Oktober 2010

Review Daath – Daath

  • Label: Century Media
  • Veröffentlicht: 2010
  • Spielart: Extreme Metal

2010 neigt sich langsam aber sicher wieder dem Ende zu, von besinnlicher Stimmung kann im Hause Century Media angesichts der neuen DAATH-Scheibe aber noch lange keine Rede sein. Nach „The Concealers“ gönnte man sich gerademal ein Jahr Pause und ist nun mit einer selbstbetitelten Scheibe zurück.

Gitarrist Eyal Levi sprach beim Vorgänger vom „ersten richtigen DAATH-Album“ bezogen auf die Songs der Platte, die erstmals unter Bandverhältnissen entstanden. Obwohl dieses Album schon ein Brett war, ließ ich mich noch zur Voraussage hinreißen, dass man, wenn sich hier nur der Vorgeschmack auf die echten DAATH findet, auf den Nachfolger mehr als gespannt sein darf – Nach dem ersten Durchgang von „Daath“ hat sich diese Behauptung als richtig erwiesen.
Prinzipiell kann man den DAATH-Stil zwar auch auf der neuen Scheibe noch heraushören, Vergleiche mit „The Concealers“ scheinen nach diesen 45 Minuten aber unangebracht. Stellt man dennoch welche auf, ist das unzweifelhafte Ergebnis, dass der Daath-Sound in diesem Jahr eine Menge Steroide geschluckt hat und den schwachbrüstigen kleinen Bruder nun mit dem kleinen Finger zerdrücken könnte. „Daath“ überfährt einen von der ersten bis zur letzten Sekunde mit einer gewaltigen Portion Druck und Aggression. Hört man „The Concealers“, in dessen Songs ohne Zweifel bereits eine Menge Hirn steckt direkt gegen, wirken die Nummern im Songwriting noch etwas unausgereift, der Sound etwas zu dünn, und alles überladen mit Technik. Auf „Daath“ dagegen kommen die Drums deutlich organischer und sind obendrein weit davon entfernt, nur den Takt anzugeben. Vielmehr werden die Schlagzeug-Ausbrüche immer wieder verwendet um in perfektem Zusammenspiel mit den Gitarren relerechte Explosionen aus Zerstörung zu erzeugen. So überfahren einen die ersten drei Songs erstmal mit überschäumender Aggression, bevor im ruhigeren, eher Sludge-orientierten „Double Tap Suicide“ in einer ausufernden, von akustischen Gitarren-Sounds begleiteten Solo-Passage erstmals wirklich betont wird, was gerade die Gitarristen technisch zu bieten haben. Dass solchen Eskapaden, die obendrein auch noch Potenzial haben, im Ohr zu bleiben, extra Raum eingeräumt wird und sie nicht auf Biegen und Brechen an allen Ecken und Enden in die Songs gezwungen werden ist eines der ganz großen Vorzüge von „Daath“, was das Album auch von etwa „We Are The Nightmare“ abhebt, das für mich zugunsten ultra-schneller Leadgitarren-Fills zu oft vergisst, die Songs stringent zu halten.

„Daath“ ist vom Songwriting perfekt, die Effizienz, mit der von der ersten bis zur letzten Sekunde geplättet wird ist beeindruckend und das Zusammenspiel der Band ist nochmal massiv verbessert. Stilistisch lässt sich das Ganze kaum mehr einordnen, irgendwo Melodic Death Metal, Metalcore, angeschwärztem Thrash und Progressive pendelt diese Scheibe und lässt „Extreme Metal“ als einzig möglichen Überbegriff gelten. Genau deshalb könnte man es auch jedem Hörer der dunklen Seite des Metals genauso gut empfehlen wie davon abraten, von jeder Ingredienz ist genau so viel vorhanden, dass es Puristen abschrecken könnte. Für sich genommen ist „Daath“ eben dadurch, dass es sich nicht um Genre-Grenzen schert aber das perfekte extreme Album, das zugunsten von Power auch Dinge wie Melodie weitgehend über Bord wirft und auch den Groove nicht übermäßig strapaziert – braucht es nicht, „Daath“ ist einfach nur heftig.

Wertung: 9 / 10

Publiziert am von Marius Mutz

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