CD-Review: Shadowthrone - Quoth The Raven Nevermore

  • Veröffentlichung: 2007
  • Label: Eigenproduktion
Besetzung

Marco Duchac – Gesang
Thomas Keller – Gesang, Bass
Christopher Schnell – Gitarre, Schlagzeug, Keyboard

Session:
Christian Kaspari – Grand Piano
DFH – Schlagzeug in “TCITS”, “Lenore”, “Tamerlane”

Tracklist

01. The Lake. To--
02. The City In The Sea
03. Fairy-Land
04. Lenore
05. Spirits Of The Dead
06. Annabel Lee
07. The Haunted Palace
08. Tamerlane
09. Those Were The Days (Bonus)


„Quoth The Raven Nevermore“ lautet der Titel des Debütalbums von SHADOWTHRONE. Der Name legt es eigentlich schon nahe, dass man hier auf Edgar Allan Poe zurückgreift, dies ist auch der Fall. In diesem Zusammenhang kommt einem ebenso das Cover bekannt vor und ja, jeder, der sich mit den Werken von Poe auseinandergesetzt haben wird, wird das Covermotiv auch kennen: zu sehen sind verschiedene Illustrationen von Gustave Doré, welcher jene zum Gedicht „The Raven“ anfertigte.

Vier Jahre liessen sich die Schweizer mit „Quoth The Raven Nevermore“ Zeit, was hoffen lässt. Dass auf Abwechslung gesetzt wird, fällt nicht nur beim Gesang auf, dort wird es aber schon sehr deutlich. Growls wechseln sich mit kreischartigem Gesang ab, hier und da gibt es sogar klare Stimmen zu vernehmen. Doch von Anfang an: Eine sphärische, nebulöse Melodie streift durch das Klangesbild, die Instrumente – besonders das Schlagzeug – intensivieren diesen Eindruck. Im weiteren Verlauf wirkt die Musik immerzu leicht erhellend, was zum Teil sicher am Keyboard liegt, zum anderen aber auch an den kurzen Melodiebögen. „The City In The Sea“ beginnt etwas ruhiger, weniger euphorisch und überrascht später mit dem Einsatz klaren Gesanges. Dieser wird anschließend sehr fein vom harscheren Gesang aufgegriffen. „Fairy-Land“ beginnt schließlich wieder mit einer „zackigeren“ Melodie, wobei das Keyboard auf Tiefgründigkeit hoffen lässt. Doch eines wird man bei dem Lied bald festhalten: Der Einsatz des Keyboards ist etwas zu stark ausgefallen. Das Trio macht die Sache aber wieder gut, der raunende Gesang samt Piano in der Mitte des Stückes wirkt sehr ergreifend und gelungen. Im nachfolgenden „Lenore“ nutzt man diesen wispernden Gesang erneut, wieder mündet er in einer wunderbaren, eindrucksvollen Melodie.

„Spirits Of The Dead“ macht einen bejahenden, freundlichen Eindruck, was an der Leadmelodie und dem damit verknüpften, hellen Spiel liegt. Bei „Annabel Lee“ hingegen geben sich die Extrema die Klinke in die Hand. Anfangs noch ein verträumtes, zugleich aber obskures Glöckchenspiel, wird daraus recht zügig ein blastlastiges (melodisches) Inferno. „The Haunted Palace“ scheint eine balladeske, trauerschwangere Hymne darzustellen, so gibt sich das Trio hier sehr melancholisch. Dies wird aber später in bekannte, rasante Wege transformiert. Prinzipiell ist es hier schade, nicht mehr aus der anfänglichen Melodie gemacht zu haben. Am Schluss greift man jene zwar noch einmal auf und verknüpft damit abgestimmt etwas Gesang, dieser macht jedoch auch nur das Potential dieser Melodie deutlich. „Tamerlane“ ist mit gut elf Minuten der längste Track des Albums und logischerweise zeigen SHADOWTHRONE sich hier sehr variabel, spielen mit verschiedenen Tempi, bauen zahlreiche Klangesnuancen und –facetten ein. Es wäre ein Leichtes, sich hier hinreißen zu lassen und zu sagen, dieser Song umreißt das Schaffen der Band, das Lied lädt dazu nämlich ein. Gen Ende trumpfen die Eidgenossen mit einem Cover von den Leningrad Cowboys auf: „Those Where The Days“, welches noch nie härter gespielt worden ist, so zumindest SHADOWTHRONE. Damit haben sie vielleicht auch Recht, das ist aber angesichts der Tatsache, dass das Lied einfach nur Freude bereitet, egal. Auf Konzerten sicherlich das Stück, nach der die Menge die ganze Zeit über verlangen wird, ein Gute-Laune-Stück und publikumsanimierend. Übrigens nur bei der ersten Auflage des Albums enthalten.

Letztendlich haben SHADOWTHRONE hier ein mehr als ordentliches Debüt abgeliefert, was kleine Schwächen aber größere Stärken aufweist. Die Schweizer wissen, wie man Atmosphäre erzeugt, können da sicherlich noch mehr herausholen. Das Einzige, was mir nicht hundertprozentig zusagt, ist, dass man die Gedichte von Poe einfach so vertont. Zwar ist das nicht schlecht, doch mit ihnen arbeiten, sich von ihnen inspirieren lassen, das wäre wahrlich famos. Aber angesichts der Tatsache, dass heute x Pagan-Bands Texte aus der Edda einfach übernehmen, kann ich das nicht ernsthaft bei Newcomern kritisieren. Also eine schöne Leistung, die man jedem, der sich für extremen, dunklen, atmosphärischen Metal interessiert, nahe legen kann.

Bewertung: 6.5 / 10

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