Interview mit Christopher Schnell von Shadowthrone

 

Hier stellen sich SHADOWTHRONE für den Metal1.info Underground Contest vor.
Stil: Extreme Metal
Zur CD-Review „Shadowthrone – Quoth The Raven Nevermore“
Für Shadowthrone abstimmen!

Hi! Da ihr als Underground-Band wohl dem Großteil der Leser noch unbekannt seid, wäre es fein, wenn ihr euch zu Beginn kurz vorstellen würdet.
Shadowthrone wurden 1999 als Soloprojekt von mir (Christopher Schnell) gegründet. Bis 2001 wurde eine EP mit dem Namen „Foraii – Demon 21“ eingespielt. Als Session-Musiker wirkte Thomas Keller von Certamen mit. Von 2002 bis 2006 wurden die Stücke, die „Quoth the Raven Nevermore“ bilden, geschrieben und in diversen Sessions aufgenommen. Inzwischen besteht Shadowthrone aus 3 vollwertigen Mitgliedern nämlich
Christopher Schnell: Electric and Acustic Guitars, Keyboards
Thomas Keller: Bass, Screams, Clean Vocals
Durin: Growls, Clean Vocals
Wir selber bezeichnen unsere Musik als Dark Metal. Darunter verstehen wir eine düstere Mischung aus Death-, Black- und dem alten Gothic Metal (Paradise Lost, Cemetary), die auch mal rocken darf.

Nun wird euer Album „Quoth The Raven Nevermore“ sogar von einem Mailorder vertrieben, ein schönes Gefühl?
Inzwischen sind es sogar zwei Mailorder und ein dritter kommt demnächst dazu. Natürlich freue ich mich, im Programm von Grau und Blackscaped zu sein. Der Vorteil ist, dass nun auch Leute die CD bestellen, die ansonsten vielleicht Angst vor Betrügern haben und nicht gerne einfach so Geld verschicken. Insgesamt wirkt man so seriöser.

Wie sehr interessiert ihr euch für Literatur? Immerhin habt ihr Edgar Allan Poe mit eurem Album „Quoth The Raven Nevermore“ aufgegriffen?
Ich lese sehr viel, jedoch nicht nur Lyrik. Die Idee, ein komplettes Album mit den Gedichten von Poe zu machen, kam etwa 2003, nachdem die ersten Stücke zu „Quoth the Raven Nevermore“ geschrieben waren. Auslöser war eigentlich der Essay „Die Methode der Komposition“, in dem Poe genau erklärt, wie man ein gutes Gedicht schreibt. Bis zu diesem Zeitpunkt habe ich die Texte selber geschrieben, vor allem dunkle Fantasy-Stories. Nach dem Lesen des Essays stand für mich fest, dass ich zu dem Album auf Texte zurückgreifen musste, die genau das widerspiegeln, was ich beim schreiben der Musik empfinde.

Als nächstes soll Samuel Taylor Coleridges „The Rime of the Ancient Mariner“ folgen, dazu gibt es ebenso Illustrationen von Gustave Doré, von dem ihr ja auch beim aktuellen Werk Bilder verwendet habt…
… und die wir auf jeden Fall für „The Rime of the Ancient Mariner“ ebenfalls verwenden werden. Natürlich war mir das Gedicht bekannt, trotzdem haben mich die Illustrationen von Doré erst drauf gebracht, es auf Verwendbarkeit für Shadowthrone zu überprüfen. Es passt perfekt. Das Gedicht besteht aus sieben Strophen, das heißt, es wird sieben Stücke geben. Es ist genau so düster wie die Gedichte Poes und es existieren Illustrationen von Doré. Damit wird das für „Quoth the Raven Nevermore“ begonnene Konzept weitergeführt werden.

Warum gebt ihr die Texte von E.A. Poe eigentlich haargenau wieder?
Die Gedichte Poes sind so stimmungsvoll geschrieben und die einzelnen Wörter sind genaustens abgewägt – da war es klar, dass es keine Abweichungen geben durfte. Die einzige Freiheit die wir uns genommen haben, war an einigen Stellen Kreuzreime in Paarreime umzustellen, da sich letztere einfacher singen ließen. Ansonsten sind die Texte wirklich original verwendet, auch wenn dies an einigen Stellen bedeutet hat, die Musik umstellen zu müssen, damit sie zu den Texten passt.

Wie steht es um die Underground-Szene in euerer Umgebung und Region?
Shadowthrone als Band ist sehr verstreut. Während ich in Basel lebe, wohnen die anderen Mitglieder in Karlsruhe. Dort gibt es soviel ich weiß eine sehr aktive Szene. Hier in Basel gibt es nicht so viele Underground Bands, zumindest im extremen Metal Bereich nicht. Die Schweizer Szene ist vor allem in Zürich, Sankt Gallen, Winthertur und in der französischen Schweiz aktiv.

