Review Holy Cross – Under The Flag

  • Label: Pure Steel
  • Veröffentlicht: 2009
  • Spielart: Heavy Metal

HOLY CROSS sind eine 2006 gegründete französische Band, die sich zum Ziel gesteckt hat, die gute alte New Wave of British Heavy Metal wiederzubeleben. Ich muss ja gestehen, dass meine Erfahrungen mit französischem Metal-Material aus den 80ern eher bescheiden war. Bei HOLY CROSS sind diese Bedenken aber unbegründet, denn sie klingen nicht unbedingt französisch, sondern könnten – den leichten Akzent mal ausgenommen – genausogut aus dem Vereinigten Königreich oder Skandinavien stammen. „Under The Flag“, das am 25.09.09 über Pure Steel erscheint, ist ihr Debut-Album.

Was mich schon immer störte, sind digitale Medien, die wie eine alte, verkratzte Vinyl-Scheibe beginnen. So auch beim Opener „King In Hell“, und der Gedanke an ein beschädigtes Medium macht sich breit. Doch der liederliche spät-Siebziger-Rausche-Sound macht nach wenigen Sekunden einer angemessenen Power-Berieselung Platz. HOLY CROSS bauen ihre Stücke auf einem wuchtigen Rhythmus und straighten Konstrukten auf. Der Song ist eingängig, der Groove geht ins Blut und der Höhepunkt ist schön erarbeitet. Dem folgt „Iron Horse“ nach gleicher Machart nach.
Eine stilistische Variation gibt es erstmals bei „Lightning From The Nord“, das nicht nur im Tempo verhaltener ist, sondern auch mehr ein episches Konstrukt mit wechselnden Rhythmen und Intensitäten aufweist. Ganz so leicht zugänglich wie seine Vorgänger ist dieser Track nicht, durch die etwas behäbige Marschrichtung, die gelegentlichen spitzen Schreie und das Leadsolo erinnert es aber sehr an US-Produkte dieser Ära. Mir persönlich sagen mehr die geradlinigeren, kraftvollen Songs zu, von denen mit „Gates Of Time“ und „The Fortress Of Asgard“ zwei weitere Prachtstücke vorhanden sind, die auch nicht mit true-en Elementen sparen und klasse Höhepunkte haben.
Ich will damit aber nicht sagen, dass die komplexeren Stücke schlecht sind. Das über sieben Minuten lange „Return To Asgard“ hat beispielsweise ein bisschen was von epischeren Manowar-Kompositionen, sowie durch die wechselnden Intensitäten und Tempi auch einen leichten Maiden-Longtrack-Touch. Sänger Mickaël Champon wandelt dabei ganz gut auf Eric Adams Spuren.

Zwar bringen HOLY CROSS jetzt nicht unbedingt viele neue Ideen mit, sondern berufen sich auf verlässliche Rezepte aus den 80ern, doch liefern sie technisch und kompositorisch eine einwandfreie Leistung ab. Sie können den Old-School-Spirit erwecken und ihn mit einem wuchtigen, kraftvollem Sound nach modernen Maßstäben verbinden.
Heraus kommt ein mehr als solides Album, dass zwar nicht nur absolute Highlights, aber auch keinen ansatzweisen Aus- oder Abfall enthält. Alle Musiker beherrschen darüberhinaus ihr Handwerk. Der Rhythmus ist immer schon druckvoll und treibend, die Riffs vielseitig und die Soli inspiriert. Richtig gut gefällt mir auch Champons Gesangsleistung, die unheimlich variabel ist. Er kommt mit mittleren und hohen Lagen gleichermaßen klar und kann seiner Stimme, wenn notwendig, auch einen rauhen Unterton verpassen.

„Under The Flag“ ist ein wirklich gutes, erstes Markenzeichen, das HOLY CROSS abliefern. Besonders den Old-School-Fans wird es gefallen, aber durch die kraftvolle, moderne Produktion ist es auch insgesamt ein gutes Album, das alle Anhänger des traditionellen Heavy Metals antesten sollten.

Wertung: 8 / 10

Geschrieben am 6. April 2013 von Metal1.info

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