Interview mit Tim, Hans-Christian und Andreas von Hordac

 

Hier stellen sich HORDAC für den Metal1.info Underground Contest vor.
Stil: Melodic Death Metal
Zur CD-Review „Caress The Demon Inside“
Für Hordac abstimmen!

Hi! Da ihr als Underground-Band wohl dem Großteil der Leser noch unbekannt seid, wäre es fein, wenn ihr euch zu Beginn kurz vorstellen würdet.
Hinter dem Bandnamen HORDAC versteckt sich in diesem Fall kein Bösewicht aus einer anderen Dimension sondern drei Studenten und ein Lagermeister (Tim – Gitarre, Hanspeter – Vocals, Hans-Christian – Bass und Vocals und Andreas – Drums). Über den Daumen ist man so ca. Anfang/ Mitte zwanzig und hat sich seit 2003 darauf eingeschossen, „Hordecore“ zu spielen. Das meint: ein Gemisch aus Schweden-Death-, ein bischen Black- und dazu ein wenig Thrashmetal. Interpretiert wird das Ganze dann auf die eigene Art und Weise und dann nennt man das „Hordecore“.

Wie steht es um die Underground-Szene in euerer Umgebung und Region?
Wir kommen halt aus der ländlichen Tiefe Niedersachsens, in der es zwar relativ viele und auch gute Bands gibt, aber die Auftrittsmöglichkeiten sind sehr überschaubar…es fehlt an Veranstaltern und an geeigneten Locations. Da kann man nicht mal selber was organisieren…
Publikum ist eigentlich vorhanden, da handgemachte Musik seit ein paar Jahren wieder im Kommen ist. Einerseits kann man auch verstehen, dass ein Veranstalter etwas dabei verdienen will, muss andererseits aber sagen, dass für unbekannte Bands der Eintrittspreis nicht zu hoch sein darf, wenn man Zuschauer anlocken will. Und so fehlts dann halt an Veranstaltungen, die auch für das Publikum attraktiv sind. Also nicht nur musikalisch.

Pflegt ihr viele Freundschaften zu anderen Underground-Bands? Wie wichtig schätzt ihr die Kontakte zu anderen Bands ein?
Viele Freundschaften sind es nicht, aber über die Jahre hat man ein paar Bands kennen gelernt, mit denen man gut auskommt. Speziell mit zwei Punk-Bands kommen wir sehr gut aus und bemühen uns alle, uns untereinander Auftritte zuzuschieben. An sich ist es allgemein wichtig, sich im Underground untereinander zu vernetzen um dann auch mal selbst etwas organisieren zu können. Es gibt allerdings gerade bei „aufstrebenden“ Bands immer wieder Missgunst und den Drang, sich zu profilieren. Das ist für das Miteinander natürlich eher suboptimal und dieser Band-Egoismus verhindert oft, dass wirklich gut zusammen „gearbeitet“ wird.

Wird der Underground in der heutigen Zeit von den Hörern und Medien noch entsprechend gewürdigt und akzeptiert?
Von vielen Hören auf jeden Fall! Von den Medien wird er erst seit kurzem wieder entdeckt. Mittlerweile kann man schon sagen, dass der Underground akzeptiert wird. Durch die neuen Technologien kann man allerdings nur noch bedingt von Underground sprechen, da jede Band mittlerweile in der Lage ist, qualitativ hochwertig aufzunehmen und dann selbst zu veröffentlichen. Von daher ist der „Underground“ im Prinzip jedem, der sich dafür interessiert, offen.