Pflegt ihr viele Freundschaften zu anderen Underground-Bands? Wie wichtig schätzt ihr die Kontakte zu anderen Bands ein?
Ich pflege regen E-Mail Verkehr mit anderen Underground-Bands, z.B. mit Kerbenok. Ich finde, es ist sehr wichtig, dass sich Bands unterstützen. Oft ist dies ja auch der Fall, weil die Musiker selbst Fans sind. Man kann sich austauschen, Gigs organisieren usw. Aus diesem Grund bin ich auch beim Schweizer Schwermetall Magazin tätig. Dort ist es möglich, neue Bands zu entdecken und wenn sie gefallen, zu supporten.

Wird der Underground in der heutigen Zeit von den Hörern und Medien noch entsprechend gewürdigt und akzeptiert?
Für den Underground gibt es heute Undergroundplattformen, die vor 10 Jahren so noch nicht existiert haben. Es kommt zum Beispiel vor, dass der Underground das Medium selbst ist. Es ist für Undergroundbands also inzwischen einfacher als früher möglich, ihre Musik einem interessierten Personenkreis zugänglich zu machen. Natürlich wäre es schön, wenn die etablierten Medien öfters den Blick nach unten richten würden und einigen interessanten Underground-Bands ein Forum bieten würden.

Ist es schwierig für euch, Auftrittsmöglichkeiten zu bekommen? Labels kaufen ihre Bands ja gerne mal in Touren oder Supportslots rein, wäre es überhaupt möglich für eine Underground-Band, vor „größeren“ Bands zu spielen?
Ehrlich gesagt, haben wir uns bisher kaum um Auftritte gekümmert. Das liegt zum einen daran, dass die Musik von Shadowthrone aufgrund der Vielzahl an Instrumenten live schwer umzusetzen ist. Zum anderen ist die geografische Trennung der Bandmitglieder ein Problem, da ausreichendes Proben kaum möglich ist. Aus meiner Erfahrung mit anderen Bands weiß ich aber, dass es eigentlich nicht so schwer ist, Einzelkonzerte zu organisieren, problematisch ist eher die Zeit, die man dazu investieren muss. Touren sind natürlich etwas anderes, ohne Booking-Agentur und/oder Label läuft da leider nichts.

Habt ihr mit der ein oder anderen „größeren“ Band besondere Erfahrungen (positiv oder
negativ) gemacht?

Mit Shadowthrone nicht, da wir in der Konstellation nicht live spielen. Ich habe aber früher oft bei den großen Open Air Festivals gearbeitet und dabei viele „große“ Musiker und Bands getroffen. Die meisten sind sehr freundliche Menschen und recht offen. Natürlich gibt es auch andere, die sich für die Stars halten, ansonsten aber Mittelklasse sind. Insgesamt kann ich manchmal den Personenkult nicht verstehen, der um einzelne Musiker gemacht wird, schließlich sind das auch nur Menschen.

Mit welcher „großen“ Band würdet ihr gerne auf Tour gehen?
So direkt gefragt: Samael wären toll, weil ich die Band sehr mag. Die Apokalyptischen Reiter wären cool, weil sie immer sehr professionell sind. Ansonsten würden mir Amon Amarth einfallen, die sind bestimmt sehr lustig. Waren die genannten jetzt „groß“ genug?

Vor allem bekannte Bands predigen ja gerne, dass es völlig egal ist, ob man nun vor 10 oder 1000 Leuten spielt. Wie seht ihr das?
Es sollte völlig egal sein. Aber man kann ja nicht aus seiner Haut und natürlich ist es einfach geiler vor 400-1000 Leuten zu spielen als vor 10-20. Wenn diese 10-20 Leute aber dann abgehen und der Band zeigen, dass sie sie rocken sehen wollen, dann ist es natürlich nur professionell, den Leuten zu geben, was sie wollen. Als Musiker ist man ja eigentlich Entertainer dessen Pflicht es ist, den Leuten für ihren Eintritt ein vollwertiges Konzert zu geben.

Ist der „Underground“ an sich noch ehrlich? Kann man noch vom viel gepriesenen Zusammenhalt der Szene reden oder schleicht sich auch hier schon mehr und mehr Kommerz- und Konkurrenzdenken ein?
Ich glaube eigentlich schon an den Szene-Gedanken im Underground. Zumindest wurden mir bisher von keiner anderen Band Steine in den Weg gelegt. Es zeigt sich auch an der Vielzahl an kleinen Festivals und Konzerten, dass es immer noch Idealisten gibt und weiterhin geben wird. Mit Hilfe dieser Leute wird der Underground zusammen gehalten. Es gibt wirklich noch einige Bands und Veranstalter, die nicht ans Geld denken, sondern Spass mit ihrer Musik haben wollen. Wenn man als Metal Musiker an das große Geld denkt, hat man sich vermutlich das falsche Genre ausgesucht.

