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Review Abraham – Débris De Mondes Perdus

Mit ihrem letzten Album „Look, Here Comes The Dark!“ ist ABRAHAM ein monumentales Post-Metal-Meisterwerk in Spielfilmlänge gelungen. Vier Jahre sind seitdem ins Land gezogen, aus dem Quintett ist ein Quartett geworden und mit „Débris De Mondes Perdus“ steht nun der Nachfolger in den Startlöchern – und dieser weiß in mehr als nur einer Hinsicht zu überraschen.

Der für die gegrowlten Vocalparts sowie Synthesizer verantwortliche Olivier Haehnel hat die Band verlassen, ebenso der Klampfer Mathieu Jallut, den der Ex-Kruger-Gitarristen Etienne Marguerat ersetzt hat. Diese Veränderungen im Line-up sind durchaus hörbar, da Schlagzeuger David Haldimann nun alle Vocals eher melodisch-clean, im härtesten Fall geshoutet darbietet. Das lässt die Musik von ABRAHAM, auch wenn eine gewisser Wiedererkennungswert absolut gegeben ist, zunächst ungewohnt erscheinen.

Denn mit dem eher klassisch geprägtem Post-Metal à la Cult Of Luna oder Isis auf „Look, Here Comes The Dark!“ hat die Musik auf „Débris De Mondes Perdus“ nur auf den zweiten Blick zu tun. Besagte Vocals ergeben in Verbindung mit der weniger rifforientierten Gitarrenarbeit eher so etwas wie eine Mischung aus Noise-Rock und Post-Hardcore. Der Opener „Verminvisible“ erinnert nicht nur manchmal an Bands wie Heads. oder Kowloon Walled City.

Musikalisch interessant ist ABRAHAMs neuester Longplayer ohne Frage: Die Kombination von noisigen Gitarren mit einem beinahe free-jazzig anmutenden Bass auf einem Double-Time-Blastbeat in „Blood Moon, New Alliance“ ist gewagt, die kaum greif-, aber definitiv hörbaren Disharmonien in „Maudissements“ lassen aufhorchen – auch wenn es ein wenig weh tut. Trotzdem weiß die Truppe mit ihren Instrumenten umzugehen, wobei „Débris De Mondes Perdus“ sowohl spiel- als auch tontechnisch ziemlich rough und live klingt – und dabei leider auch ein bisschen flach.

Grundsätzlich aber eine ganz coole Mischung und Weiterentwicklung, vor allem da „Débris De Mondes Perdus“ in Sachen Atmosphäre noch eine Spur intensiver als der ohnehin schon ausgesprochen cineastische Vorgänger daherkommt. Kein Wunder, knüpft das neue Album der Schweizer inhaltlich an „Look, Here Comes The Dark!“ an und erzählt die einige hundert Jahre später angesiedelte Geschichte der letzten Überlebenden auf einer zerstörten Erde.

Trotzdem will der Funke nicht vollends überspringen und so lässt „Débris De Mondes Perdus“ den Zuhörer auch nach mehreren Durchläufen ein bisschen ratlos und zwiegespalten zurück. Denn das vierte ABRAHAM-Album bietet eigentlich keinen greifbaren musikalischen Spannungsbogen, ist extrem sperrig und trotz aller Experimentierfreude auch ein wenig gleichförmig in seinen Strukturen geraten. Sofort ersichtliche Höhepunkte gibt es nicht – und trotzdem hat das Werk ein gewisses Potenzial zum Grower, der sich erst nach einer etwas längeren Eingroovephase in all seinen Details offenbart. Denn spannend und intensiv ist ABRAHAMs neuer Longplayer allemal, fordert seinen Zuhörer allerdings auch heraus und zwingt ihn zur Auseinandersetzung mit der Musik.

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Wertung: 7.5 / 10

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