Ist es schwierig für euch, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen? Labels kaufen ihre Bands ja gerne mal in Touren oder Supportslots rein, wäre es überhaupt möglich für eine Underground-Band, vor „größeren“ Bands zu spielen?
Es ist schon recht schwer, an Auftrittsmöglichkeiten zu kommen. Man muss aber auch dazu sagen, dass wir uns da nicht hauptberuflich drum kümmern. Mit viel Einsatz würden wir mit Sicherheit auch mal mehr als sechs Auftritte im Jahr spielen. Um ohne „Buy-in“ vor einer größeren Band zu spielen muss man wohl ziemlich viel Glück haben. Es gibt einfach so viele extrem geile Bands, die einfach nie entdeckt werden und darum ewig unbekannt bleiben. Ohne richtig gute Musik im Gepäck geht da halt sowieso nichts, aber dann braucht man entweder gute Kontakte oder ne Menge Glück…eher frustrierend…Man darf aber ja auch nicht ausschließen, dass man sich als kleine Band auch über die Jahre einen besseren Status erspielen kann- dafür braucht man aber wieder Auftrittsmöglichkeiten…ein Teufelskreis!

Habt ihr mit der ein oder anderen „größeren“ Band besondere Erfahrungen (positiv oder negativ) gemacht?
Unser Sänger Pete war mal mit seiner alten Band im Vorprogramm von Suidakra und den Apokalyptischen Reitern und hat an diesem Abend wohl nicht so den sympatischsten Eindruck von den Leuten gewonnen. Mit Hordac haben wir schon ein paar Mal mit einigen semi-professionellen Bands gespielt. Das waren dann zum Großteil ziemliche Großkotze, die sich durch ihre Musik einfach ein wenig zu geil fanden. Ausnahmen bestätigen da die Regel. Aber an seinem Instrument fit zu sein heißt noch lange nicht, ein cooler Typ zu sein.

Mit welcher „großen“ Band würdet ihr gerne auf Tour gehen?
Da gibt’s ne Menge! Ganz oben steht da Jeanette Biedermann, die wir mal live gesehen haben :) Die hat ne richtig gute Live-Band und mit uns im Vorprogramm bleibt da kein Auge trocken. Ansonsten geht’s nach eigenem Musikgeschmack: Dark Tranquillity, The Haunted, Slayer, Dimmu Borgir oder Matthias Reim…

Vor allem bekannte Bands predigen ja gerne, dass es völlig egal ist, ob man nun vor 10 oder 1000 Leuten spielt. Wie seht ihr das?
Würden wir auch sagen, wenn wir mal vor 1000 Leuten spielen würden…Ist aber im Prinzip auf jeden Fall richtig. Wir sind uns da relativ einig, dass wir in erster Linie für uns selbst Musik machen und wenn dann noch jemand vor der Bühne steht, dem das genauso gut gefällt wie uns selbst, dann ist das eine große Freude. Je mehr Leute sich vor der Bühne an unserem Krach erfreuen, desto schöner wird’s auch für uns. Also von daher stimmt dieser 10 zu 1000 Vergleich nicht 100prozentig. Aber fast.

Ist der „Underground“ an sich noch ehrlich? Kann man noch vom viel gepriesenen Zusammenhalt der Szene reden oder schleicht sich auch hier schon mehr und mehr Kommerz- und Konkurrenzdenken ein?
Also nach unseren Erfahrungen muss man da schon Abstriche im Zusammenhalt machen. Man merkt da doch zu oft, dass in Schubladen gedacht und nach Image gehandelt wird. Also als geschlossene Szene kann man den Underground wohl nicht mehr sehen. Dazu passt, dass man oft auf die angesprochenen Konkurrenz- und Kommerzgedanken trifft. Der Idealismus ist wohl schon etwas flöten gegangen. Allerdings sind wir wohl auch zu jung, um Vergleiche zum Underground der 80er und 90er Jahre zu ziehen. Damals soll\’s ja noch richtig „true“ gewesen sein…

Das absolute Gegenteil zum Underground dürften die populären Casting Shows sein. Meist nur mäßig talentierte Musiker werden schnell berühmt und müssen sich nicht erst jahrelang einen Status erarbeiten. Wie steht ihr zu diesen Shows und den daran teilnehmenden Leuten?
Höhö, jeder so, wie er mag. Wer sich das ansehen will, bitte. Qualitativ ist das aber natürlich oft Bullshit und der Erfolg dies „Stars“ nimmt ja auch meistens nach einem Jahr recht flott wider ab. Die Leute, die da mitmachen scheinen oft einen gewaltigen Geltungsdrang zu haben. Ob man sich persönlich so aufgeben sollte, wie es da ja viele Leute machen ist allerdings recht fragwürdig…

