CD-Review: Krakow - Minus

Besetzung

Kjartan Grønhaug - Gesang, Gitarre
René Misje - Gitarre, Keyboards
Frode Kilvik - Bass, Gesang
Arctander - Schlagzeug, Gesang

Gastmusiker
Phil Campbell - Gitarre

Tracklist

01. Black Wandering Sun
02. Sirens
03. The Stranger
04. From Fire, From Stone
05. Minus
06. Tidlaus


In Anbetracht der gerade mal etwas über 10 Millionen Einwohner, die Schweden aufzuwarten hat, ist es schon beeindruckend, wieviel qualitativ hochwertiger Rock und Metal aus dem skandinavischen Land kommt. Death- und Black-Metal-Bands gibt es dort zuhauf, aber auch Post-Metal ist gut vertreten: Zum Beispiel durch die Band KRAKOW aus Bergen, die mit „Minus“ ihren vierten Longplayer in 13 Jahren Bandgeschichte präsentieren. Der große Wurf oder eine weitere, belanglose Platte im Dschungel der Post-Irgendwas-Veröffentlichungen der letzten Monate und Jahre?

Der Einstieg weiß schon einmal zu gefallen: „Black Wandering Sun“ ist ein fetter Post-Metal-Stoner-Bastard mit mehrstimmigen, cleanen Gesangsparts, die bisweilen sogar an Alice In Chains erinnern. Das äußerst metallische Gitarrensolo gegen Ende gibt dem Song eine leichte Stoner-Note. Eingespielt hat es übrigens ein gewisser Phil Campbell von Motörhead… ein netter, unerwarteter Gastauftritt. Auch die nächsten beiden Songs überzeugen auf Anhieb durch ihre spannende Gitarren- und größtenteils cleane Gesangsarbeit. Bei letzterer gibt es allerdings im ersten Albumdrittel eine merkliche Steigerung in der Intensität und Roughness der Performance, die in eine großartige Wall Of Sound mit gegrowlten Vocals in „The Stranger“ mündet. Das ist cool, kurzweilig und sogar recht eigenständig, auch wenn die ganz großen Momente auf „Minus“ trotzdem erstmal ausbleiben.

Im doomigen „From Fire, From Stone“ machen sich dann erste leichte Schwächen im Arrangement bemerkbar: Jeder Songpart ist, einzeln für sich betrachtet, toll ausgearbeitet, aber trotzdem wirkt das Gesamtkonstrukt hier irgendwie hölzern und fast schon zusammengeschustert. Auch der instrumentale Titeltrack mutet lustlos an: Standard-Post-Rock-Riffs, die man so schon tausendmal gehört hat, und ein vorhersehbarer, sich quasi wiederholender und wenig organischer Aufbau. Das gelungene Finale des Schlusstracks „Tidlaus“ stimmt trotz abermals etwas zu breitgetretener Parts in der ersten Songhälfte wieder versöhnlicher: Die Kombination aus Gesangsmelodie und Gitarrenriff hat etwas Mantra-artiges und durchaus Ohrwurmcharakter.

KRAKOW zeigen auf „Minus“, dass sie durchaus ein paar nette und innovative Ideen parat haben, um dem Genre ein wenig frischen Wind zu bringen. Leider zeigt sich aber auch, dass die Farbpalette der Band nicht unendlich ist und dass sich das musikalische Konzept auf Albumlänge ziemlich abnutzt. Die ersten drei Songs sind ohne Frage hervorragend, nehmen aber auch nur zwölf der rund 38 Minuten Albumspielzeit in Anspruch – allerdings bieten diese zwölf Minuten eine theoretisch ziemlich große Bandbreite von gesanglichen und musikalischen Mitteln, die aber im weiteren Verlauf von „Minus“ nicht ausgenutzt wird. Bei den ausschweifenderen Arrangements sollten die Schweden auf jeden Fall noch nachbessern und für mehr Abwechslung sorgen – oder die Songs einfach kürzer halten.

Bewertung: 5.5 / 10

Geschrieben am

Antworten

Your email address will not be published. Required fields are marked *

You may use these HTML tags and attributes: