit sind unsere Möglichkeiten schonmal ganz schön eingegrenzt. Bisher haben wir es dann so gemacht, dass wir bevor wir zu den Konzerten gefahren sind noch den Set ein, zweimal durchgespielt haben, aber neue Sachen kann man unter solchen Bedingungen natürlich nur sehr langsam einstudieren. Darum werden wir in Zukunft versuchen, jeweils immer ein ganzes Wochenende komplett durchzuproben. Zur Not muss man dafür dann halt auch mal öfter ein Konzertangebot ausschlagen, als wir das bisher gemacht haben.

– Was treibt ihr neben der Musik sonst noch so, quasi als „Nebenjobs“? ;-)
Denno arbeitet als Werbegrafiker oder so, die anderen studieren. Raffa macht was mit Medien, Christoph wird Grundschullehrer, Suli macht Lebensmittelchemie und ich mache Germanistik und Geschichte und arbeite nebenher an der Uni.

– Was denkst du über Musiker – z:B. Billy Milano von S.O.D. als negatives Extrembeispiel – und Bands, die politisch auch Stellung in ihren Songtexten Stellung beziehen? Würdest du in deinen Lyrics auch politische Themen ansprechen?
Prinzipiell habe ich da nix dagegen, es hängt immer davon ab, welche Meinung sie vertreten. Ganz ehrlich: Solange sich ihre Meinung mit meiner deckt, finde ich das sogar gut, wenn sie aber eine andere Meinung vertreten, nervt mich das, haha. Letzten Endes ist es aber ok, wenn die Leute über Dinge singen, die ihnen wichtig sind. Aber wenn dann irgendwelcher extremer Scheiß bei rauskommt, dann ist das zum Kotzen.

– Von welchen Bands würdest du behaupten, dass sie den Fallen Yggdrasil-Stil am meisten beeinflusst haben? So gesehen kling euer Sound ja sehr eigenständig und lässt sich nicht wirklich zwanghaft mit einer anderen Band vergleichen.
Wir hören ja alles im Metalbereich, von traditionellem Heavy Metal bis zum Grindgebolze. Ich glaube aber, dass man sagen kann, dass wir beim schwedischen Death Metal unseren „kleinsten gemeinsamen Nenner“ haben. Ich denke alsao schon, dass man hierbei unsere Haupteinflüsse finden kann, vor allem bei den älteren Schweden, Dismember zum Beispiel.

– Habt ihr einen Wunsch, mit einer be
timmten „großen“ Band mal zusammen zu spielen?

Ach nein, eigentlich nicht, obwohl es natürlich schon ein gewisser Vorteil sein kann, mit einer „großen“ Band zusammenzuspielen, aber Wunschkandidaten haben wir nicht. Aber es muss natürlich schon eine Band sein, die musikalisch einigermaßen unsere Schiene fährt, damit es ein vernünftiges Pakage ist. Ich mein, was würde es zum Beispiel bringen, vor Herbert Grönemeyer aufzutreten? Der ist zwar zweifellos „groß“, aber ich bin mir sicher, wir hätten die 30 000 Zuschauer nach 2 1/2 Liedern aus der Halle gejagt. Obwohl, das könnte auch mal interessant sein… Nein, im Ernst: Wichtig wäre auch, dass es nette Leute sind, die nicht denken, sie seien was besseres und könnten sich deswegen ihren Vorbands gegenüber scheiße aufführen. Ach ja, und wenn es schon eine „große“ Band ist, dann wäre es ganz cool wenn sie auch ordentlich Leute ziehen würde. Denn ansonsten haben wir ja nichts davon. Das sehe ich recht pragmatisch, haha.

