Interview mit Moritz von Shadowbane

SHADOWBANE sind eine Nachwuchs-Metalband aus Hamburg, die sich dem Power Metal amerikanischer Machart hingegeben haben. Nach erfolgreichen Jahren im Underground erscheint nun ihr überzeugendes Debütalbum „Facing The Fallout“. Passend dazu haben wir uns mit Moritz (Bass) in Verbindung gesetzt und mit ihm über das Entstehen des Albums, Genrebezeichnungen und die Metalszene in Deutschlands zweitgrößter Stadt unterhalten.

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Moin Jungs! Da ist es nun, das SHADOWBANE-Debütalbum – wie fühlt es sich an, das erste eigene Album veröffentlicht zu haben?
Bei aller Bescheidenheit – man ist schon mächtig stolz! lacht

Die meisten Leser werden euch wohl noch nicht kennen – magst du kurz sagen, wer ihr seid und was ihr macht?
SHADOWBANE – Post Apocalyptic Power Metal aus Hamburg! Wir sind fünf Metal-Fans die gemeinsam die Musik machen, die sie lieben: Rauer – eher US-amerikanisch geprägter – Powermetal mit Anleihen aus Thrash und Heavy kombiniert mit Lyrics aus dystopischen Szenarien und entsprechender Ästhetik auch bei Coverartwork, Videos und so weiter.

„Post Apocalyptic Power Metal“ – was ist denn das schon wieder? Was steckt dahinter und rechtfertigt es eine neue Begriffsschöpfung?
Es rechtfertig offenbar zumindest eine Nachfrage! lacht Und als kleine Band ist jede Aufmerksamkeit wichtig. Außerdem ist es aufgrund der Alliteration griffig und bleibt hängen. Man vermeidet auch enttäuschte Erwartungen bei Fans, die bei Power Metal eher an Freedom Call oder Sonata Arctica denken – und „melodiöser US-Powermetal gekreuzt mit rauem Teutonenstahl, einer Prise Thrash und Endzeit-Thematik“ ist ja nun auch nicht so mega catchy, passt auf keinen Flyer und erzeugt im Zweifelsfall ebenso viele Nachfragen. lacht

Auf eurer Website schreibt ihr, dass sich dieser Stil auch in euren Bühnenshows wiederfindet. Wie darf ich mir das vorstellen?
Wir haben unsere Aufsteller mit dem Nuclear Biohazzard Symbol und versuchen unser Maskottchen, Ms Radiation, die man ja auch schon aus den Videos und vom Albumcover kennt, auch – wann immer es die Gegebenheiten erlauben – mit auf die Bühne zu holen. Man darf sich das gerne auch mal live ansehen!

Gibt es für euren Stil direkte musikalische Vorbilder?
Jeder von uns hat natürlich seine Favoriten, aber aus dem Ich-will-klingen-wie-Vorbild-XY-Alter sind wir wohl schon länger raus. lacht Es ist sehr spannend zu lesen, womit Journalisten und Fans unsere Musik vergleichen und so eindeutig scheint das gar nicht zu sein – einige Bands tauchen immer mal wieder auf, z. B. Vicious Rumors oder Metal Church, und diese werden in der Band auch gerne gehört, aber das trifft auch noch auf sehr, sehr viele weitere Bands zu. Andere Vergleiche erstaunen dann auch uns – von Testament bis KISS war so einiges dabei, und ab und an müssen wir auch selber tief in unserer Plattensammlung wühlen, um uns die Vergleiche in Erinnerung zu rufen.

Unabhängig von der ganzen Genregeschichte ist „Facing The Fallout“ eine verdammt starke Scheibe geworden. Wie lange habt ihr daran gearbeitet?
Dankeschön! Die Songs sind nach und nach entstanden, und irgendwann kam der Entschluss ein Album aufzunehmen. Dann muss natürlich noch jedes Bandmitglied das nötige Kleingeld zusammenkratzen und Anfang 2013 haben wir das Soundcave Studio in Bergedorf geentert. Das Ganze hat sich trotzdem noch etwas hingezogen: Pure Steel sind erst später dazu gestoßen, Dinge wie das Artwork sind nicht parallel, sondern erst danach entstanden, das Mastering bei Dirk Schlächter durfte nicht mit seinem Tourplan kollidieren, und durch den Studiobrand hatte er zeitweise auch ganz andere Sorgen – aber jetzt, jetzt endlich ist es so weit!

