Interview mit Thorngoth

Grüßt euch! Danke, dass ihr euch die Zeit genommen habt. Wie geht es euch ?
Wir grüßen dich! Es geht uns soweit ganz gut.

Ihr habt euch nun mit „Rauhnacht“ zurückgemeldet, vergleiche das Album bitte mal mit dem Vorgänger „Thelema of Destruction“.
„Rauhnacht“ ist im Vergleich zu „T.O.D.“ etwas melodischer ausgefallen. Stellenweise hat sich „T.O.D.“ etwas in die Länge gezogen, daher haben wir darauf geachtet, die Songs auf „Rauhnacht“ zu straffen und eher auf den Punkt zu bringen.

Was bewegte euch dazu, erneut auf Deutsche und Englische Titel zu setzen?
Auf Deutsch lässt sich einfacher schreiben und es entstehen dabei oft qualitativ hochwertigere Texte als im Englischen.
Natürlich haben wir darauf geachtet, das Niveau bei den Englischen Titeln zu halten.Wir schreiben ebenso auf Englisch, damit ein Teil der Texte auch nicht deutschsprachigen verständlich sind.
Welche Sprache zu welchem Song passt, hängt vom Charakter des Songs ab.

„Still, von Ewigkeit“ finde ich persönlich einen sehr interessantes Stück. War es Absicht, den Song an das Ende des Albums zu setzen? Und worum geht es in diesem Song?
Beim Entstehungsprozess von „Rauhnacht“ stand die Reihenfolge der Songs noch nicht fest. Als sich das Songwriting dem Ende zuneigte bot sich „Still, von Ewigkeit“ aufgrund der Struktur und des Textes als abschließender Song an.
Grob zusammengefasst geht es bei „Still, von Ewigkeit“ um den ewigen Kreislauf.Geht ein Leben zu Ende, entsteht ein neues. Geht eine Welt unter, ersteht eine neue auf.

Wer übernimmt bei euch das Songwriting? Und wie entsteht ein Song überhaupt? Viele Bands haben hier ja spezielle Rituale.
In der Regel gehen wir so vor, dass ich am heimischen PC Gitarrenriffs aufnehme, einen Drumcomputer dazu programmiere und so vorab einen Song vorbereite. Akhorahil’s Ideen werden per Keyboard eingespielt, die ich auf die Gitarre umsetze.
Im Proberaum wird der Song dann umgesetzt und gegebenenfalls verändert oder umstrukturiert.Hin und wieder kommt es auch vor, dass komplette Songs oder zumindest Teile davon im Proberaum entstehen.
Die Texte werden geschrieben, wenn die Songs von der Musik her fest stehen.

Die Produktion ist diesmal deutlich satter als noch auf „Thelema of Destruction“, Hat sich dies einfach so ergeben, oder wolltet ihr gezielt den Vorgänger in dieser Hinsicht übertreffen.
Wir wollten bisher mit jeder Aufnahme die vorige übertreffen. Da unser Budget begrenzt ist und wir uns eine richtige Studioaufnahme nicht leisten können, haben wir immer selber aufgenommen. Das wird für’s Erste auch so bleiben. Mit jeder Aufnahme steigt mein Wissen und Können was Recording anbelangt. Zudem besorgen wir uns mit der Zeit immer hochwertigeres Equipment.Es darf also damit gerechnet werden, dass die Soundqualität des „Rauhnacht“ Nachfolgers die von „Rauhnacht“ übertrifft. Es wird dennoch ein roher und dreckiger Klang erhalten bleiben, da eine zu saubere Produktion nicht zu Black Metal passt.