– Dein Grönemeyer-Beispiel erinnert mich jetzt schon ein wenig an die kommende Metallica-Tour mit Linkin Park, Limp Bizkit und Mudvayne – ich denke, dass will kein richtiger Metallica-Fan so sehen… Wie findest du das komische Pakage? Wenn Metallica jetzt allerdings mit dem neuen Album auf die New Metal-Fangemeinde zielen, wärs zumindest ein wenig einleuchtend, aber halt schade…
Ich für meinen Teil interessiere mich überhaupt nicht mehr für Metallica. Ich war nie ein großer Fan von ihnen, schon früher nicht, zwischenzeitlich sind sie mir aber ganz einfach gleichgültig. Ich freu mich nicht über sie, aber ich ärgere mich auch nicht, sie lassen mich einfach kalt. Darum ist es mir eigentlich auch egal, ob die auf der nächsten Platte Punk, New Metal oder HipHop machen – oder mit wem sie auf Tour gehen. Ich versteh auch nicht, warum die Metalgemeinde die Jungs nicht auch einfach links liegen lässt. Ich mein, Metallica ziehen ihr Ding durch, das ist ihr gutes Recht, aber sie haben in der Vergangenheit deutlich genug bewiesen, dass sie keinen Wert mehr auf ihre alten Fans legen – warum kümmern sich eben diese Fans dann überhaupt noch um die Band ? Warum kaufen sie immer noch die Platten? Nur um sich dann zu ärgern? Und um den Jungs Geld in den Arsch zu stecken dafür? Vielleicht sollten die alten Metallica-Fans endlich kapieren, dass die Band, die sie einst geliebt haben und deren alte Meilensteine sie noch immer lieben, nichts mehr zu tun hat mit den heutigen Metallica… Aber um auf Deine Frage zurückzukommen: Ich könnte mir schon vorstellen, dass Metallica, oder besser ihre Plattenfirma, darauf abzielen, in den New Metalkids eine neue Käuferschicht „aufzureissen“. Das würde ja auch Sinn machen, zumindest nach den Regeln des Geldes. Denn die Marketingleute wissen natürlich auch, dass der Rückhalt Metallicas bei der „echten“ Metalgemeinde früher oder später endgültig den Bach runter gegangen sein wird… da erscheint es nur folgerichtig, zu versuchen, auf einen Trend aufzuspringen, der gut läuft und der musikalisch zumindest einigermaßen im Bereich Metallicas liegt.

– Wie sieht bei euch in der Gegend die Underground-Szene aus? Gibt es da neben euch noch ein paar Hoffnungsträger?
Ich kenn massig Bands, die sehr gut sind. Da jetzt ein paar rauszupicken ist nicht einfach, normalerweise drücke ich mich immer ganz gerne um solche Fragen, denn es ist immer etwas heikel, wenn man dann zwei-drei Bands nennt und einem die anderen, die man nicht genannt hat, das dann noch ewig nachtragen…

– Live konnte ich euch bisher leider noch nicht sehen. Ihr hättet doch bestimmt mal wahnsinnige Lust darauf, im nördlichen Bayern bzw. in Franken zu spielen, oder?
Auf jeden Fall!!! Also: Veranstalter meldet Euch!!!

– Allgemein spielt ihr ja sehr viel live, auch 2003 wieder. Wie sieht’s da mit Festivals aus?
Wir spielen ein paar kleinere Sachen, das Hard Taste bei Erfurt, Mountains of Death in der Schweiz und ein paar andere. Da freu ich mich schon drauf, denn Festivals sind cool. In der Regel versuchen wir, schon vom ersten Tag an dazusein und das Festival komplett mitzumachen, natürlich stilecht mit unseren geliebten Campinghockern und so. Das muss schon sein. An die großen wie Wacken kommen wir natürlich nicht ran, das haben wir auch gar nicht erst versucht, wäre ohnehin verschwendete Zeit.

– Zum Schluss noch ein kleines Wortspiel. Was kommt dir in den Sinn, wenn du folgende Begriffe liest:

MP3 : Die Musikindustrie heult sich einen ab und sieht durch mp3 ihre Existenz bedroht. Die Jungs und Mädels in den Chefetagen der Plattenfirmen sollten aber lieber mal weniger Scheiß auf den Markt werfen, anstatt sich Sündenböcke für ihr eigenes Versagen zu suchen.

New Metal: Kann ich persönlich gar nicht ab. Und das hat nicht mal was damit zu tun, dass ich dieses ganze Image und die breiten Hosen für denkbar unmetallisch halte, sondern damit, dass ich die Musik nicht mag. Aber es soll jeder hören, was er will.

Slayer: Die aktuelle Platte habe ich noch immer nicht ganz durchgehört, ich kenne nur ein paar Lieder draus. Ich erinnere mich noch gut, wie ich vor Jahren mal mit meinem Bruder Raffael auf einem Slayerkonzert war. Raffael war damals noch sehr jung und ich hatte die Verantwortung, dass er wieder heil nach Hause kommt. Und so standen wir also in der Halle und haben auf den Beginn des Konzerts gewartet – und plötzlich erschollen die ersten Töne und es entwickelte sich ein riiiiesen Pogopitt vor der Bühne – wer schon mal auf einem Slayerkonzert war, weiß, was ich meine. Tja und plötzlich war mein Brüderchen weg… Mannomann, hatte ich Schiss, dass ich ihn in Einzelteilen nach Hause tragen muss… Es hat sich dann aber herausgestellt, dass er noch rechtzeitig flüchten konnte, bevor das Pogoinferno über ihn hereingebrochen war, haha.

