Review Finsterforst – Still

  • Label: AOP (Art Of Propaganda)
  • Veröffentlicht: 2026
  • Spielart: Extreme Metal

FINSTERFORST aus dem Schwarzwald sind schon lange nicht mehr nur in einem Fahrwasser unterwegs. Angefangen im Pagan Metal, haben sie mit ihrem „Black Forest Metal“ ein ganz eigenes Label für ihren Stil gefunden. Auf dem neuen Album „Still“ definiert die Band diesen Stil nun unbeirrt weiter. Das bedeutet für den Sound der Formation 2026 einerseits Reduktion – hier vor allem bei den konventionellen Folk-Elementen – bei gleichzeitigem Ausbau großer Klanglandschaften und choralen Bombasts.

Angefangen beim Opener „Obduktion“, dessen Formel bereits alles bündelt, was danach folgt. Rhythmusfraktion und Gitarren leiten groovig in den Song ein. In Kombination mit den Keyboardklängen mag man zunächst gar nicht an Folk- oder Pagan Metal der klassischen Art denken. Vielmehr weist dieser Titel zuerst in Richtung Neue Deutsche Härte. Allerdings gelingt es nicht nur, den Start des Albums durch ruhige Momente aufzulockern, auch die Epik und Wucht von Chören und Bläsern verdichten den Einstieg von „Still“ im besten Sinne.

Ein wenig an die frühen Werke von EISHEILIG erinnernd, setzt „Herbstwanderung“ diesen Weg zunächst mit straighten Riffs fort, ehe während der Strophe eine sehnsuchtsvolle Stille und Schönheit einkehren. Das alles gipfelt in einem fast schon heroischen Refrain. Auch hier wirken die Arrangements bei den Bläsern nicht aufblähend, sondern kontrastieren die tremololastigen Gitarren stimmig.

Mit über zehn Minuten Laufzeit ist ein Track wie „Im Wind“ einer der gewaltigeren Titel. FINSTERFORST wissen dessen Dauer jedoch gut auszufüllen. Während die Gitarrenarbeit zwar nicht durch Komplexität auffällt, im Gesamtbild mit dem Schlagzeug jedoch das treibende Element darstellt, setzen die ruhigen, folkigen Anteile einen gelungenen Kontrast. Ein wenig kann man dabei an ZWISCHENLICHTEN denken, denn diese sanften Augenblicke, wie sie sich immer wieder in den neuen Stücken der Schwarzwälder finden, sind wunderbare Atempausen.

Das führt zu großartigen Akzenten. Schade ist allerdings, dass die Band hin und wieder einen kleinen Abfall in der Stimmungskurve hinlegt. „Knie nieder“ und „Stille Nacht“ ähneln sich nämlich nicht nur hinsichtlich ihrer Gitarrenarrangements stark, auch die Lyrik bewegt sich hier irgendwo zwischen TILL LINDEMANN und EISBRECHER, was letztlich auch den musikalischen Rahmen dieser Stücke absteckt.

Diese kleineren Schwächen lassen sich aber durchaus verschmerzen, denn der Albumcloser „Leere“ zeigt, zu wie viel Wendigkeit und kompositorischem Geschick die Formation fähig ist. Der Song startet direkt sehr episch. Erneut mit mächtigen Bläsern unterfüttert, walzt sich die Band im unteren Tempobereich voran, wobei die Nummer im Verlauf an Abwechslung und Dichte gewinnt. So werden alle für FINSTERFORST relevanten Stilmittel noch einmal voll ausgeschöpft. Schwere Rhythmen, ein starker Refrain, Akkordeonmelodien und große Chöre formen sich zu einem für das Album schlüssigen wie mächtigen Schlusspunkt.

FINSTERFORST präsentieren sich auf „Still“ gänzlich anders, als der Titel ihres Albums vermuten ließe. Abzüglich zweier Coverversionen von IMMORTAL und PINK FLOYD sind innerhalb der eigenen Schaffenskraft sieben so aufwühlende wie druckvolle Songs entstanden. Die eingängigen Kompositionen zeigen bei einem zugleich starken Genre-Mix irgendwo zwischen Black Metal, Folk und einem Hauch Post Metal sowie Neuer Deutscher Härte, dass an Stillstand nicht zu denken ist. Dass FINSTERFORST mit ihren gesellschaftskritischen Texten gerne tiefgründiger wirken wollen, als sie mitunter sind, und Stücke wie „Knie nieder“ oder „Stille Nacht“ die Spannung nicht immer vollständig halten können, schmälert den insgesamt sehr gelungenen Eindruck kaum. „Still“ dürfte alte wie neue Fans ohne Weiteres begeistern.

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Wertung: 7.5 / 10

Philipp Sorger

Publiziert am von

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