Wie ist eure Meinung zu Bands, die versuchen heute –speziell bei der Produktion- wie in den frühen 90iger Jahren zu klingen?
Ich denke, dass es einige Bands nicht mal beabsichtigen so zu klingen, sondern einfach keine bessere Produktion zustande bekommen. Heutzutage kann so ziemlich jeder mal schnell ein paar Songs aufnehmen und die bei Myspace oder was weiß ich wo präsentieren. Diesen Leuten fehlt jedoch meist das Wissen über Audiorecording. Wie gerade eben schon erwähnt passt ein dreckiger Klang zu Black Metal. Jedoch ist es meiner Meinung nach übertrieben, absichtlich einen Sound wie auf den ersten Darkthrone-Scheiben zu kreieren.

Die Black Metal Szene ist ja gerade sehr im Wandel. Was denkt ihr über die neusten Werke von Darkthrone & Co.?
Was neuere Black Metal Scheiben betrifft, hat mich die „Halmstad“ von Shining sehr überzeugt. Neuere Darkthrone sind nicht unbedingt mein Fall. „Hate Them“ war deren letztes Album, das ich noch richtig gut fand. Ähnlich wie bei Satyricon, deren Werke nach „Volcano“ meiner Meinung nach eher mittelmäßig sind. Als Musiker sollte man jedoch nicht so viel Wert darauf legen, was andere darüber denken. Schließlich macht man als Metalmusiker die Musik aus Leidenschaft (außer man ist eindeutig auf Kommerz ausgerichtet wie z.B. Dimmu Borgir).

Welche Bands haben euch am meisten beeinflusst? Abgesehen davon, dass ihr einen leicht „schwedischen“ Akzent habt, wie ich finde, meine ich mich erinnern zu können, Sänger Akhorahi im Booklet von Lunar Aurora mal gelesen zu haben.
Akhorahil hat ein Jahr für Lunar Aurora bei ihren Live-Auftritten in dem Zeitraum zwischen „Mond“ und „Andacht“ Keyboard gespielt. Er wurde in dieser Zeit als festes Mitglied auf der Lunar Aurora Homepage erwähnt und steht daher auch bei Metal Archives als ehemaliges Mitglied.Ich habe im Booklet von „Andacht“ überprüft, ob er da erwähnt wird. Das wird er nicht ;).Beeinflusst haben uns Lunar Aurora in keiner Weise. Allerdings hat mich die Qualität ihrer Texte ziemlich beeindruckt.
Beeinflusst wird man wohl eher unbewusst. Denn wir versuchen keinesfalls, irgendwelche Bands zu kopieren. Unser „schwedischer Akzent“, wie du es ausdrückst, kommt wohl daher, dass meine persönlichen Favoriten größtenteils aus Schweden kommen. Bands wie Blot Mine, Shining, Watain oder Opeth finde ich einfach großartig. Zudem treten aus Schweden immer wieder gute Bands wie Bergraven oder Obitus hervor.

Plant ihr weitere live Auftritte auch im überregionalen Sektor?
Natürlich wollen wir weiterhin Konzerte spielen, vor allem außerhalb Bayerns. Wir warten stets auf Angebote. Bestätigt ist bis dato der Auftritt beim „Under the Black Sun“ Festival in Helenau (nähe Berlin).

Ich persönlich empfinde immer mehr, dass auf Black Metal Konzerten eine gewisse „Kälte“ im Publikum entsteht. Dies fällt schon auf, wenn man Konzerte von 2003 mit den heutigen vergleicht. Merkt man das auch als Band?
Um ehrlich zu sein, weiß ich nicht genau, worauf du hinaus willst. Wenn du damit auf die erstarrte Haltung bzw. die Bewegungsarmut des Publikums anspielst, ist das uns natürlich auch schon aufgefallen. Das kann daraus resultieren, dass das Publikum von der Atmosphäre ergriffen ist oder einfach nur unmotiviert ist. Nach den ersten Songs taut das Publikum bei uns für gewöhnlich auf. Es lässt sich mitreißen und zollt uns Tribut.

