CD-Review: Krakow - Diin

Besetzung

Renè Misje - Gesang, Gitarre
Frode Kilvik - Gesang, Bass
Kjartan Grønhaug - Gitarre
Ask Ty Ulvhedin Arctander - Schlagzeug

Gastmusiker:
Grutle Kjellson - Gesang

Tracklist

01. Hymn To The Winds
02. Future Past
03. Termination Of Origin
04. Mound
05. Mark Of Cain
06. Possessed
07. Into The Distant Sky
08. Omen
09. Sense Of Space


Die Norweger KRAKOW scheinen eine zwar ziemlich kurze, dafür aber recht interessante Historie zu haben. Losgelegt haben sie laut Labelinfo ist Stoner-Band und sind in dieser Phase mit Bands wie Kampfar, Secrets Of The Moon oder Vreid auf Tour gewesen, eine Kombination, die ich mir nur mit viel Mühe als zusammenpassend vorstellen kann. Mittlerweile sieht die Sache etwas anders aus, so hat man für sich gemerkt, dass Post Metal mehr Spaß macht und außerdem passt es ja ganz gut in den immer noch aktuellen Hype.

Mit „Diin“ legen die Jungs aus Bergen nun also Album Nummer zwei vor und kreieren darauf durchaus ambitionierten, phasenweise gar mitreißenden Post-Metal, der vor allem im Gitarrensound die Stoner-Wurzeln aber nicht verleugnen mag. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Vielseitigkeit der Band, die Songlängen liegen zwischen knapp drei und über zwölf Minuten, ein Umstand, der der stilistischen Variabilität geschuldet ist: Das kurze „Possessed“ klingt nicht nur vom Titel her etwas schwarzmetallisch, auch der Songs als solcher geht ziemlich nach vorne, dazu präsentiert KRAKOW hier die härtesten Vocals. „Mound“ hingegen setzt auf die hypnotische Wirkung von vielen Wiederholungen in einem sehr dichten Klangwerk aus teils erdigen Gitarren, einem fetten Basssound als breites Fundament, einem treibenden Schlagzeug und sphärischen Klängen im Hintergrund, die – man verzeihe mir meine Unwissenheit – sowohl von einer Gitarre als auch von einem Tasteninstrument kommen könnten. Minutenlang gibt es bei diesem Song kein bisschen Gesang, konsequenterweise deshalb, weil er überhaupt nicht benötigt wird.
Dennoch sind diese beiden Beispielsongs nicht die Highlights des Albums, sondern dienen nur der Illustration, was man von KRAKOW erwarten kann. Richtig gut wird die Platte hinten heraus, „Omen“ zeigt die Band vor allem im Vocalbereich erfreulich experimentell, dazu gesellt sich ein spannendes Songwriting mit interessanten Breaks, welche in Kombination mit der langsamen Grundausrichtung schon fast eine Art von Doom-Feeling erzeugen. Gepaart mit glühend warmen Akustikgitarren baut sich eine schwere, düstere Atmosphäre auf, die selbst bei den heitersten Gemütern den strahlendsten Sommersonnentag in eine tiefe Depression verwandeln kann.
Nicht verschweigen sollte man aber, dass sich für den anspruchsvollen Hörer im Jahre 2012 bei einer Spielzeit von fast einer Stunde auch die eine oder andere Länge einschleicht. Dabei fällt es mir schwer, speziell einen oder zwei Songs zu nennen, man ertappt sich aber schon dabei, beim Durchhören des gesamten Albums mal auf die Tracknummer zu schielen, bei der man sich gerade befindet. Andererseits ist dadurch eine Langzeitwirkung eher gewährleistet, ein zweischeidiges Schwert.

Der Herbstanfang scheint für KRAKOW die absolut richtige Jahreszeit zu sein, um die Songs voll ihrer angedachten Wirkung zuzuführen. Teilweise fast schon eher Doom als Post, können die Norweger fast auf ganzer Linie überzeugen. Antesten ist dringend empfohlen, auch ohne die unvermeidliche norwegische Inzestveranstaltung, immerhin ist Kampfar-Schlagzeuger Ask nun festes Mitglied bei KRAKOW und auch Grutle Kjellson von den Landsmännern Enslaved hat sich einen Gastauftritt nicht nehmen lassen. Nun, Qualität brächten KRAKOW aber auch so genügend mit…<

Bewertung: 8.5 / 10

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