Blind Guardian: Ich persönlich mag zwar die Scheiben nach „Imaginations…“ nicht mehr ganz so, weil sie mir einfach eine Spur zu „perfekt“ und „überproduziert“ sind, aber diese Band ist ohne Zweifel klasse und ich war früher ein großer Fan von ihnen. Ich lege ihre alten Sachen auch heute noch regelmäßig auf.

Proberaum-Randalierer : Vor einigen Jahren haben bei uns mal welche in den Proberaum eingebrochen und alles, was sie nicht mitnehmen konnten, kurz und klein geschlagen. Glücklicherweise hatten wir aufgrund eines Zufalls in genau dieser Nacht keine Verstärker drin stehen. Das war unser Glück, sonders wäre das ganze eine echte Katastrophe gewesen, so war es vor allem ärgerlich – und trotzdem teuer genug.

Religion: Ein Thema, über das man seitenlang dozieren könnte. Auf jeden Fall haben auch in unserer modernen Zeit die Menschen ein Bedürfnis nach Spiritualität, das zeigt sich daran, dass diese ganzen Sekten so einen riesen Zulauf haben. Das Problem ist in der Regel auch weniger die Religion als solche, als das, was ihre Führer daraus machen. Und genau das ist ja das Problem an den Sekten. Aber natürlich auch an so mancher „großen“ Religion.

Alkohol: Vor kurzem ging es mir am nächsten Morgen mal wieder so schlecht, dass ich mir vorgenommen habe, abstinent zu sein – was leider nicht geklappt hat. Alles in allem trinke ich aber eher selten Alkohol, eigentlich nur wenn ich mit der Band unterwegs bin – dann wirds aber meist mehr als gut ist für mich…

Poser: Du meinst in der Bedeutung „Leute, die einen auf Metal machen, aber kein Metal sind“? Von der Sorte kenne ich viele. Ärgerlich ist, wenn sich genau die Leute als Szenepolizei aufspielen und dir erzählen wollen, was „Metal“ ist und was nicht – und dann, nach zwei Jahren schneiden sie sich die Haare ab und fahren plötzlich auf Techno ab. Ich kenne einige von der Sorte. Es gibt zum Beispiel Leute, die früher immer unseren Drummer Christoph blöd angemacht haben, weil er kurze Haare hat – aber: Im Gegensatz zu diesen Leuten, die kurz einen auf coolen Metaller gemacht haben und jetzt abgesprungen sind, ist der Christoph schon seit Urzeiten dabei und hat mehr Ahnung von Metal als diese Typen alle zusammen… Also, wer ist in dem Fall nun mehr Metal, der langhaarige Posertyp, für den Metal nur eine kurze „Phase“ ist, oder der Kurzhaarige, der dem Metal die Treue hält???

Liebe: Ja, das soll’s Gerüchten zufolge geben, haha. Eine schöne Sache. Ich könnte mir vorstellen, dass viele Leute aber viel zu oberflächlich sind, um der wahren Liebe eine Chance zu geben…

Metal1.info: Gefällt mir echt sehr gut. Ich bin ehrlich gesagt erst letzte Woche auf Euch aufmerksam geworden, davor hatte ich noch nie etwas von Euch gehört. Aber irgendwie bin ich dann über irgendein Linkportal bei Metal1.info gelandet.

– Falls du den Lesern von Metal1.info und dem Rest der Whimps und Poser da draussen noch etwas sagen willst, kannst du das jetzt auf die Menschheit loslassen:
Hm, so als „final message“ würde ich sagen: Haltet dem Metal die Treue, unterstützt den Underground, macht nicht jeden Scheiss mit, den die Musikindustrie Euch aufschwatzen will, sondern hört, was Euch gefällt. Und vergesst nicht: Es sind die Fans, die entscheiden, wie’s weitergeht in der Szene, nicht die Plattenfirmenbosse, denn ihr haltet das Ganze am Leben! Wer noch mehr über uns wissen will, oder auch nur irgendwas loswerden will:
Fallen-Yggdrasil.de
Die Cd gibt’s bei uns oder bei Supreme Chaos Records

– Herzlichen Dank für deine Zeit und Mühen, die du für meine Fragen aufgebracht hast! Ich wünsch dir und der Band noch viel Erfolg mit Fallen Yggdrasil und was sonst noch so bei euch ansteht!
Jau, und Dir ein fettes Dankeschön für die Fragen, hat mich gefreut und Spaß gemacht hat’s auch.

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