Review Abraham – An Eye On The Universe

ABRAHAM kommen aus Lausanne, machen Post Metal und veröffentlichen Ende Januar ihr Debut „An Eye On The Universe“ über das Berliner Label Pelagic Records von The Ocean Gitarrist Robin Staps. Viel mehr war leider über den Fünfer nicht herauszukriegen. Doch eigentlich wollen wir ja auch keine Bandbiographien schreiben, sondern uns kritisch mit Musik auseinandersetzen. Und das geht im Fall von ABRAHAM wiederrum recht leicht von der Hand, können die Herren doch von der ersten Minuten an überzeugen.

Einen großen Anteil hat dabei sicherlich, dass ABRAHAM sich nicht die Mühe machen, den Einfluss einer meiner absoluten Lieblingsbands – Cult Of Luna – auf ihre Musik zu verschleiern. Über weite Strecken klingt das was hier aus der französischen Schweiz erschallt genau so, als käme es direkt aus Schweden. Den großen Innovationspreis in einem Genre, das gerade erst so richtig erwacht bekommen ABRAHAM schon mal nicht, dafür kann ihnen ohne weiteres ein Gespür für das richtige Timing attestiert werden. Während die Großmeister der bedrückenden Härte ihre Anhänger mit einem Hörbuch statt einem neuen Album weiter auf die Folter spannen, kommen ABRAHAM genau im passenden Moment mit „An Eye On The Universe“ um die Ecke.

Was einen auf „An Eye On The Universe“ erwartet, dürfte somit klar sein, zumindest musikalisch. Massive und dichte Soundwände, tonnenschwere, treibende Riffs und immer wieder filigrane Melodien die die misanthropische Stimmung perfekt unterstreichen. Neben der brachiale Wucht bleibt aber immer auch Zeit zum Luft holen. Momente, in denen die Band sich zurücknimmt, Zeit lässt, Stimmungen aufbaut um dann wieder umso heftiger einzusteigen. Auch bei der Geschwindigkeit gibt es keine großen Überraschungen, die Herren variieren hier ebenso gekonnt wie beim Härtegrad. Meist in langsameren Bereichen angesiedelt gibt es auch hier Ausbrüche nach oben. Was etwas überrascht und positiv ins Auge fällt oder besser ins Ohr geht ist der Gesang von Olivier Hähnel. Wo schon Cult Of Luna mit sehr sporadischem Klargesang (man denke nur an das brillante „And With Her Came The Birds“) begeistern konnten gehen ABRAHAM noch mindestens zwei Schritte weiter. Zwar dominiert auch hier das mehrstimmige, tiefe Growling, doch die Schweizer weichen immer wieder davon ab. Sei es nun der fast schon metalcore-mäßiger Klargesang in „The Statues“, das rhythmische Sprechen (ich verzichte bewusst auf den Begriff „Rap“) in „Saloon Bizzare“ oder die hysterischen Schreie in „Bullet Dozer“ diese Variationen tun der Musik in ihrer tristen Wucht eindeutig gut. Ebenfalls interessant klingen die gelegentlich in den Hintergrund gemischten Schreie der anderen Bandmitglieder, die eine ungeheure Portion Emotion zu der ohnehin schon sehr ergreifenden Musik beisteuern.

Mit „An Eye On The Universe“ ist ABRAHAM ein fulminanter Einstand gelungen. Jeder Anhänger von brachialem Post Metal sollte sich den Namen merken. Wenn die Jungs es schaffen an diesem Album anzuknüpfen können wir noch großes von ihnen erwarten. Der Titel des Debuts drängt den biblischen Vergleich nahezu auf: So zahlreich wie die Sterne am Himmel sollten Abrahams Nachkommen sein, für die Fans von ABRAHAM seh ich da ganz gute Chancen!

Wertung: 9 / 10

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