Würde es eine Metal-Casting-Show geben (für komplette Bands, nicht Einzelmusiker) – würdet ihr euch eine Teilnahme überlegen?
Da würde man mit Sicherheit überlegen. Wir haben ja auch schon Bandcontests gespielt. Sowas ist immer eine tolle Gelegenheit, andere Bands zu sehen und kennen zu lernen. Wenn man dann noch die eigenen Songs anderen Leuten vorstellen kann- warum nicht? Wir würden allerdings wohl nicht zum Gewinnen mitmachen, dazu sind zu viele Bands eindeutig besser als wir :) aber es würde ja mit Sicherheit ein Catering und Bier geben…so was lohnt sich immer…

Ein leidiges Thema – Labels. Welche Erfahrungen habt ihr bisher damit gemacht und versucht ihr aktuell, ein Label zu finden oder macht ihr lieber erstmal auf eigene Faust weiter?
Wie erwähnt fehlt es uns ein wenig an Einsatz und auch an Wille, ein Label zu finden. Prinzipiell hätten wir natürlich schon gern eines und bemühen uns durchaus, da etwas Passendes zu finden. Wir werden aber auch ohne Label weiter Musik machen und hier und da mal wieder etwas aufnehmen und ein paar Auftritte spielen. Reich und berühmt werden wir mit der Mucke eh nicht! Also kein Stress!

Wie verdient ihr euch das Geld zum Musikmachen, was macht ihr neben der Musik im „normalen Leben“?
Studieren inkl. Nebenjobs oder halt in Andys Fall, große Lagerhallen und das debile Personal leiten.

Das Internet ist für jede junge Band ein unverzichtbares Medium geworden. Welchen Stellenwert haben für euch Plattformen wie MySpace?
Eine eigene Homepage und MySpace sind schon recht wichtig um sich zu profilieren. Man hat damit ein Aushängeschild, auf das andere Leute aufmerksam werden können (damit man vielleicht doch noch mal entdeckt wird…). Zudem sind diese Plattformen der Anlaufpunkt für tatsächlich interessierte „Fans“.

Onlinemagazine haben in der heutigen Zeit einen eigenen Status erlangt, wo seht ihr die Vor- und Nachteile gegenüber den herkömmlichen Printmagazinen?
Mit den Online Magazinen erreicht man eher den Underground, da hier viel mehr musikalische Nischen bedient werden können. Bei den Printmedien richtet sich das Augenmerk ja doch eher auf einen möglichst umfassenden, aber nicht zu speziellen, Musikgeschmack. Über qualitative Unterschiede kann man da streiten. Zeitschriften sind ja auch nicht immer seriös und unabhängig.

Lass uns zum Schluss noch ein kleines Wortspiel machen, wenns beliebt. Was fällt euch ein zu folgenden Begriffen…

Politik in Musik : Können und sollten nur sehr wenige Bands machen.
Klassische Musik : Toll!!!
Klimawandel : „Die gelbe Fratze brennt uns!“ Die Erde wird wohl definitiv irgendwann den Bach runtergehen. Irgendwie schade, dass wir mit dran Schuld sind…
Grillen : Eine ganz große Erfindung! Fleisch ist ohnehin ne super Sache und dann im Sommer mit ein paar Kumpels gemütlich futtern, in der Sonne liegen und Bier trinken; ein Traum!
Bücher : Immer noch das phantasievollste Medium!
Fußball : „Wir“ wären eigentlich der gerechte Weltmeister gewesen und der SV Ippensen muss echt langsam mal aufsteigen!
Festivals : Werden leider immer teurer! Wenn das so weitergeht, dann wird das WOA nächstes Jahr auch boykottiert und es geht zum WFF.
Metal1.info : Ein Glück haben wir einen „Manager“ der sich mit so was auskennt. Alleine wären wir wohl nicht drauf gekommen ;)

Damit wären wir am Ende, vielen Dank!

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