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Das Album wurde von der Wacken Foundation gefördert. War es schwierig, an die Förderung zu kommen? Muss man dafür vor Doro vorspielen?
Das ging erstaunlicherweise recht unkompliziert. Wir haben einen netten Brief geschrieben, mit allen wichtigen Details und den geforderten Infos, und haben artig angefragt, ob uns die Wacken Foundation bei den Mehrkosten, die das Mastering in den Hammer Studios kostet, unterstützen kann. Hierzu wurde uns von verschiedener Seite geraten, und ich glaube auch für unseren Toningenieur Wolfgang vom Soundcave war die Zusammenarbeit mit Dirk ein Gewinn.
Aber Doro durften wir leider nicht livehaftig von unserer Musik überzeugen. Wer weiß, vielleicht ergibt sich die Gelegenheit ja jetzt mit dem Album noch…

„Facing The Fallout“ erscheint via Pure Steel. Wie seid ihr an den Labelvertrag mit Pure Steel gekommen? War das kompliziert?
Stefan und Andi von Pure Steel hatten sich unabhängig voneinander schon bei uns gemeldet – einmal als man über das Last Division Video gestolpert ist, das andere mal nachdem „Source of Grief“ auf dem letzten Metal Crusade Sampler des Heavy Magazines gelandet war. In beiden Fällen signalisierten sie das Interesse, mehr von uns zu hören. Also war es – nicht nur musikalisch – naheliegend, dort mit dem Album vorstellig zu werden. Dann hörten wir erstmal gar nichts, und auf telefonisches Nachfragen stellte sich raus, dass unsere Mail genau in einen Serverausfall gefallen ist, und wir somit bis dahin ungehört geblieben waren. Also haben wir nochmal alles aufbereitet, am Samstag an Stefan geschickt und am Sonntagabend schon das Vertragsangebot im Posteingang. Dann mussten wir noch ein paar Formalitäten bewältigen, aber das tut man dann ja gerne.

dystopia_coverWelche Vorteile hat die Veröffentlichung über Pure Steel für euch im Vergleich zu einer Eigenveröffentlichung, wie ihr sie noch mit eurer EP gemacht habt?
Wir stellen schon jetzt fest, dass die Aufmerksamkeit eine ganz andere ist. Die Kontakte von Pure Steel führen zu Interviewanfragen und Reviews, die wir alleine wohl kaum bekommen hätten. Darüber hinaus ist es natürlich auch eine andere Außenwirkung, wenn die Bandmitglieder nicht mehr die einzigen sind, die an die Band glauben und in sie investieren. Und auch der professionelle Vertrieb ermöglicht natürlich Musikfans in aller Welt unkompliziert an das Album zu kommen – bei der EP ging das zeitweise über den Underground Power Mailorder, aber häufig mussten wir leider Anfragen enttäuschen, weil wir ausverkauft waren, oder ausländische Versand- und Bezahlungsmodalitäten den Preis der EP um ein Vielfaches überstiegen hätten.

Auf dem Cover von „Facing The Fallout“ meine ich den Hamburger Michel im Hintergrund zu sehen. Ist das nur ein kleiner Scherz oder fühlt ihr euch Hamburg mehr verbunden, als dass ihr „nur“ dort lebt?
Oh, es soll auch schon die Elbphilharmonie auf der anderen Seite entdeckt worden sein. lacht Die dystopische Variante der Hamburger Skyline ist – natürlich – kein Zufall, sondern stellt unser Album durchaus auch in den lokalen Kontext. Auch wenn wir nicht alle ursprünglich aus Hamburg stammen, so ist SHADOWBANE zweifelsohne eine Hamburger Band. Die Unterstützung für uns durch die lokale Szene kann gar nicht hoch genug eingeschätzt werden. Wir haben ein treues Publikum und inzwischen die meisten Underground Locations bespielt. Das Three Monkeys gibt es ja nun leider nicht mehr, dort sind wir seit der Release Party unserer EP bis zuletzt auch regelmäßig in der Playlist gewesen, doch auch die DJs von Night Light, Rock Cafe oder Honky Tonk haben uns in ihrer Sammlung und durchaus schon gespielt.

Was hältst du von der Metalszene in Hamburg? Glaubst du, die Stadt ist ein guter Ort, um ein Metalfan zu sein?Facing The Fallout Cover
Zunächst mal gibt es natürlich keinen guten Ort, kein Metal Fan zu sein! lacht Hamburg hat natürlich seine Vor- und Nachteile: Als Großstadt kommen viele große und kleine Metal-Acts auf Tour hier vorbei (auch wenn Bild unlängst schrieb, Hamburg sei zu dämlich für AC/DC und damit offensichtlich leider recht hat). Das führt aber auch zu einer manchmal geringeren Wertschätzung als andernorts – schließlich kann man,  Zeit und Geld vorausgesetzt, fast immer auf irgendwelche Metal-Shows gehen. Insbesondere als kleine Band ist es dann mitunter schwer wahrgenommen zu werden. Aber als Fan hat man natürlich so die Qual der Wahl! Und mit Night Light und Rock Cafe sind zumindest noch zwei Metal-Läden auf dem Kiez geblieben, und auch andere Läden versuchen immer wieder mal die Lücke zu fülllen, die das Verschwinden des Ballroom und insbesondere des Three Monkeys gerissen haben.

