CD-Review: Atreides - Neopangea

Besetzung

Ivan Lopez - Gesang
Dany Soengas - Gitarre
Antonio Orihuela - Bass
Adrian Moa - Schlagzeug

Tracklist

01. Caminante
02. Penitencia
03. Laberintos
04. Frágiles
05. Balada N. 6
06. Plaga Capital
07. A Dónde Ir?
08. Solaris
09. Nueava Pangea


Spanisch ist wahrscheinlich die einzige Sprache, die der linguistischen Übermacht des Englischen in der Rock/Metal-Szene ein wenig die Stirn bieten kann. Seit Jahren veröffentlichen Bands in den spanischsprachigen Ländern dieses Planeten teils hochwertige musikalische Kost in ihrer Muttersprache und verleihen der internationalen Signatur der Szene eine gewisse Heimeligkeit. Leider geht diese Entscheidung zumeist mit einer ziemlichen Limitierung potentieller Hörer einher, tut sich doch die Mehrheit eher schwer mit der Entscheidung gegen die Standard-Sprache des Rock/Metals und nur wenigen Bands gelingt es, über die jeweiligen Landesgrenzen hinaus Fans für sich gewinnen zu können (Tierra Santa wären so eine Band). Das ist alles in allem schade und man kann nur hoffen, dass sich hier und da die Hörgewohnheiten ändern mögen, denn es gibt viel zu entdecken. ATREIDES, zum Beispiel.

Das aus Spanien stammende Quartett, dessen Geschichte vor allem jene des Gitarristen Dany Soengas ist, der zuvor mehrere Alben mit der Band Skydancer veröffentlicht hatte, legt mit „Neopangea“ sein zweites Album vor und schafft es damit nicht nur die Frage zu provozieren, wie man sich das neue Pangea vorzustellen hat (so oder so ist der Titel eine gelungene metaphorische Modellierung der globalisierten Welt), sondern auch auf ganzer Linie zu überzeugen. Startet das Album mit „Caminante“ noch eher gemächlich und bietet melodischen Power Metal der gediegeneren Sorte, erweitern ATREIDES im Verlauf der CD ihr Spektrum bis hin zu ordentlichen Thrash-Passagen (wie in „Penitancia“ oder dem schnellen „Plaga Capital“) und geradezu poppigen Momenten wie bei „Frágiles“ oder im Rausschmeißer und Titelsong „Nueva Pangea“. Obwohl die CD also ein größeres Klangspektrum abdeckt, zerfasert das Album nicht in zusammenhanglose Einzelteile, sondern wirkt wie aus einem Guss. Die Diversität im Erscheinungsbild kann man also getrost auf der Haben-Seite von „Neopangea“ abbuchen.

Im Songwriting setzen ATREIDES vor allem auf melodische Gesangspassagen, die aber jeden Bombast (vor allem im Refrain) vermeiden, wenn man auch hier und da vielleicht ein wenig zu gefällige Sentenzen und Melodiebögen nutzt. Diese werden aber zumeist von kräftigem, fettem Riffing und treibenden Rhythmen flankiert, sodass auch die besagten poppigen Momente nicht allzu anbiedernd ausfallen. Dass die vier Herren ein feines Gespür für Spannungsbögen und eingängige Melodien haben, beweisen sie zudem über Gebühr; egal ob man die Rock-Ballade „Balada N. 6“ oder das auch in puncto Riffing abwechslungsreiche „A Dónde Ir“ (super Refrain!) anhört, ATREIDES bemühen sich deutlich um Eingängigkeit, ohne auf allzu verbrauchtes Klangmaterial zurückzugreifen – und in der Mehrzahl aller Fälle gelingt das auch bestens. „Neopangea“ ist schlicht ein gelungenes Power-Metal-Album geworden, das seine Fühler auch in andere Bereiche ausstreckt und es damit zu einer deutlich überdurchschnittlichen Haltbarkeitsdauer bringt. Genre-Fans sei ein Reinhören wärmstens empfohlen.

Bewertung: 7.5 / 10

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