CD-Review: Devian - God To The Illfated

  • Veröffentlichung: 2008
  • Label: Century Media
Besetzung

Legion - Gesang
Joinus - Gitarre, Gesang
Tomas Nilsson - Gitarre
Roberth Karlsson - Bass, Gesang
Emil Dragutinovic - Schlagzeug

Tracklist

01. Mask Of Virtue
02. Assailant
03. The Unspoken
04. Saintbleeder
05. I'm The Pariah
06. God To The Illfated
07. Summerdeath
08. South Of Halo
09. Awaiting Doom
10. When The Vultures Have Left


„Wie du sagtest, es ist kein roter Faden. Es ist ein Schritt in diese Richtung, einer in die andere, aber jetzt kommt alles wirklich zusammen. Das wird sich auf dem nächsten Album zeigen.“ Das sagte DEVIAN-Sänger und Ex-Marduk-Frontman Legion im Sommer diesen Jahres, als ich ihn zum Interview traf und mit meiner Kritik am Erstlingswerk „Ninewinged Serpent“, beziehungsweise dessen stilistischer Unentschlossenheit, konfrontierte. Jetzt ist es soweit, die Aufnahmearbeiten sind abgeschlossen und das zweite Album der Band mit dem Titel „God To The Illfated“ ist erhältlich. Lassen wir doch mal das ganze Drumherum bei Seite und gehen gleich in medias res und schauen nach, ob Legions Aussage sich bestätigen soll…

Mit „Mask Of Virtue“ eröffnet das Album und es geht gleich in die Vollen: Hier werden keine Gefangenen gemacht, der Sound ist extrem druckvoll, die Geschwindigkeit sehr hoch angelegt, Legions Vocals sind nach wie vor so ungefähr das Maß aller Dinge und wirklich viel hat sich im Gegensatz zum ersten Output nicht verändert. Immer noch bollert Dragutinovic ordentlich am Schlagzeug und die Gitarristen Joinus und Tomas Nilsson liefern sich hochmelodische Duelle, das gefällt doch, alle Stärken des Vorgängers sind zumindest bei diesem Song noch mit an Bord. Das Material bewegt sich immer noch im Bereich zwischen Death, Thrash und Black Metal, wobei mich die Riffs etwas mehr noch als beim Vorgänger an Marduk erinnern. Die Musik selbst verkommt zwar nicht zu einer blatanten Kopie, aber irgendwie vermitteln die Gitarrenläufe dieses Feeling, das die schwedische Black-Metal-Macht auf ihren letzten Alben mit Legion zelebrierte.

Und da ist noch was in den Riffs von „Mask Of Virtue“, das einen extrem frischen Eindruck auf mich macht. Selbst nach mehreren Durchläufen fällt mir das richtige Wort dafür nicht ein, aber es klingt irgendwie… orientalisch vielleicht? Ich weiß nicht wirklich, ob das den Kern der Sache gut trifft, aber zumindest kommt es mir so vor, als hätten die Schweden die ein oder andere Melodie aus diesen Gefilden mit eingeflochten. Und das nicht nur beim Opener, auch „Saintbleeder“ bringt dies Elemente wieder gekonnt mit ein… Aber nicht nur das, auch eine andere Neuerung kann der Track sich auf die Fahne schreiben: Klargesang. Der wird von Axtschwinger Joinus übernommen und findet sich im Refrain und er gefällt sehr gut, lockert die Musik jedenfalls schon auf.

Was nicht heißt, dass DEVIAN auf ihrer zweiten CD irgendwie weich geworden wären, nein Sir, die Musik ist noch immer so heftig, wenn nicht sogar heftiger als noch auf dem Vorgänger. „Assailant“ beispielsweise ist ein bockschweres Gerät mit ein paar sehr coolen Leads im Refrain, der Titeltrack eine stark nach vorne gehende Death/Thrash-Nummer, „Awaiting Doom“ hat ebenfalls ein paar zusätzliche Kilos aufgeladen und kommt sehr wuchtig durch die Boxen. Und ja, Legion hatte tatsächlich recht, die Scheibe hier klingt wirklich homogener als „Ninewinged Serpent“, hier wird klar eine rote Linie verfolgt, sehr schön.

Das wirkliche Highlight der Scheibe hab ich mir nämlich (wie DEVIAN selbst auch) bis zum Schluss aufgespart: der Rausschmeißer „When The Vultures Have Left“. Im siebten Track „Summerdeath“ (der stellenweise an Marduks „Castrum Doloris“ erinnert) klingt schon eine gehörige Portion Epik mit an, die die Schweden auf ihrer ersten Scheibe noch nicht für sich verbuchen konnten. Davon wird beim letzten Song dann eine volle Breitseite abgefeuert. Mit verhaltenen Orgelklängen beginnt der Track, ehe die Band einsetzt und etwas durch die Boxen zaubert, das an extrem-metallischer Erhabenheit kaum zu überbieten ist. Die Riffs, die Produktion, das Drumming, Legions Vocals, hier passt alles. Der Song ist so extrem gut, dass ich ihn am Liebsten heiraten würde und er wächst mir mit jedem Durchlauf mehr und mehr ans Herz. Bezeichnenderweise ist der Song auch der längste der Scheibe und langt mit sieben Minuten gegenüber den Drei- und Vierminütern, die sonst auf „God To The Illfated“ versammelt sind, gut in die vollen. Schöner Abschluss.

Zumindest bei der normalen Version der CD, die Limited Edition beinhaltet nämlich noch zwei weitere Tracks, die mir leider nicht vorlagen, aber da ich die Scheibe eh schon vorbestellt habe, freu ich mich da ganz besonders drauf (auch wenn sie den tollen Eindruck, den der epische Abschluss der Scheibe vermittelt, wieder relativieren könnten, aber wir werden sehen). Fest steht jedenfalls, dass DEVIAN mit ihrem zweiten Album eine CD zusammengebastelt haben, die ihrem Debut mindestens ebenbürtig ist und genau wie diese nicht nur durch ein paar tolle Melodien, Legions geniales Gekeife und eine schnieke Produktion sondern auch durch eine anbetungswürdige Halbwertszeit glänzen kann. Das Ding landet gerne wieder und immer wieder im Player. Schön. Mit sicherheit eines meiner Alben des Jahres.

Bewertung: 9 / 10

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