Review Hour Of Penance – Sedition

  • Label: Prosthetic
  • Veröffentlicht: 2012
  • Spielart: Death Metal

(Technical / Brutal Death Metal) Schrumpfende Wirtschaft, massive Verschuldung, harte Sparmaßnahmen, korrupte Politiker, Eros Ramazzotti – gerade als Italiener kann man sich über mangelnde Inspirationsquellen für wütende Musik nicht beklagen, und das nicht erst seit kurzem. Kein Wunder also, dass die Landsmänner von HOUR OF PENANCE mit zuverlässiger Regelmäßigkeit einen Hassbrocken nach dem anderen raushauen. Die Römer brausen seit 1999 durch die Metalszene und liefern mit „Sedition“ nun ihre fünfte Full-Length-Abrissbirne ab.

Nach der obligatorischen Ruhe vor dem Sturm in Form des Intros „Transubstantiatio“ mit Windgewirbel und gregorianischen Chorälen bricht mit „Enlightened Submission“ die gut halbstündige Hölle los. HOUR OF PENANCE steigen direkt mit einer musikalischen Vollbedienung ein: Doublebass-Gewitter, Stakkato-Riffing, Leads, Soli, tiefe Growls und fieses Gekeife, und das alles zusammen schon in der ersten Minute. Bloodbath auf Speed kommt einem da in den Sinn, und das will schon was heißen. Bei aller Brutalität rennt das Quartett jedoch nicht mit dem Kopf durch die Wand; die Songstrukturen sind erkennbar, wirken nicht wie zusammengepuzzelt, die vielen Tempowechsel sind passend eingesetzt und machen sowohl Sinn als auch Spaß beim Anhören. Produktionstechnisch ist auch alles im grünen Bereich, die Soundqualität ist druckvoll, ohne dabei zu bombastisch oder künstlich zu klingen.
Gefangene werden auf „Sedition“ keine gemacht, die Tracks rasen größtenteils unvermittelt und wüst los, das kurze, spannungsaufbauende Intro von „Ascension“ oder die hymnischen Leads zu Beginn von „The Cannibal Gods“ bleiben Ausnahmen. Mit der virtuosen Gitarrenarbeit des Duos Moschini/Pieri fließt dennoch ein Quäntchen Melodie in die brachiale Natur der acht Stücke ein, die vor technischer Versiertheit nur so strotzen. Gerade Drummer Simone Piras lässt hier zu keiner Sekunde einen Zweifel an seinen Fertigkeiten zu und pflastert die Lieder mit allerlei Tom-Wirbeln und bahnbrechenden Fills, als wäre er mit den Hochgeschwindigkeitsblasts und Doublebass-Attacken allein unterfordert. Man darf sich also zugegebenermaßen nicht davon gestört fühlen, wenn die Definitionen des Schlagzeugers von Musik und Sport schon mal grenzenlos ineinander übergehen.

Wie es bei diesem Musikstil des Öfteren der Fall ist, kann man hier auch nach mehreren Durchläufen die Songs nicht so recht voneinander unterscheiden. Liegt vielleicht auch daran, dass ich mich nicht schon morgens von Suffocation wecken lasse oder zum Schäferstündchen Dying Fetus auflege, aber HOUR OF PENANCE leisten mit „Sedition“ gute Arbeit und dürften Genre-Fans mit ihrem neuesten Werk nicht enttäuschen. Anhänger von Nile, Krisiun, Behemoth und Konsorten sollten die Scheibe also nicht unbemerkt an sich vorüber ziehen lassen.

Wertung: 7.5 / 10

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