CD-Review: Battle Scream - Virus Mensch

Besetzung

Alex Pest - Gesang
René Pasler - Gitarre
Toni Donath - Gitarre
Heiko Grötzschel - Schlagzeug
Simon Schreiber - Keyboard

Tracklist

01. Intro
02. Willkommen
03. Nähe auf Distanz
04. Deep Place
05. Steh auf!
06. Angst im Paradies
07. Netz der Zucht
08. Atomic Workout
09. Close To You
10. Virus Mensch
11. Schock
12. Der (letzte) Vorhang fällt
13. Outro


Eine besonders gute Meinung scheinen die Dresdener BATTLE SCREAM auf ihrem sechsten Studioalbum „Virus Mensch“, das auf den ersten Blick durch das giftgrüne Cover und einen widerlich-wabernden infektiösen Partikel besticht, von Ihresgleichen nicht zu haben. Beim Betrachten der Trackliste und dem Genre-Mix aus Electro-Beats und Metal werden zugleich Erinnerungen an Crematory geweckt. Schafft das Quintett es also begeisternde Hits wie die Rheinland-Pfälzer vor zehn Jahren zu schreiben oder scheiden sich am neuesten Output die Geister?

Nach einem kurzen instrumentalen Intro können die zwei ersten deutschsprachigen Songs durchaus an die Songs anknüpfen, die Crematory 2006 auf „Klagebilder“ ablieferten. Eingängige Hooklines verbinden sich mit knackigen Gitarrenparts und Electro-Untermalung, wodurch sie durchaus eine Art Gothic-Charme entfalten. Auch der Gesang hat in der Muttersprache von BATTLE SCREAM seine Höhepunkte zu bieten, da eine glaubhafte Intonierung gelingt, die den Texten mehr Tiefgang verleiht. Ganz anders sieht das in englischer Sprache aus: Auch wenn das musikalische Grundgerüst sich kaum verändert, sind es nicht nur die vor Klischees triefenden Texte wie „I Love Myself To Death“ („Deep Place“), die nur bedingt funktionieren. Auch die Betonung und Aussprache des Englischen hat Ecken und Kanten, die das Gehör nicht zwingend umschmeicheln. An Abwechslung mangelt es im weiteren Verlauf des Longplayers ebenfalls nicht. Die fünfköpfige Band nimmt beispielsweise den Metal-Anteil fast vollständig zurück, um so eine Halbballade mit ermutigendem Text zu erschaffen („Steh auf!“). Gerade das Keyboard-Solo gegen Ende verzückt dabei mit einem punktgenauen Einsatz und viel Atmosphäre, die Parallelen zu früheren Unheilig-Stücken zieht. Direkt danach setzt man wieder auf die volle Härte des eigenen Klangkosmos, düstere Vocals und passende Kriegsthematik („Angst im Paradies“). Somit werden wiederholt gesellschaftskritische Texte in die Musik von BATTLE SCREAM eingebunden, was dem Industrial Metal somit weitaus mehr Potential verleiht, als nur für den nächsten Einheitsschritt herzuhalten.

Die vermuteten Inhalte des Albumtitels „Virus Mensch“ sind weitgehend präsent und zeichnen ein negatives Bild der menschlichen Rasse und ihrer verübten Untaten. So behandelt „Atomic Workout“ die Entwicklung atomarer Waffen und die damit einhergehende Bedrohung, während der Song auch Zitate von oder über Wissenschaftler wie Albert Einstein, die sich ihrerzeit mit der Thematik beschäftigten. Mit „Close To You“ hat man für Fans außerdem einen alten Song neu aufgenommen und möchte ihn damit in neuem Glanz präsentieren. Der Titel stammt ursprünglich aus dem Jahr 2007 und gehört live zum festen Repertoire der Band. Mit über sechs Minuten ist das Stück nicht nur das längste, sondern auch das einzige, das mit englischer Sprache überzeugen kann. Den überzeugendsten und am meisten im Gothic verwurzelten Song hat man sich mit dem Titelstück „Virus Mensch“ aber fast für das Ende aufgehoben. Klar und eindeutig distanzieren sich die Lyrics vom Menschen als Krankheit, die die Erde verseucht und als unheilbar gilt. Damit schließt er in gar passender Weise den Kreis zu den vorherigen Songs. Passenderweise steht als letzter Titel „Der (letzte) Vorhang fällt“, der das endgültige Ende der Menschheit besingt und damit auch das Ende des Albums einläutet. Darauf folgt nur noch ein knapp dreiminütiges Outro, das den Stil des einleitenden Stückes wieder aufgreift.

BATTLE SCREAM erschaffen mit ihren deutschsprachigen Songs einige Hits, die durchaus das Potential zum Ohrwurm haben und darüber hinaus zum Nachdenken anregen können. Die fünf Dresdener präsentieren dabei einen Stilmix aus Electro, Metal und Gothic, der vor rund zehn Jahren seine Hochzeit hatte. Deshalb ist es schön, dass es noch Musiker gibt, die diese alten Tage heute unverfälscht repräsentieren. Wenn die ein- bzw. ausleitenden Intro und Outro eher überflüssig wirken und die englischsprachigen Titel größtenteils an Qualität einbüßen, bleibt unter dem Strich ein gelungenes Album zwischen Gothic Metal und Electro-Elementen, das die Anhänger des Genres sicherlich erfreuen wird.

Bewertung: 7 / 10

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