CD-Review: Crematory - Klagebilder

Besetzung

Gerhard "Felix" Stass - Gesang
Matthias Hechler - Gitarre, klarer Gesang
Harald Heine - Bass
Katrin Goger - Keyboard
Markus Jüllich - Schlagzeug

Tracklist

01. Klagebilder
02. Die Abrechnung
03. Hoffnungen
04. Kein Liebeslied
05. Kaltes Feuer
06. Der Morgen danach
07. Warum
08. Höllenbrand
09. Nie wieder
10. Ein Leben lang
11. Der Nächste
12. Das letzte Mal
13. Spiegel meiner Seele


Wie fängt man eine Review von einer CD an, bei der man im Vorfeld ein wenig skeptisch ist; wo man nicht so richtig weiß, wo man ansetzen soll? Früher habe ich eigentlich ganz gerne CREMATORY gehört, aber dann habe ich die Band in den letzten Jahren ziemlich aus den Augen verloren, auch deshalb, weil mir die Outputs nicht mehr so zusagten. Gerade stieg ein Freund von mir in mein Auto und nach weniger als 10 Sekunden meint er: „Das ist die neue Crematory“.

Darüber kurz nachgedacht und schon wird das Hauptmerkmal der CD klar: „Klagebilder“ ist ganz einfach typisch CREMATORY. Vermutlich war es ja auch nie anders, aber hier hören wir erstens treibende Gitarren, zweitrens wuchtige Drums, drittens dezente, aber wirkungsvoll eingesetzte Keyboards, viertens tiefe, voluminöse Growls und fünftens eine sehr schöne klare Stimme von Gitarrist Matthias. All dies eingebettet in einer erstaunlich transparenten Produktion, die durch die Band in Eigenregie mit Christian Kohlmannslehner als Unterstützung durchgeführt wurde, ergibt ein harmonisches Album, mit dem sicher nicht jeder gerechnet hätte.
Recht erwartbar ist somit auch der Beginn: der Titeltrack kommt als zweieinhalb-minütiges Intro daher, ganz so, wie man es von CREMATORY kennt. Der Einstieg in das Album ist dann aber erstaunlich heftig, mit „Die Abrechnung“ hauen die fünf Hessen gleich ein ordentliches Brett raus, was Erinnerungen zum Beispiel an „Awake“ aus 1997 weckt. Der Titel lässt Gewissheit werden, was man beim Namen der CD bereits ahnte: CREMATORY anno 2006 sind textlich wieder ganz deutsch. Auch die folgenden „Hoffnungen“ (recht langsam, aber sehr schön) und „Kein Liebeslied“ fräsen sich schnell in die Gehirnwindungen ein, was vor allem an der tollen Gesangsleistung von „Clean“-Sänger Matthias liegt, der wahre Ohrwurmmelodien aus dem Ärmel bzw. der Kehle schüttelt.

Gut jedoch, dass auch schnellere Nummern wie „Höllenbrand“, „Kaltes Feuer“ und „Nie wieder“ vertreten sind, denn sonst hätte man die Kommerz-Polizei spätestens beim äußerst eingängigen „Warum“ schon wieder aufschreien hören. Insgesamt ergibt sich von der musikalischen Seite eine recht abwechselungsreiche Scheibe, bei der „Hoffnungen“, „Kein Liebeslied“ und „Warum“ als potentielle Anspieltipps hervorzuheben sind. Die Produktion ist, wie bereits angedeutet, gut gelungen, was sicher auch dazu beiträgt, dass die Songs flott den Weg ins Ohr finden. Einige Mängel kann man jedoch bei der lyrischen Arbeit ausmachen; zwar liegen der Promo keine Texte bei, aber man kann schon heraushören, dass zwar mehr, aber längst nicht alle (schlechten Klischee-)Klippen als früher umschifft wurden, wie folgendes Beispiel aus „Kein Liebeslied“ vielleicht zu illustrieren vermag: „Ich schenkte Dir mein Herz, für Dich war das nur ein Scherz…ich schenkte Dir die ganze Welt und fühlte mich wie der größte Held, doch hab ich Dich zu spät erkannt und bin gegen eine Wand gerannt“.

Dies soll den allgemein positiven Eindruck jedoch nur ein wenig schmälern und wenn es CREMATORY mit dem nächsten Album schaffen, das hohe Niveau der ersten zwei Drittel über die gesamte Spielzeit zu halten, ist auch sicher noch eine höhere Wertung drin. Positive Aspekte wie ein höherer Anteil cleaner Vocals, angenehme Zurückhaltung der Tastenfraktion und eine tatsächlich aufgepeppte Gitarrenarbeit (teilweise richtig schöne Soli), wie das beiliegende Info verspricht, sorgen alles in allem für ein gelungenes Album.

Bewertung: 7.5 / 10

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1 Kommentar zu “Crematory – Klagebilder”

  1. Musikus

    Ach ja, da waren Sie also wieder die Rheinland-Pfälzer Dunkelmänner und schon schreit das ganze Schwarzkittel-Volk und löst geradezu einen Shitstorm aus. Warum eigentlich? Seit 1991 gehen die Wormser ihren Weg unbeirrt und vor allem unbeeindruckt von Kritik jeglicher Art – Gut so. Ich persönlich mochte schon ihr erstes Deutsches Album. Und ehrlich gesagt auch wenn man manchmal glaubt Hartmut Engler hätte mit Pur den Versuch unternommen ein Metal-Album aufzunehmen, sind die Texte der meisten „Dunkel-Bands“ zwar in Englisch und so versteht man zumindest nicht immer auf anhieb, aber auch diese „geistigen Ergüsse“ sind nicht unbedingt Textliche Klassiker. Kurzum mir gefällt das Album und ich freue mich schon auf das nächste Deutsche Album – Falls es noch eins geben sollte.

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