Interview mit Dodo von Galadriel

Die Antworten von Galadriel-Sänger und -Gitarrist Dodo kamen zwar etwas verspätet bei mir an, aber immerhin. Hier spricht er über Line-Up-Probleme, neuen Stoff und seine Angst vor Deutschen…

Hallo Dodo, wie geht’s dir?
Dodo Datel: Hallo! Momentan hab ich echt viel Arbeit, weil ich mit meiner Freundin damit anfange, ein neues Stockwerk in unserem Haus zu bauen. Du weißt, es ist ein Haufen Papierkram und alles dauert einfach so lange. Aber ich wei0ß, dass es großartig sein wird, sobald es fertig ist.

Zuerst möchte ich euch zu euerem gelungenen und sehr sympathischen Auftritt beim Blind Guardian Festival in Coburg gratulieren. Wie waren deine Eindrücke von der Organisation, den ganzen Abläufen im Backstagebereich und von Blind Guardian selbst?
Vielen Dank. Ja, es war wirklich eine großartige Erfahrung für uns. Ich war wirklich glücklich darüber und möchte allen Fans danken, die zu uns gekommen sind um unser Set zu sehen. Sie waren wirklich gut und ihre Reaktionen waren für eine unbekannte Band aus der Slowakei fantastisch. Die Organisation des Festivals war auf einem sehr hohen Level, das hat man auch bei jedem Schritt gemerkt, alle Crewmitglieder und das Management waren absolut professionell. Auch der Bühne, Backstage, einfach überall, und die Musiker von Blind Guardian sind völlig in Ordnung und sehr nette Menschen.

Und was denkst du über die deutschen Fans dort?
Wie ich schon gesagt habe, war ich sehr überrascht, wie gut wir von ihnen akzeptiert wurden. Wir spielten überhaupt zum ersten mal in Deutschland und die Reaktionen der Fans waren klasse. Wir haben dort zwar nicht gecapmt, aber auf dem Platz vor der Bühne war alles in Ordnung, ich habe auch niemanden getroffen, der ein Problem gehabt oder gemacht hätte, alle waren freundlich. Ich muss zugeben, ich hatte ein wenig Angst vor der deutschen Mentalität, aber alles war gut so.

Warum war euere Sängerin Sona in Coburg nicht mit von der Partie? So gingen viel von Atmosphäre und den Gefühlen der Songs verloren, gleichzeitig aber haben sie an Energie zugelegt.
Wir hatten im Februar private Probleme zwischen einigen Bandmitgliedern, und das Ergebnis davon war wirklich grausam. Sona, unser Keyboarder J.S.K. und Drummer Dr. Victor haben die Band alle auf einen Schlag verlassen. Es war wirklich schwer, Galardiel noch am Leben zu erhalten, aber inzwischen sieht es sogar noch besser aus als noch vor ein paar Monaten. Wir arbeiten gerade an neuem Material, haben schon sieben neue Songs fertig gestellt und wollen im November ins Studio gehen. Sona ist meine Partnerin, also war es umso schwerer, eine Entscheidung zu treffen, wir haben mit unserem privaten Zusammenleben auch heute keinerlei Probleme. Die Keyboards beim Blind Guardian Festival spielte unser zweiter Gitarrist Matus Hanus, weil unser Gastkeyboarder Andy ein paar Tage vor dem Festival wegen der Schule in die USA fliegen musste.

Galadriel

Warum habt ihr auf dem BG Festival nicht euere Version von „The Bard’s Song (The Hobbit)“ gespielt? Ich hatte darauf gewartet und es wäre sicher interessant gewesen, es dort zu hören.
Ja, es wäre schön gewesen, aber es lag eben an dem Problem mit dem Line-Up. Es waren nicht genügend Leute für viele unserer Songs und eben auch diese Coverversion auf der Bühne. Es ist echt schade, aber ich denke auch, wir waren nicht zum letzten mal in Deutschland…

Habt ihr ein paar andere bekannte Songs im Kopf, von denen ihr gerne mal eine Coverversion basteln würdet?
Wir würden gerne eine ein Cover von Anathema’s „Dying World“ machen, und es gibt auch noch viele andere Lieder, die wir auf unsere Weise spielen möchten. Natürlich konzentrieren wir uns aber vorwiegend auf eigene Songs, dass ist uns wichtiger. Ich glaube, das Cover von Blind Guardian’s „The Bard’s Song (The Hobbit)“ ist uns ziemlich gut gelungen. Es ist eine sehr düstere Version mit ein paar Black Metal Elementen und weiblichen sowie männlichen Vocals und eben einem Keyboard. Das ist wohl unser Weg, um Coverversionen zu machen, und nicht sie einfach so originalgetreu wie nur möglich nachzuspielen, sondern ein paar Sachen zu verändern und dem Stück ein eigenes Gesicht zu verpassen.