Das absolute Gegenteil zum Underground dürften die populären Casting-Shows sein. Meist nur mäßig talentierte Musiker werden schnell berühmt und müssen sich nicht erst jahrelang einen Status erarbeiten. Wie steht ihr zu diesen Shows und den daran teilnehmenden Leuten?
Ich besitze keinen Fernseher, schaue mir deshalb auch keine einzige dieser Shows an. Wenn sich die Leute zum Affen machen wollen – gerne. Das interessiert mich wirklich gar nicht. Wenn andere Leute sehen wollen, wie sich Leute zum Affen machen – auch deren Bier. Die „Superstars“ der Casting-Shows sind eh nur Eintagsfliegen in einem musikalischen Genre das mir sowas von egal ist… diese Leute tangieren den Underground nicht und sind deshalb unwichtig.

Würde es eine Metal-Casting-Show geben (für komplette Bands, nicht Einzelmusiker) – würdet ihr euch eine Teilnahme überlegen?
Wenn das ganze seriös wäre und nicht nur gecastet und gestellt, ja, warum nicht. Es wäre eine gute Möglichkeit die Musik einem breiteren Publikum vorzustellen. Es ist ja ein Unterschied, ob es ein richtiger Contest mit selbst geschriebenen Stücken, die Live performt werden ist, oder eine Playback-Show mit Konserven-Pop-Songs. Im Metal ist es ja recht üblich, Band Contests zu machen. ich würde mir das Ganze als so ein Contest vorstellen, bei dem dann die Finalrunden im TV übertragen würden. Was zählt sollte in dem Fall die Musik und der Auftritt der Band sein, nicht jedoch das drumherum.

Ein leidiges Thema – Labels. Welche Erfahrungen habt ihr bisher damit gemacht und versucht ihr aktuell, ein Label zu finden oder macht ihr lieber erstmal auf eigene Faust weiter?
Es wäre mir schon recht, ein Label zu haben. Dadurch wäre es mir möglich, mich mehr um die Musik von Shadowthrone zu kümmern, anstatt um organisatorisches. Seit „Quoth the Raven Nevermore“ heraus gekommen ist, komme ich nicht mehr in dem Maße zum Songwriting, wie ich es gerne würde. Finanziell würde es sich zwar noch nicht mal unbedingt lohnen, bei einem Label zu sein, es macht es jedoch einfacher, sich auf die Musik zu konzentrieren und die ist ja schließlich das wichtige. Erfahrungen mit Labels habe ich übrigens auch gemacht, zweimal keine besonders guten. Otto Raab von OTR-Productions z.B. hat mich 2002 übel abgezockt (wie im Booklet nachzulesen ist). Dann gab es noch die Firma „Metal Blast“, bei der ich einen Vertrag hätte unterschreiben können. Allerdings haben ein paar Klauseln nicht gepasst und so ist nichts draus geworden. Inzwischen ist das Label auch pleite denke ich.

Wie verdient ihr euch das Geld zum Musikmachen, was macht ihr neben der Musik im „normalen Leben“?
Ich bin Informatiker, Thomas ist Student und Durin Installateur. Die Musik ist für uns ein Hobby, in das wir gerne investieren. Das ist der Vorteil im Underground. Niemand erwartet von einem, CDs oder Stücke zu einem bestimmten Zeitpunkt fertig zu haben und man hat die Freiheit, genau die Musik zu machen, die man selbst mag.

Das Internet ist für jede junge Band ein unverzichtbares Medium geworden. Welchen Stellenwert haben für euch Plattformen wie MySpace?
MySpace ist für eine Band wie Shadowthrone natürlich eine gute Promotionsplattform. Den Leuten scheint es manchmal zu unbequem zu sein, sich MP3s von der Bandwebseite herunter zu laden. Bei MySpace spielt die Musik ja einfach los. Zusätzlich ist es einfach möglich, anderen Bands die eigene Musik vor zu stellen. Insgesamt wirkt sich MySpace aber vermutlich nicht auf die Verkäufe einer Band wie Shadowthrone aus.

Onlinemagazine haben in der heutigen Zeit einen eigenen Status erlangt, wo seht ihr die Vor- und Nachteile gegenüber den herkömmlichen Printmagazinen?
Der Vorteil ist, dass man breit streuen kann und damit eine große Präsenz erreicht. Außerdem spielt bei Online Magazinen der Platz keine Rolle, so dass es öfters Reviews für Eigenproduktionen und Demos gibt. Bei den Print-Magazinen ist es ja manchmal nur über das Kaufen von Anzeigen möglich, gefeatured zu werden. Ein Nachteil von Online Magazinen ist allerdings oft die Profilierungssucht der Redakteure. Bei manchen Reviews hat man wirklich das Gefühl, dass Kiddies ohne Ahnung von Musik und Rechtschreibung am Werke sind. Auf der anderen Seite kann man es den Redakteuren auch manchmal nicht verdenken, bei der Menge an Veröffentlichungen etwas vorschnell zu urteilen. Damit muss man leben.

Das war es auch schon, ich bedanke mich recht herzlich und überlasse die letzten Worte dir!
Dann nütze ich doch diesen Platz um all denen zu danken, die Shadowthrone bisher unterstützt haben und noch unterstützen werden. Ihr wisst, wer ihr seid.

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