Interview mit Esa Uusimaa von Crowen

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Nach gut sieben Jahren haben CROWEN endlich ihr Debütalbum angekündigt. Seit neuestem ist die Band komplettiert und arbeitet an der Fertigstellung des Erstlingswerks. Mit Bandgründer Esa Uusimaa besprechen wir, wie es dazu gekommen ist, dass das Debüt so lange auf sich hat warten lassen, und woraus er seine Inspiration schöpft. Außerdem gibt er einen Einblick in die mystische und düstere Welt von Crown und wie sich die klassischen Anfänge im Melodic Death Metal zu den atmosphärischen Klängen von heute entwickelt haben.

Crowen Logo

crowen-Esa_Sami
© Winter Notes Production

CROWEN wurde 2019 gegründet, und seitdem habt ihr mehrere Singles und EPs veröffentlicht. Erinnerst du dich noch an den Moment, als deine ersten musikalischen Ideen tatsächlich zu dem wurden, was später CROWEN werden sollte?
Ich habe eigentlich schon immer Musik geschrieben und komponiert, sogar in Zeiten, in denen ich in keiner Band war. Musik war schon immer ein großer Teil meines Lebens, und ständig kamen neue Ideen und Songs zu mir. Dann hatte ich 2019 einfach das Gefühl, dass es Zeit ist, etwas Eigenes zu machen und meine Musik endlich zu veröffentlichen. Da habe ich CROWEN gegründet, ursprünglich als Soloprojekt. Als ich weiter Songs geschrieben habe, hatte ich das Glück, einen Plattenvertrag bei Inverse Records zu bekommen, sogar noch bevor ich überhaupt offiziell irgendwas veröffentlicht hatte. Über Inverse Records konnte ich meine eigene Musik herausbringen und meine musikalischen Visionen zum Leben erwecken.

Wenn du auf die Anfangstage von CROWEN zurückblickst: Was war damals schon typisch für die Band – und was würdest du heute komplett anders angehen?
In gewisser Weise sehe ich CROWEN als eine Fortsetzung meiner vorherigen Band RAIN OF ACID, in der ich auch zusammen mit Gitarrist Sami Sandberg gespielt habe. Ich glaube, wenn RAIN OF ACID weitergemacht hätte, hätte sich ihre Musik wahrscheinlich in eine fast identische Richtung entwickelt wie das, was CROWEN geworden ist. Also musikalisch fühlt sich CROWEN wie eine natürliche Fortsetzung dieser Reise an. Eine Sache, die ich heute wahrscheinlich anders machen würde, ist, von Anfang an mehr Melancholie in die Musik zu bringen. Ich habe melancholische Musik schon immer geliebt, aber damals war es für mich beim Songwriting noch etwas ziemlich Unvertrautes, so eine Art von Musik zu schreiben. Das war nichts, was ich in meinem eigenen Songwriting vorher wirklich erkundet hatte. Wenn ich zurückblicke, denke ich, ich hätte diese Seite meiner Musik viel früher angenommen und CROWEN von Anfang an noch melancholischer gemacht.

Welches mystische und düstere Konzept steht bereits seit den Anfängen im Zentrum von CROWEN, und wie passt der Bandname in dieses Konzept?
Schon zu Beginn wurde CROWENS Musik größtenteils in Molltonarten geschrieben. In den Melodien gab es immer eine gewisse Melancholie, auch wenn die Musik in den frühen Tagen aggressiver war und noch nicht ganz so düster wie heute. Über die Jahre ist die dunklere und melancholischere Seite von CROWEN stärker geworden, aber diese sehnsüchtigen Melodien waren von Anfang an Teil der Musik. Der Name CROWEN kommt daher, dass ich die Wörter „crow“ und „raven“ kombiniert habe. Ich wollte einen Namen, der schon an sich ein geheimnisvolles und düsteres Gefühl hat. In gewisser Weise bringt der Name selbst dieses mystische Element in CROWENS Welt.

Sami Sandberg ist 2025 zu CROWEN gestoßen, nachdem er schon mit euch bei RAIN OF ACID gespielt hat. Wie stark hat diese gemeinsame Vergangenheit eure heutige Zusammenarbeit geprägt?
Mit Sami zu arbeiten, war sehr natürlich und einfach, weil wir durch unsere Zeit bei RAIN OF ACID ohnehin schon eine lange musikalische Geschichte zusammen haben. Ich habe vorher nie wirklich so viel darüber nachgedacht, aber ich schätze, wir arbeiten immer noch ziemlich genauso zusammen wie damals. Wir kennen die Spielweisen des jeweils anderen, also fühlt sich das Zusammenarbeiten sehr natürlich an. In CROWEN ist Samis Rolle, die Gitarrenmelodien herauszuarbeiten und ihnen seinen eigenen persönlichen Touch zu geben. Er spielt auch alle Gitarrensolos. Ich halte Sami für einen sehr talentierten Gitarristen, und ich mochte seinen Spielstil schon immer. Das ist einer der Gründe, warum es schon immer so einfach war, mit ihm zu arbeiten.