Ein weiteres leidiges Thema: Internet, speziell Myspace. Des einen Leid, ist des anderen Freud. Ich habe bisher keine offizielle Seite von euch entdeckt, lediglich eine Fanpage. Versucht ihr diesem Trend aus dem Weg zu gehen?
Ja, wir versuchten, diesem Trend aus dem Weg zu gehen und dachten, dass das auch möglich ist.Vor einigen Wochen habe ich jedoch festgestellt, dass eine Thorngoth-Myspace Seite erstellt worden ist. Wie sich rausstellte, war das ein Fan aus Spanien.Ich habe mich mit ihm darauf geeinigt, dass er die Seite weiterführen kann, wenn er deutlich sichtbar macht, dass es sich um eine Fanseite handelt.Wir selber haben mit dieser Seite nichts zu tun.Wir können diesen Hype nicht ernst nehmen, da einfach so viele schlechte Bands versuchen, sich über Myspace zu promoten.Als Musikhörer kann ich nur sagen, dass man so einfach mehr Angebot als Nachfrage hat und sich bei Myspace erst durch ein riesiges Mittelmaß durcharbeiten muss, um mal auf eine gute Band zu stoßen.

Ihr seid letzten Endes bei Folter Records gelandet. Wie kam es dazu? Gerade wenn ich an diese unzähligen Black Metal Myspace Bands denke, war es sicher nicht einfach bei einem solchen Label zu landen.
Nachdem die Aufnahmen für „Rauhnacht“ beendet waren, habe ich Folter Records kontaktiert, ob sie Interesse an dem Release unseres neuen Albums hätten.Ich habe die CD zu Folter Records geschickt. Die Zusage ließ nicht lange auf sich warten, da die Leute von Folter von dem Album sehr überzeugt sind.Myspace hat wohl wenig Einfluss auf die Bandauswahl von Folter Records, denke ich, da der Labelchef ein viel beschäftiger Mann ist und sicher nicht die Zeit hat, Myspace nach brauchbaren Bands zu durchforsten.

Wie geht es sonst mit Thorngoth weiter?
Wir planen, in der ersten Jahreshälfte 2009 den „Rauhnacht“ Nachfolger aufzunehmen. Fünf Songs stehen bereits und es sollte nicht mehr allzu lange dauern, bis die restlichen Songs fertig gestellt sind. Man kann das neue Songmaterial im Vergleich zu „Rauhnacht“ als progressiver beschreiben.Ansonsten werden wir hin und wieder ein paar Auftritte absolvieren. Fest steht wie oben erwähnt bisher nur der Gig beim „Under the Black Sun“ Festival.

Den Abschluss bildet wie immer unser bekanntes und beliebtes Metal1-Wortspiel. Ich nenne ein Wort oder einen Begriff und ihr antwortet das Erste, was euch einfällt.

Windir: Hab nur mal kurz reingehört. Da es mich nicht sofort überzeugt hat, hab ich mich nicht weiter damit beschäftigt. Bei Gelegenheit werde ich eventuell noch mal ein Ohr riskieren.

Death Metal: Ab und zu mal ganz nett. Es fehlen allerdings Atmosphäre, Stimmigkeit und Düsternis, weswegen wir Black Metal bevorzugen.Zum Feiern ist Death Metal nicht verkehrt.

Weihnachten: Ein Kommerzfest. Der Großteil der Bevölkerung weiß nicht einmal mehr, worum es bei Weihnachten ursprünglich ging (Geburt Christi).Man wird von der Werbung regelrecht manipuliert Geschenke zu kaufen.Aber es gibt gutes Essen, von dem her ist Weihnachten schon ok.

Weißwurst: Isst man am besten mit Breze, süßen Senf und Weißbier dazu.

Metal1.info: Ein übersichtliches aufgemachtes, objektives und ernstzunehmendes Webzine.

Dankeschön, dass ihr euch Zeit für meine Fragen genommen habt. Ich wünsche euch alles Gute für die Zukunft. Die letzten Worte gehören dir:
Danke für das Interview und euer Interesse!

Geschrieben am von Metal1.info

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