Die Eine-Million-Euro-Frage: Hast du eine Idee, warum es in Hamburg keine vernünftige regelmäßige Metalparty gibt?
Ja, Metal Disko, wie ich das aus Stuttgart, Karlsruhe oder Stockholm kenne, sucht man in Hamburg leider vergebens. In der Hinsicht ist das große Angebot an Live-Metal zum Austoben womöglich auch ein Nachteil. Es gab ja immer wieder derartige Versuche, sei es mit der Hairmetal-Veranstaltung „Partymonium“ im KIR oder der „Back to the Roots“ im Kaiserkeller. Auch das Rock Cafe und seine Metal Party wird bislang leider viel zu wenig angenommen. Ich stelle mal die gewagte These auf, dass die Hamburger Metal Szene diese Art der Metal-Veranstaltung kaum kennt. Wenn man versucht hat Freunde dazu zu bewegen, mitzukommen, wurde doch oft entgegnet, dass da dann ja nicht den ganzen Abend nur das Lieblings Subsubsub-Genre läuft, oder das Bier etwas teurer ist. Eine Disco muss halt etwas mehr Publikum generieren und höhere Gema-Abgaben und so etwas verkraften als die kleine Kneipe.
Auf der andern Seite ist Hamburg groß genug, dass andere Subkulturen alleine solche Läden füllen, und nicht wie andernorts in Symbiose mit der Metalszene – nimm nur die Schwarze Szene, die hat etablierte Veranstaltungen in der Großen Freiheit, der Markthalle und im KIR, Freunde von Harter Gitarrenmusik, die nicht vor Silben wie Nu-, Alternative-, Industrial oder -core zurückschrecken, sind dagegen im Headcrash oder auch im Kaiserkeller regelmäßig gut aufgehoben.

Das Video zu „Under Bleeding Skies“ ist für ein Debütvideo aufwendig produziert und wurde bereits auf dem „Great Lakes International Film Festival“ in den USA gezeigt. Magst du uns etwas über das Video erzählen und wie es zu der Präsentation in den USA kam?
Unser Freund und Filmemacher Peter Gerulat hat vor einigen Jahren mit uns ein Video für unseren Song „Last Division“ im Rahmen des Hamburger Kino Kabaretts aufgenommen, da er unsere Musik mag und noch ein Musikvideo für die Darstellung seiner Filmproduktionsfirma FilmING haben wollte. Nun hat er sein neues Motion Control System ebenfalls entsprechend einsetzen wollen, und hat uns ein Video ermöglicht, welches wir uns niemals hätten leisten können. Er hat auch den Maskenbildner, einen zweiten Kameramann und eine Profi-Schauspielerin organisiert. Wir hatten einfach Glück, dass wir ihn kennengelernt haben. Fast immer, wenn es SHADOWBANE Videomaterial gibt, hat Peter seine Finger im Spiel. Auch animierte Logos, die Live-Aufnahme unseres allerersten Auftritts oder das TV-Interview im Lokalfernsehen verdanken wir ihm. Die Sache mit dem Filmfestival ist natürlich auch sein Werk. Das Video eben nicht nur im Metal-Kontext, sondern auch für Filmschaffende vorzuführen, ist auch ein Teil seines Antriebs so etwas auf die Beine zu stellen.

Was sind eure weiteren Pläne für die Zukunft?
Geile Songs schreiben und mitreißende Auftritte abliefern – also das, was sich jede Band, ob groß oder klein, hoffentlich immer als Ziel setzt. lacht

Ich möchte das Interview gerne mit unserem Metal1-Brainstorming schließen. Sag uns ganz kurz und spontan, was dir zu folgenden Begriffen einfällt:
Iced Earth: Burning Times (haben wir mal gecovert)
Bester dystopischer Film: Hmmm, schwer… Tank Girl? Running Man? Mad Max 2? Es gibt sooo viele mit spannenden Szenarien.
Klimawandel: Neben Atomkrieg, Peak-Oil, Meteoriteneinschlag, Alien-Invasion, ABC-Terrorismus ein spannendes Szenario für dystopische Lyrics – und vermutlich von alledem die akuteste echte Bedrohung.
Bestes Bier der Welt: Sorry, als Süddeutscher im Norden mit anderthalb Jahren im skandinavischen Ausland ist man da nur noch bedingt wählerisch.
Wahlen in Hamburg: Haben wir nicht gerade erst gewählt? Die Seilbahn ab? Oder die 6-jährige Grundschule? Ach ja, Mitte Februar – an dem Wochenende ist man in der Tat vor eine schwere Wahl gestellt: Freitag zu Hammerfall oder Samstag zu Sabaton (oder die Ersparnisse plündern und beides…)?

FTF_RelShow_Facebook_786x295Vielen Dank für deine Zeit! Hast du noch etwas zu ergänzen?
Danke für euer Interesse an SHADOWBANE!
Außerdem noch der Hinweis für alle im Großraum Hamburg auf unsere Release-Show am 6.2. im Bambi Galore – gemeinsam mit unseren Freunden von ReaVerS und DYSTOPOLIS gibt es eine endzeitliche Metal Party. Nicht entgehen lassen! Und natürlich unsere schwermetallischsten Grüße an alle SHADOWBANIACS und
SHADOWBANGER da draußen, ihr seid die Größten!