Crowen-Darkness&Sorrow
© Elsa Wellamo

Wie ist eure langjährige Verbindung zu Tuomas Saukkonen entstanden? Er hat bei verschiedenen CROWEN-Veröffentlichungen unterschiedliche Rollen übernommen und bei „I Live On Darkness And Sorrow“ Schlagzeug gespielt. Wie hat seine Erfahrung den CROWEN-Sound beeinflusst?
Meine Zusammenarbeit mit Tuomas Saukkonen geht bis in das Jahr 2011 zurück, als wir am Debütalbum „Lost Souls“ meiner früheren Band RAIN OF ACID gearbeitet haben. Tuomas war der Produzent dieses Albums, und dort hat unsere musikalische Zusammenarbeit angefangen. Was CROWEN angeht, hat Tuomas die musikalische Richtung oder den Gesamtsound der Band nicht wirklich beeinflusst. Ich hatte immer meine eigene Vision davon, wie CROWEN klingen soll, und die Musik kommt aus meinem eigenen Songwriting. Tuomas hat auch Bass auf CROWENs EPs und anderen Releases gespielt und damit seinen eigenen persönlichen Einfluss in die Musik eingebracht. Bei unserer neuesten Single „I Live On Darkness And Sorrow“ hat Tuomas Schlagzeug gespielt. Mit seinem kraftvollen und harten Groove hat er den Song wirklich zum Leben erweckt und ihn auf ein komplett neues Level gehoben. Ich habe Tuomas schon immer für einen unglaublich talentierten Musiker gehalten, und sein Drumming auf diesem Song ist ein perfektes Beispiel dafür, wie sein persönlicher Spielstil der Musik etwas Besonderes geben kann.

Wenn Leute heute versuchen, CROWEN zu beschreiben, ist Melodic Death Metal wahrscheinlich das erste Genre, das ihnen einfällt. Aber eure Musik baut auch atmosphärische, Folk- und andere Metal-Elemente ein. Gibt es irgendwelche musikalischen Grenzen, von denen du das Gefühl hast, dass CROWEN sie niemals überschreiten sollte?
Allerdings hat sich das neuere CROWEN-Material eher in eine atmosphärischere Richtung entwickelt. Es gibt auch ein paar subtile Black-Metal-Einflüsse in der Musik. Insgesamt habe ich das Gefühl, dass atmosphärische Elemente ein stärkerer Teil von CROWENS Sound geworden sind, während sich die Musik vielleicht ein Stück weiter vom traditionellen Melodic Death Metal entfernt hat. Ich persönlich glaube nicht daran, für CROWEN irgendwelche musikalischen Grenzen zu setzen. Ich bin beim Songwriting immer so rangegangen, dass ich dem folge, was sich in genau diesem Moment natürlich und richtig anfühlt. Dabei will ich die Freiheit haben, genau die Art von Musik zu machen, die sich für mich richtig anfühlt, ohne mir zu viele Gedanken über Genres oder Erwartungen zu machen. Für mich ist das der natürlichste Weg, Musik zu machen.

Dunkelheit und Melancholie sind zu einem wiederkehrenden Thema in CROWENS Musik geworden. Was fasziniert dich persönlich so sehr an diesen Themen?
Über die Jahre hat mir Musik einen Weg geebnet, diese Gefühle tiefer zu erforschen und auszudrücken. Wenn ich Musik komponiere, sehe ich oft gleichzeitig Bilder und verschiedene Atmosphären vor meinem inneren Auge. Die musikalische und die visuelle Seite sind nach und nach zusammengewachsen und zu einem essenziellen Teil von CROWENS Welt geworden. Für mich ist Dunkelheit nicht unbedingt etwas Negatives. Es geht eher um die Atmosphäre, das Geheimnisvolle und die Emotionen, die damit einhergehen. In der Melancholie steckt eine gewisse Schönheit, zu der es mich schon immer hingezogen hat. In vielerlei Hinsicht sind Dunkelheit und CROWEN untrennbar. Dunkelheit steht im absoluten Zentrum von CROWENS Identität, und daraus entspringt die ganze Welt der Band.

