CD-Review: Eiswerk - Kameraden des Todes

Besetzung

Adrian Hirschiogl – Gesang, Programming
Stefan Drexl – Gitarre, Bass, Flöten, Sackpfeife, Bouzouki

Tracklist

01. Kartln
02. Kameraden des Todes
03. Größenwahn
04. Trolljäger
05. Sturmgesang
06. Green Goblin
07. Wohin Adler ziehn
08. Trollzug
09. Der Freiheit entgegen
10. Zeche prellen
11. Hetzjagd
12. Sterben


Ist „Experimental Pagan Metal“ nicht ein Widerspruch in sich? Immerhin ist Heidenmetall nicht gerade als das fortschrittlichste aller Metal-Genres bekannt. Dennoch versucht sich ein deutsches Duo unter dem Namen EISWERK seit 2007 daran, dieses Oxymoron Wirklichkeit werden zu lassen. Tatsächlich ist ihr Debüt „Kameraden des Todes“ nicht einfach nur Pagan Metal nach Schablone, es kann durchaus als Experiment verstanden werden. Allerdings nur als ein furchtbares, schrecklicher als es Dr. Frankenstein höchstpersönlich je erdenken könnte. Darum holt eure Heugabeln und Fackeln, ihr werdet sie brauchen!

Schon über das billige Cover und die Wirtshausgeräusche, das Geschimpfe im tiefsten Dialekt und den plötzlich einsetzenden Techno-Beat im Intro „Kartln“ nehmen EISWERK vorweg, dass die folgende Dreiviertelstunde eine Tortur werden wird. Was folgt, ist ein grotesker Mix aus grobschlächtigen Gitarren, generisch kitschigen Lead-Melodien („Der Freiheit entgegen“), genretypisch kernigen Screams, schiefem Gegröle („Green Goblin“), nervtötendem Getröte („Zeche prellen“), Geduld auszehrendem Gedudel („Trolljäger“) und Hirnzellen vernichtenden, nicht im Geringsten zur sonstigen Musik passenden Techno-Breakdowns („Trollzug“).
EISWERK lassen wahrhaftig keine Gelegenheit aus, den Hörer mit immer wieder neuen Einfällen in den Wahnsinn zu treiben. Während die konventionellen Pagan-Elemente wie beispielsweise die Screams oder die Gitarrenmelodien in „Wohin Adler ziehn“ bestenfalls annehmbar, meist jedoch langweilig und kitschig sind, sorgen vor allem die experimentellen Instrumente und Keyboards sowie die betrunken lallenden Gesänge für geradezu körperlich schmerzhaften Fremdscham. Auf jede halbwegs akzeptable Passage folgen stets mehrere Totalausfälle, bei denen sich die Ohren steinhart verkrampfen würden, hätten sie die Muskeln, um das zu tun.
Als wäre die Instrumentalisierung nicht schon grässlich genug, gibt es dann ja auch noch die Texte, von denen EISWERK gewiss nicht eine einzige Zeile ernst meinen. Witzig ist das leider gar icht, da ziehen selbst Eisregen mit ihrem morbiden Humor die Mundwinkel mehr nach oben. Keine Frage, Spaß muss sein, aber wer sich nicht gerade eine Jux daraus macht, sich mit bloßen Händen die Ohren von Kopf zu reißen, dem werden EISWERK hiermit keinen Gefallen tun. Das wirklich Bedauerliche an dem Ungetüm mit Namen „Kameraden des Todes“ ist, dass die Produktion durchaus professionell klingt und die beiden Musiker sogar merklich ihre Instrumente beherrschen. So viele verschiedene Instrumente und Keyboard-Variationen hört man nicht oft auf ein und demselben Album. Doch das ändert nun mal nichts an der Tatsache, dass EISWERK offenbar unter chronischer Geschmacksverirrung leiden.

Vermutlich werden die beiden ach so witzigen Herren hinter EISWERK keines dieser Worte hier für voll nehmen, Rezensionen wie diese sind vermutlich sogar zusätzliches Öl für ihr übel klingendes Feuer. Dennoch ist es keine Option, etwas daran schönzureden, wenn ein Album das musikalische Äquivalent zu benutztem Toilettenpapier darstellt. „Kameraden des Todes“ ist demnach nur etwas für Oktoberfest-Dauerbesucher, denen in den Bierzelten die Gitarren abgehen, und Metal-Festivalgänger, denen auf Summer Breeze und Co. noch nicht genug Blaskapellen auftreten, um den musikalischen Anspruch auf ihr Niveau abzusenken. Pagan Metal at its worst.

Bewertung: 1.5 / 10

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2 Kommentare zu “Eiswerk – Kameraden des Todes”

  1. Marth

    Naja da hat sich wohl einer den Hass von der Seele geschrieben. Ich find das Album ist gut produziert und die Jungs verstehen ihr Handwerk. Wer Partymetal mag wird hier glaub ich ganz gut bedient. Und die Texte muss jeder selber wissen.

    1. Moritz Grütz

      Da unsere Redakteure in der Regel keine hassgetriebenen Trolle sind, kannst du dir ziemlich sicher sein, dass aller Ärger, der auf Metal1.info Eingang in die Texte findet, allein aus der rezensierten Musik resultiert. ;) Dass du das Album trotzdem gut findest, sei dir dennoch unbenommen – am Ende gleibt es ja Geschmackssache.

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