Seid ihr alle Fans von Blind Guardian? Ist ihre Musik für euer Songwriting ein nennenswerter Einfluss? Welche Bands würdest du allgemein gesehen als größte Einflüsse für euere Songs nennen?

In der Greeting List eueres aktuellen Albums „From Ashes & Dust“ wird unter anderem auch J.R.R. Tolkien erwähnt. Wie findest du die „Herr der Ringe“-Bücher und die Filme?
Die Gefühle die ich hatte, als ich das Buch vor einigen Jahren zum ersten mal gelesen habe, sind schwer zu beschreiben. Es ist eine Bibel der Fantasy Literatur. GROSSARTIGE Arbeit! Ich mag auch andere Fantasy-Autoren, aber J.R.R. Tolkien hat unglaubliche Stories geschrieben. Mir gefallen auch die Filme. Ich glaube, jeder einzelne, der an dieser Filmtrilogie mitgemacht hat, hat sehr hart und enthusiastisch gearbeitet. Natürlich ist in den Filmen viel verändert worden, aber ich denke es ist trotzdem eine schöne Ehre für Tolkiens Arbeiten.

Wo wir gerade beim Thema sind, habt ihr schon mal darüber nachgedacht, ein Tolkien-Konzeptalbum zu schreiben?
Nein, das wäre nicht unser Stil. Wir haben zwar ein paar Songs mit seinen Themen, aber ich schreibe mehr über meine Gedanken und das Leben um mich herum. Das bedeutet mir viel mehr.

In Coburg hab ich auch ein Auto aus der Slowakei mit einem großen Galadriel Aufkleber auf der Motorhaube gesehen. Habt ihr viele Fans in euerer Heimat? Was sind deiner Meinung nach die Unterschiede zwischen den deutschen und slowakischen Fans?
Hey, das war unser Auto, haha! Ich denke wir sind eine der bekannteren Bands aus unserem Land und ich glaube auch, dass wir tolle Fans haben. In der slowakischen Metalszene gibt es eine Menge Death Metal und Grindcore Bands und ich denke, die Fans werden so langsam gelangweilt davon. Viele Fans wollen lieber ein paar Melodien hören, und das ist eine gute Entwicklung.
Den Hauptunterschied sehe ich in der Toleranz für andere Stile aus dem Rock- und Metal-Bereich. Hier in der Slowakei gibt es immer noch viele konservative Fans, die ihre Augen nicht öffnen wollen, aber das ist ihr Problem, denn so verpassen sie eine Menge interessanter Musik. Aber ich finde es wir Jahr für Jahr besser.

Wie sieht es in der slowakischen Metalszene in Form guter Bands aus? Hier in Deutschland kennt man quasi keine Metal Bands von dort.
Ich weiß, dass es in jedem Land gute Bands gibt. Aber alles hängt an Möglichkeiten, der Wirtschaft, Werbung und natürlich auch Glück. Wenn eine Band eine CD rausbringt, muss sie erst mal viele Gigs spielen, die Fans haben schließlich nicht so viel Geld, um sich jede Neuveröffentlichung zu holen. Und wenn diese Fans die Band live auf der Bühne sehen, und die Band auch gut spielt, ist das ein erster Schritt um ein paar CDs verkaufen zu können. Ich kann dir auch ein paar Namen von den Bands nennen, die mit uns in der „ersten Liga“ spielen: Morgain, Orkrist, Ethereal Pandemonium, Antares, Depresy, Essence Of Existence… wirklich gute Bands.

Habt ihr inzwischen auch schon klare Vorstellungen für den „From Ashes & Dust“ Nachfolger?
Ja, wir haben eine klare Idee, wie das neue Album werden soll. Der Sound der Band wird etwas moderner sein. Die Grundlagen der Band sind natürlich weiterhin im melodischen Doom/Black Metal, wir werden aber verstärkt neue Elemente elektronischer Musik in die Songs einbinden. Im Moment sieht alles ziemlich gut aus. Ich freue mich schon darauf, im November ins Studio zu gehen, ich liebe die Studioarbeit.

Könntest du mir sagen, was deiner Meinung nach die Hauptunterschiede von „From Ashes & Dust“ und den drei Vorgängern ist?
Der wichtigste Unterschied ist der Sound. Die ersten drei Alben sind in anderen Studios aufgenommen worden. Komischerweise hat unser drittes Album „Oblivion“ den schlechtesten Sound davon, unsere zweite CD „The Mirror Of Ages“ den besten. Doch „From Ashes & Dust“ klingt viel besser, als alles was wir bisher aufgenommen haben. Die Unterschiede liegen in der Ordnung, den Kompositionen und natürlich auch den musikalischen Ideen. Wir haben als Doom Metal Band á la Amorphis (zu „Thousand Lakes“-Zeiten) angefangen, aber über die Jahre haben wir uns unser eigenes musikalisches Gesicht geschaffen. Auf unserer letzten CD kann man Galadriel 2001 hören, heute sind wir zwei Jahre älter und unsere Musik klingt schon wieder ziemlich anders.