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CROWENS Songs enthalten viele emotionale, aber auch extrem energiegeladene Riffs. Wie entscheidet ihr beim Schreiben, welche Ideen es wert sind, weiter ausgearbeitet zu werden, und welche ihr am Ende wieder verwerft?
Für mich hängt das größtenteils von dem Gefühl ab, das ich beim Komponieren habe. Meistens merke ich, wann ein bestimmtes Riff oder eine Melodie zum Song passt und wann sich etwas einfach nicht ganz richtig anfühlt. Manchmal kommen mir für denselben Abschnitt drei oder vier verschiedene Riffs, und auch wenn das alles gute Ideen sein können, dient am Ende nur eins davon dem Song wirklich. Die anderen passen einfach nicht zu der Atmosphäre, die ich erzeugen will. Über die Jahre hat sich bei mir eine Menge unbenutzter Riffs angesammelt. Manchmal habe ich darüber nachgedacht, sie in komplett neue Songs zu verwandeln, aber das passiert selten. Meistens mache ich einfach weiter und schreibe neues Material. Letztlich vertraue ich beim Musikschreiben meinen eigenen Instinkten. Ein Riff kann für sich genommen großartig sein, aber das heißt nicht automatisch, dass es zu dem Song passt, an dem ich gerade arbeite.

„I Live On Darkness And Sorrow“ ist jetzt das erste Kapitel eures kommenden Debütalbums. Wann habt ihr gemerkt, dass die Zeit endlich gekommen ist, all diese einzelnen Singles und EPs in ein Full-Length-Album zu verwandeln – und warum hat es sieben Jahre CROWEN gebraucht, bis es so weit war?
Über die Jahre hat sich die Musik zu etwas Atmosphärischerem entwickelt. Es ist nicht mehr nur Melodic Death Metal, sondern etwas, das unterschiedliche Elemente kombiniert und eine viel tiefere Atmosphäre erzeugt. Das ist einer der Hauptgründe, warum ich finde, dass jetzt der richtige Zeitpunkt ist, unser erstes Full-Length-Album zu machen. CROWEN hat sich über diese sieben Jahre ganz natürlich entwickelt, und ich habe das Gefühl, dass wir einen Punkt erreicht haben, an dem es einfach keinen Sinn mehr ergibt, noch eine EP zu machen. Ein weiterer wichtiger Faktor ist, dass die Band gewachsen ist. Seit Juho Lepistö als unser fester Schlagzeuger zu CROWEN gestoßen ist, fühlt es sich so an, als würde endlich alles zusammenkommen. Für mich ist das einfach der richtige Moment, CROWEN auf das nächste Level zu bringen und unser erstes Album zu veröffentlichen.

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Nach euren ersten drei EPs: Was können wir von einem Full-Length-CROWEN-Album erwarten? Und kannst du den Titel des Albums, das für 2027 geplant ist, schon verraten?
Es wird jede Menge harte und melodische Elemente geben, aber auch eine starke atmosphärische Seite in der Musik. Was den Albumtitel angeht: Ich habe ein paar Ideen im Kopf, aber entschieden ist noch nichts. Stand jetzt hat das Album also noch keinen offiziellen Titel.

Wenn sich jemand „I Live On Darkness And Sorrow“ anhört und danach das ganze Album hört – was für eine musikalische Überraschung würdet ihr ihm gerne bereiten?
Das Album startet ziemlich explosiv, mit einigem sehr hartem und melodischem CROWEN-Material. Im weiteren Verlauf bewegt sich die Musik nach und nach in eine viel atmosphärischere Richtung. Wenn ihr die Songs am Anfang des Albums mit denen gegen Ende vergleicht, sind sie tatsächlich sehr unterschiedlich. Eine der größten Herausforderungen war, die Songs so zu schreiben, dass sich das Album wie ein stimmiges Gesamtwerk anfühlt – trotz der Unterschiede in den musikalischen Stilen. Das explosive und harte Material am Anfang mit der deutlich atmosphärischeren Musik zum Ende hin zu kombinieren und dabei über das ganze Album hinweg einen roten Faden beizubehalten, war besonders herausfordernd. Ich denke, dieser Kontrast – und die Art, wie sich die Atmosphäre im Laufe des Albums verändert – wird für den Hörer eine der interessantesten Überraschungen sein.

