CD-Review: Dropkick Murphys - Signed And Sealed In Blood

Besetzung

Al Barr – Gesang
Ken Casey – Gesang, Bass
Tim Brennan – Gitarre, Akkordeon, Flöte, Gesang
James Lynch – Gitarre, Gesang
Jeff DaRosa – Banjo, Bouzouki, Mandoline, Mundharmonika, Gesang
Scruyy Wallace – Dudelsack, FlöteMatt Kelly – Schlagzeug, Gesang

Tracklist

01. The Boys Are Back
02. Prisoner's Song
03. Rose Tattoo
04. Burn
05. Jimmy Collin's Wake
06. The Season's Upon Us
07. The Battle Rages On
08. Don't Tear Us Apart
09. My Hero
10. Out On The Town
11. Out Of Our Heads
12. End Of The Night


Boston. Eine Stadt, mit der man – egal, ob man selbst schon dort war oder nicht – einfach irgendetwas verbindet. Sei es Basketball, sei es Baseball, sei es Harvard, die Ivy League im Allgemeinen oder einfach die Präzisierung des Begriffs „East Coast“. Verlegt man den Fokus auf an einen bestimmten Tag im März, denkt an die bewegte Geschichte der Vereinigten Staaten von Amerika zurück und ruft sich zusätzlich die filmische Darstellung mafiöser Strukturen in Erinnerung, wird ein Begriff alle anderen überragen: Irland. Ehe man sich versieht, ertönt der Klang von Bagpipes, Tin Whistles und Akkordeon erfüllt sein, bis dem Freund alternativer Musik plötzlich eine ganz bestimmte Akkordeon-Melodie in den Kopf kommt, welche mit harten Gitarren und versoffenen Stimmen verbunden wird. Und ehe man sich versieht, denkt man im Zusammenhang mit Boston an die DROPKICK MURPHYS, welche in ihrem 17. Bandjahr ihr achtes Album „Signed And Sealed In Blood“ veröffentlichen, ihre irischen Wurzeln mit straightem US-Punkrock der härteren Gangart vermischen und mit dieser Mischung einmal mehr dazu einladen, Pogo zu tanzen, zu schunkeln, sich mit Guinness oder wahlweise Jameson zu betrinken und einfach nur Spaß zu haben.

Bereits der großartige Opener „The Boys Are Back“ zeigt, wohin die Reise geht: Eine Akustikgitarre eröffnet gemeinsam mit Dudelsäcken das Album, ein unwiderstehlicher Sing-A-Long setzt ein, und ehe man sich versieht, dröhnt die Nummer als treibender Punkrock Song aus den Boxen, der von Al Barrs Reibeisenstimme nach vorne gepeitscht wird. Direkt darauf folgt mit „Prisoner’s Song“ ein Highlight des Albums, welches mit einer Banjo-Melodie und marschartigem Sound wie eine Mischung aller bisherigen Murphys-Hits wirkt. Das melancholisch-folkige „Rose Tattoo“, welches zunächst mit der Beschränkung auf Akustikgitarre, Mandoline und Whistles und Ken Casey emotionalen Gesang als Ruhepunkt erscheint, bis es am Ende ordentlich an Tempo aufnimmt, macht den unglaublich starken Einstieg komplett.
Die Mischung zwischen traditionellen Folksongs und hartem Punkrock funktioniert auch in den anderen Songs des Albums reibungslos. Die Hymne an den Baseball in Form von „Jimmy Collin’s Wake“ klingt wie eine frisch aus dem nächsten Irish-Pub importierte Nummer, während „Burn“ ein klassischer Punkrocksong ist, der durch Banjo und Akkordeon eine ganz eigene Note erfährt. Das weihnachtliche „The Season’s Upon Us“ stellt eine ganz eigene Version der Darstellung des Fests der Liebe dar und zeigt, dass es hier eigentlich doch immer nur um Alkohol und Familienstreitereien geht. Spätestens im besoffenen Schlusschor des Abschlusssongs und ultimativen Schunkelnummer „End Of The Night“ möchte man mit einem Trinkkumpan Arm in Arm durch die nächtlich Straßen Dublins (oder Bostons) laufen und mit geballter Faust den Mond anjaulen.

Gerade eben weil die Band bis zur Mitte des Albums nichts falsch macht, ist es umso trauriger, dass das Album danach qualitativ steil abfällt. Songs wie „Don’t Tear Us Apart“ oder „My Hero“ plätschern mehr ziellos vor sich hin, anstatt zu packen und der Rockabilly-Song „Out On The Town“ wirkt musikalisch einfach deplatziert und unausgegoren. Erst mit dem klassischen „Out Of Our Heads“ kriegen die DROPCKICK MURPHYS kurz vor Schluss noch einmal die Kurve. Dennoch ist „Signed And Sealed In Blood“ insgesamt ein tolles Folkpunk-Album geworden, das auf keiner Party fehlen darf. Was der Musik und den Texten an Tiefgang fehlt, macht die Band durch Leidenschaft und Energie wett, was sich nicht zuletzt an den zerstörten Stimmbändern von Al Barr und Ken Casey zeigt. Und jetzt ab ins nächste Irish Pub, der nächste St. Patrick’s Day kommt bestimmt.

Bewertung: 7.5 / 10

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