CD-Review: In Vain - Currents

Besetzung

Andreas Frigstad – Lead-Gesang
Sindre Nedland – Klargesang
Kjetil Domaas Petersen – Lead-Gitarre
Johnar Håland – Gitarre, Synth-Pad, Hintergrundgesang
Alexander Bøe – Bass

Sessionmusiker:
Baard Kolstad – Schlagzeug
Kristian Wikstøl – Gutturaler Gesang
Audun Barsten Johnsen – B3 Hammondorgel, Kirchenorgel
Magnhild Skomedal Torvanger – Violine, Bratsche
Ingeborg Skomedal Torvanger – Cello
Line Falkenberg – Saxophon
MIDAS Productions – Zusätzliche Orchestrierung

Gastmusiker:
Matthew Kiichi Heafy – Gesang
Simen Høgdal Pedersen – Gesang

Tracklist

01. Seekers Of The Truth
02. Soul Adventurer
03. Blood We Shed
04. En Forgangen Tid (Times Of Yore Pt. II)
05. Origin
06. As The Black Horde Storms
07. Standing On The Ground Of Mammoths


IN VAIN, deren Musiker seit 2012 die Live-Band für das Zwei-Mann-Avantgarde-Projekt Solefald bilden, veröffentlichten vor fünf Jahren mit „Ænigma“ ein progressives Melodic-Death-Metal Album, das bis heute viel für seinen unvergleichbaren Stil sowie seine musikalischen Qualitäten gelobt wird. Hatten die Norweger ursprünglich wesentlich düsterer und brachialer angefangen, war jenes Werk merklich melodischer, progressiver, aber auch mutiger: Statt den modernen Trends im Melodeath zu folgen, entwickelte die Truppe ihre ganz eigene Version des Genres und setzten dabei viel auf mehrstimmigen Clean-Gesang. Mit „Currents“ ist nun fünf Jahre später der Nachfolger erschienen.

Jenen Trend, der sich mit „Ænigma“ bereits abzeichnete, setzt die Combo auf ihrem vierten Album entschlossen fort. Die anfänglichen Black-Metal-Elemente sind inzwischen gänzlich gewichen und damit auch jeglicher düsterere Klang, der auf dem Vorgänger immerhin stellenweise noch durchschimmerte. Wie auch auf „Ænigma“ haben IN VAIN für „Currents“ erneut zahlreiche Session- und Gastmusiker verpflichtet – darunter erneut Leprous-Schlagzeugvirtuose Baard Kolstad. Von Streichern über Hammond- und Kirchenorgel („Blood We Shed“, „En Forgangen Tid“) bis hin zum erneut im Abschlusstrack „Standing On The Grounds Of Mammoths“ eingesetzten Saxophon vermengen die exzellenten Musiker ihren Metal mit allerlei ungewöhnlichen Ideen, die aber meist so homogen wirken, als hätten sie schon immer zum Genre als Standardausstattung dazugehört.

Wer allerdings auch ein paar schnelle Death-Kracher erwartet, könnte hierbei enttäuscht werden. Mehr als je zuvor halten sich IN VAIN im mittleren und langsamen Tempo auf und setzen auf ihren Prog-Einfluss. Flottere, brutalere Ausbrüche gibt es höchstens vereinzelt noch. Stattdessen dominieren hier die wundervollen, charakteristischen mehrstimmigen Gesangspassagen, die der Platte eher eine warme, sanfte Atmosphäre verleihen. Für „Soul Adventurer“ konnte zusätzlich Trivium-Fronter Matt Heafy gewonnen werden, der sich schon zuvor als Fan der Band outete und dem Song seinen Klargesang beisteuert.

Besonders gut funktioniert die Stilmischung aus Melodic Death Metal und Progressive Metal beim Opener und Instant-Ohrwurm „Seekers Of The Truth“ sowie dem vergleichsweise harten „As The Black Horde Storms“. Eher seltsam wirkt sie dagegen bei „Blood We Shed“, wenn zunächst mit einem klassischen Old-School-Death-Metal-Riff begonnen wird, um dann im Mittelteil zu einer unbeschwert, fröhlich klingenden Passage zu wechseln. „Origin“ dagegen beginnt vielversprechend mit einem groovenden Bass-Riff, verliert sich dann aber in arg kitschigen Gesangs- und Gitarrenmelodien. Obwohl die anderen Songs besser funktionieren, kommt nie wirklich die gleiche Begeisterung auf, die „Ænigma“ hervorzurufen vermochte. „Currents“ mangelt es bei all dem musikalischen Ausschweifen generell zu oft an Hightlight-Momenten. Warum zudem der Sound dünner und kraftloser als noch beim Vorgänger aus den Boxen schallt – was man wunderbar im Direktvergleich an „En Forgangen Tid (Times of Yore Pt. II)“ feststellen kann, das mit dem Outroriff des entprechenden „Ænigma“-Songs beginnt – bleibt auch unklar.

Erneut haben IN VAIN bewiesen, dass sie neben Persefone und Be‘lakor aktuell zu den spannendsten (Progressive-)Melodeath-Formationen gezählt werden müssen. Und dennoch: Nach dem grandiosen Vorgänger muss „Currents“ leider als kleine Enttäuschung gewertet werden. Zwar zeigen sich die Musiker erneut gerade spielerisch wieder auf höchstem Niveau und schaffen es in tollen Songs, ihren unverwechselbaren Sound weiter auszubauen, darüber hinaus verliert ihr viertes Album aber im Direktvergleich, was vor allem den spärlich gesäten, herausragenden Momenten geschuldet ist. Eine Kaufempfehlung kann man dank einiger wirklich schöner und spannender Songs dennoch bedenkenlos aussprechen.

Bewertung: 7 / 10

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