CD-Review: In Vain - The Latter Rain

Besetzung

A. Frigstad - Gesang
J. Haaland - Gitarre
E. Fuglestad - Gitarre
K. Wikstøl - Bass, Gesang
S. Reinhardtsen - Schlagzeug
S. Nedland - Klavier, Orgel, Gesang

Tracklist

01. The Latter Rain
02. In the Midnight Hour
03. Det Rakner!
04. October's Monody
05. Their Spirits Ride With the Wind
06. I Total Triumf
07. The Titan
08. As I Wither
09. Morning Sun
10. Sorgenfri


Dass es Norwegen ebenso viele hochkarätige Bands wie Fische in den Fjorden gibt, dürfte kein Geheimnis sein, doch IN VAIN gehen weiter als die meisten ihrer Landsmänner und spielen nicht einfach rohen Black Metal, sondern haben bereits mit einer selbstfinanzierten Demo und einer EP auf sich aufmerksam gemacht, die die Brachialität von Black / Death Metal mit vielen progressiven Elementen kombiniert haben. Nun steht mit „The Latter Rain“ ihr erstes Album in den Startlöchern, das nur darauf wartet gehört zu werden. Dem ein oder anderen könnten die Nordmannen auch als Support-Act auf der diesjährigen Vreid-Tour im März und April bekannt vorkommen.

Das nach dem Album betitelte Intro, bestehend aus einer Orgel, etwas Glockenspiel und traurig bis bedrohlich klingenden Bläsern, ist mehr die Ruhe vor dem Sturm und trotzdem passt es perfekt in das Gesamtkonzept des Albums, welches sich textlich vor allem um die Themen Trauer, (dunkle) Träume und Emotionen dreht. Eines vorweg: Die musikalische Umsetzung könnte besser kaum sein und erhält durch die perfekte Produktion in den DUB Studios, in denen auch schon Green Carnation, Blood Red Throne und Chain Collector zu Gast waren, eine ungeheure Gewalt. Es fühlt sich sofort an, als wäre man in einem Sog aus verschiedensten Klängen, der einem unweigerlich aufsaugen will. „In The Midnight Hour“ bietet mit fast zehn Minuten auch in den ruhigeren Parts keine Verschnaufpause für den Hörer, der hier wohl einem der reifesten und besten Debütalben im extremen Metal gegenübersteht. Unerbittliche, komplexe Passagen gehen ohne Bruchstellen in majestätische Abschnitte über. Abwechslungsreicher als mit dem den Intro folgenden Trio, dem noch „Det Rakner“ und „October’s Monody“ angehören, kann man kaum sein. Die Stücke haben allesamt einen sehr hohen Wiedererkennungswert und öffnen sich trotzdem bei jedem Durchhören noch ein Stück weiter. Beeindruckend ist hier das gesangliche Spektrum, dass von Death und Black Metal Vocals über klar gesungene und chorähnliche Teile, Flüster- und Erzählstimmen bis hin zu Hardcore Shouts reicht und die jeweilige Stimmung zu einem hohen Maß unterstützt. Dass es sich hier um verschiedene Personen handelt, die sich die einzelnen Stimmen teilen, schmälert das ganze beim besten Willen nicht, zumal der Einsatz der jeweiligen Stimmlage stets nachvollziehbar und bereichernd wirkt.

Ebenso verblüffend ist der für eine so junge Band fast schon erschreckend gut durchdachte Einsatz von klassischen Instrumenten wie Geige und Klavier. Die letzten zwei Minuten von „Det Rakner!“ sollen hier nur als Beispiel stehen. Dem gegenüber steht fast schon „normal“ anmutende rifftechnische Handwerkskunst bei „October’s Monody“. Was die Herren Haaland und Fuglestad hier ihren Gitarren entlocken ist prinzipiell gar nicht so vertrackt und trotzdem so effektiv und irgendwie nicht von dieser Welt. Eine Pause ist fast schon bitter nötig und mit „Their Spirits Ride With The Wind“ gibt es die nötige Midtempo-Nummer, die an vielen Stellen nach gutem majestätische Pagan Metal klingt. Das auch hier und beim Rest des gesamten Albums Abwechslungsreichtum und musikalische Finesse groß geschrieben werden brauche ich fast nicht mehr betonen. „The Latter Rain“ ist ein musikalischer Strudel, der den Hörer nicht mehr los lässt und immer wieder mit unvorhergesehenen Überraschungen aufhorchen lässt. Es würde den Rahmen sprengen, hier auf noch mehr Titel genauer einzugehen, denn jedes für sich genommen ist unverwechselbar.

IN VAIN scheinen bei ihrem Debüt schon eine unverwechselbare Handschrift bei ihren Songs zu haben, die enorm ausdrucksstark ist und selbst nach unzähligen Durchläufen nicht langweilig wird. Eine derart gute Kombination von Extreme und Progressive Metal, zudem angereichert mit mustergültigen Einsatz klassischer Instrumente, habe ich schon lange nicht mehr gehört. „The Latter Rain“ ist für Freunde dieser Kost eigentlich ein unumgänglicher Pflichtkauf und jeder der offen ist für abwechslungsreiche, härtere Klänge, dem sei dieses Album, das mit über 65 Minuten auch noch viel gute Musik für das Geld bietet, ans Herz gelegt. Musikalische Einflüsse könnte man sicher aufzählen, doch angesichts der großen Eigenständigkeit in den Songs, kann man hier getrost darauf verzichten. Bleibt nur die Frage, wie um alles in der Welt sich diese Band noch steigern will, doch daran sollte man erstmal nicht denken, sondern sich zurücklehnen und „The Latter Rain“ genießen.

Bewertung: 9 / 10

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