Crowen-Juho Lepistö
© Crowen

Bis jetzt war CROWEN im Grunde ein Studio-Projekt. Da Juho Lepistö als neuer und – was am wichtigsten ist – fester Schlagzeuger zur Band gestoßen ist: Was bedeutet sein Einstieg für die zukünftige Entwicklung von CROWEN?
Eines der wichtigsten Dinge ist, dass Juho jetzt seine eigenen Drum-Arrangements erstellen und seinen persönlichen Spielstil in die Musik einbringen kann. Er hat die Freiheit, die Drum-Parts so zu entwickeln, wie es sich für ihn natürlich anfühlt. Außerdem ermöglicht uns das, bei den Arrangements enger zusammenzuarbeiten. Wir können verschiedene Riffs und Ideen zusammen durchgehen und diskutieren, welche Drum-Parts für jeden Abschnitt eines Songs am besten funktionieren würden. Und natürlich ist ein weiterer sehr wichtiger Punkt, dass durch einen festen Schlagzeuger Live-Auftritte möglich werden. Juho spielt auch wirklich sehr gerne live, was für die Zukunft von CROWEN essenziell ist. Ich glaube, sein Einstieg wird einen sehr positiven Einfluss auf CROWENS musikalische Entwicklung und darauf haben, wie wir als Band zusammenarbeiten.

Natürlich wird der nächste Schritt auch sein, eure Songs vor einem Live-Publikum zu spielen. Gibt es schon konkrete Pläne für eine erste Tour oder einzelne Shows – vielleicht zusammen mit anderen finnischen oder europäischen Bands? Und wie wahrscheinlich ist es, dass wir CROWEN auf deutschen Bühnen zu sehen bekommen?
Gegenwärtig liegt unser Hauptfokus darauf, die Band komplett für Live-Auftritte vorzubereiten. Da CROWENS Musik viele atmosphärische Elemente und Backing-Tracks enthält, müssen wir sicherstellen, dass live alles reibungslos zusammen funktioniert. Das heißt, wir proben das komplette Live-Set sehr sorgfältig, bevor wir bereit sind, auf die Bühne zu gehen. Natürlich wäre es auch mega, mit anderen Bands auf Tour zu gehen – egal ob in Finnland oder irgendwo anders in Europa. Was Shows außerhalb Finnlands angeht, müssen wir schauen, was die Zukunft bringt. Wir haben noch keine bestätigten Pläne für internationale Shows, aber klar: Wir würden auch supergern in Deutschland spielen. Fürs Erste ist das Wichtigste, die Band fit für Live-Shows zu machen. Wir freuen uns auf jeden Fall riesig darauf, CROWENS Musik endlich auf die Bühne zu bringen.

Was sind eure Hoffnungen und Ziele für die Zukunft von CROWEN, und wo seht ihr die Band in fünf Jahren?
Meine größten Hoffnungen für die Zukunft von CROWEN sind, Alben in einem regelmäßigen Rhythmus zu veröffentlichen und natürlich Live-Shows zu spielen. Wenn ich fünf Jahre nach vorn schaue, glaube ich, dass eines der spannendsten Dinge sein wird, zu sehen, wie sich CROWENs Musik bis dahin entwickelt hat. Es ist wirklich schwer vorherzusagen, wie unsere Musik in fünf Jahren klingen wird. Werden wir in derselben musikalischen Richtung weitermachen, oder entwickelt sich unser Sound zu etwas anderem? Ich glaube, CROWENs Musik wird sich ohnehin weiterentwickeln, aber ich kann offen gestanden nicht genau sagen, in welche Richtung das gehen wird. Das ist auch eine der Sachen, die ich an der Zukunft am spannendsten finde.

Esa, es war mir eine echte Freude, mit dir über CROWEN und das kommende Album zu sprechen. Vielen Dank, dass du dir die Zeit genommen hast. Und zum Schluss haben wir noch unser Metal1 Brainstorming für dich:
Krähen und Raben: CROWEN
Freude und Trauer: Zwei Seiten des Lebens
Wälder und Seen: Eine unendliche Inspirationsquelle.
Kreativität und KI: Kreativität kommt bei mir ganz natürlich, und ich habe keine KI gebraucht, um meine Musik zu erschaffen.
Vergangenheit und Zukunft: Die Vergangenheit hat mich zu dem gemacht, der ich bin, und die Zukunft ist noch nicht geschrieben.

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Michael Schurig

Publiziert am von

Dieses Interview wurde per E-Mail geführt.
Zur besseren Lesbarkeit wurden Smilies ersetzt.

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