From Ashes & Dust

Welche Pläne verfolgt ihr in nächster Zukunft?
Wir werden diesen Sommer noch bei zwei Festivals in der Slowakei und der Tschechischen Republik spielen, und danach müssen wir die neuen Songs fertig stellen. Ich hoffe die neue CD kann dann im Frühling 2004 veröffentlicht werden. Dann wollen wir viele Gigs spielen, hoffentlich dann auch wieder in Deutschland.

Welche Musik hörst du privat?
Mein Musikgeschmack ist sehr breit gefächert. Ich mag Bands von Rock bis Black Metal und auch elektronische Musik sowie düsteren Gothic. Ich mag keltische Volksmusik und auch ein paar Filmmusiken. Es kommt immer ganz auf meine Stimmung an, welche Musik ich gerade hören will. Das einzig grundlegende ist Melodie, ich mag keine Musik ohne Melodien.

Wie wichtig ist das Internet für dich und die Band?
Das Internet ist sehr wichtig für unsere Band, ich will schon sagen, dass es 75% der gesamten Promotion für Galadriel abdeckt. Momenten arbeiten wir an einem neuen Design für unsere Webseite. Die Seiten, die momentan online sind, wurden überstürzt und hektisch erstellt und sind voller Fehler, und wir können die auch nicht beheben, weil der Webmaster keine Zeit für uns hat. Jetzt arbeiten wir aber mit einem neuen Mann zusammen und alles wird im Juli 2003 online sein. Also schaut auf www.galadriel.sk vorbei!

Was denkst du über das Rap-Metal Zeug, bei dem Bands elektrische Gitarren mit HipHop-Elementen vermischen?
In jeder Stilrichtung kann man einige gute Bands aber auch viel Scheiße finden. Ich mag weder Rap noch HipHop! Sieh mal, ich weiß nicht, was Rap-Metal für dich bedeutet. Es könnten Korn oder System Of A Down sein… ich habe ein paar gute Songs von diesen beiden Bands gehört, aber ich habe keine CDs von denen. Die sind halt nicht mein Gebiet…

Zum Schluss noch ein kleines Wortspiel. Was denkst du, wenn du die folgenden Begriffe liest:
MP3: Nur eine Probe der Musik. Ich hass es, MP3 Dateien anzuhören, weil ich den vollen, klaren Sound beim Musikhören brauche. MP3 ist ein wichtiges Element für die Werbung…
Liebe: Das beste Gefühl, dass ein Mann haben kann. Es ist wunderbar, wenn du nach hause kommst und jemand auf dich wartet…
Familie: Das ist etwas, das mir fehlt. Aber wenn zwei Menschen eine Familie gründen, ist es das beste in den letzten sieben Jahren… (??; Anm. d. Verf.)
Alkohol: Manchmal ist es ganz schön, sich in eine Kneipe zu setzen und mit Freunden ein paar Bier zu trinken. Aber ich mag es nicht, wenn jemand jeden Tag trinkt, Alkohol ist keine Lösung für irgendwelche Probleme!
Nightwish: Ist eine Lieblingsband eines Freundes von mir. Er hat mit seiner Band und Nightwish hier in der Slowakei auf einer Bühne gespielt, und er war verrückt. Für mich ist Nightwish aber nur eine unter vielen Bands, sorry…
Iced Earth: Vor einigen Jahren machten sie eine Platte mit dem Namen „Burnt Offerings“, meiner Meinung nach ihre beste. Sie ist in der „golden area“ meiner Sammlung.
Poser: Die Mitglieder von Manowar (in der Metalszene). Jeder zweite Interpret der Musikszene ist ein Poser.
Intoleranz: Überall. In der Musik, auf den Straßen, in Bussen oder Starßenbahnen, in Schulen… das ist nicht gut.
Religion: Das größte Geschäft der Welt. „The most fucking shit“ der Menschheit.
Metal1.info: Ein wichtiger Teil der Metalszene. Bitte macht noch lange Zeit so weiter.

Falls du jetzt noch etwas zu den deutschen Fans und unseren Lesern sagen möchtest, hier hast du Platz für deine eigenen Worte…
OK, ich wünsche euch eine schöne Zeit. Ich hoffe, wir werden euch öfter sehen, wenn die Slowakei ein Teil der E.U. ist, dann wird es auch für uns einfacher sein, zu kommen. Und wenn ihr mehr über Galadriel wissen wollt, schaut mal auf unsere Website ( www.galadriel.sk )

Danke noch mal, dass du dir die Zeit genommen hast, meine Fragen zu beantworten. Ich wünsche dir und der Band alles gute für die Zukunft, und hoffe dass ihr bald mal wieder in Deutschland seid.
Stefan

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