Review Linkin Park – Meteora

Mit Linkin Park scheint es ja so eine gewisse musikalische Achterbahnfahrt zu sein. „Hybrid Theory“ war ein herrausragendes Stück New Metal, dass mit großen Melodien, gepaart mit Genre-typischen Eigenschaften auch durchschlagenden kommerziellen Erfolg verbuchen konnte. Das ist an der Band nicht spurlos vorbei gegangen, „Reanimation“ folgte, ein Remix-Album mit den Songs des Vorgängeralbums. Mit Verlaub – dieser Tonträger war ein einleuchtender Beweis dafür, wie man aus Scheiße Geld machen kann. HipHop-Vergewaltigungen gut rockender Songs, gepaart mit den penetranten Turntables von Joseph Hahn machten diesen Abklatsch zu einem Desaster gebannt auf CD. Dass es nur noch besser werden konnte verstand sich bei der Ankündigung von „Meteora“ von selbst, schließlich versprach man auch ein Album im Stil von „Hybrid Theory“. Das Ergebnis befindet sich nun im knallharten Metal 1-Test bei jemandem der genug Untrueness aufweist um zuzugeben, dass er den Erstling mochte.

„Foreword“ mag auf ein gewisses Intro hindeuten. Genau so ist das auch bei Linkin Park, die allerdings keine großen Reden schwingen bzw. schwingen lassen, vielmehr hört man ein wenig Geklopfe und zerspringendes Glas. Nun denn.Der erste richtige Track heißt „Don’t stay“ und beginnt mit einem gewohnten und daher doch recht netten Riff, bei dem einigen am ehesten noch die kurze Scratch-Einlage missfallen dürfte. Chester Bennington übernimmt glücklicherweise die Vocal-Arbeit und singt sich durch einen guten Track, der im Refrain jedoch nicht genug Power hat, wie ich finde. Ansonsten aber ein guter Einstieg.
Die erste Single-Auskopplung des Albums hört auf den Namen „Somewhere I belong“ und dürfte angesichts dem massiven MTViva-Push hinlänglich bekannt sein. Melancholie macht sich breit und geht ihrerseits in einen Riff über, der genauso gut vom „Hybrid Theory“-Album kommen könnte. Naja, „Never change a winning Team“ ist mir lieber als Neuerungen die dann nicht überzeugen. Mike Shinoda – mit Meister Hahn mit Band-Liebling (zur Vorsicht weise ich hier nochmal auf die Ironie hin) – übernimmt die Strophen und versieht sie mit Sprechgesang, der aber erfreulich weit von Rap entfernt ist. Bennington gefällt mir wie immer gut, er kann mit seiner Stimme Gefühle vermitteln und tut dies wie in alten Tagen, vornehm natürlich im Refrain.
Mit einem massiv technisch nachbearbeiteten Streichinstrument und kurzer Beat-Einlage beginnt „Lying from you“, es macht sich ein gewisses Song-Schema breit, denn auch hier folgt nach kurzem Intro ein netter Griff. Weiter geht es mit Shinoda…geht so, reißt mich nicht vom Hocker. Der Chorus rockt dank Chester’s Stimme dann wieder gut, auch liefert er einen guten Shouting-Part, das reißt den Song mit Mühe und Not aus der Mittelmäßigkeit.
Kennt jemand von euch einen Song namens „Headstrong“ von der Gruppe Earshot? Nicht? Da haben euch die Linkin Park-Jungs was voraus. Das Intro von „Hit the Floor“ drängt den Vergleich auf, man glaubt es nicht, ein Riff folgt, dann fängt der Shinoda an zu rappen. Eine nette, eher ruhigere und atmosphärische Instrumentalisierung wird gekonnt von ihm zerstört. Der eigentliche Sänger schreit sich im Refrain mächtig aus, das kann er auch wirklich gut, doch in diesem Fall ist die leitende Gitarre einfach mächtig langweilig.
„Easier to run“ stellt den sechsten Track dar. Ob die Jungs von Linkin Park wohl einen Song namens „Pushing me away“ von Linkin Park kennen? Vermutlich. Wie dem auch sei, direkt darauf setzt es den Refrain, der dann wirklich wieder durch eine gute Melodie überzeugen kann. Durch den langsamen Song leitet dann Chester Bennington primär, Mike Shinoda muss vor dem Refrain jedoch jeweils seinen Saft dazu geben.

Track Nummer 7 heißt „Faint“ und beginnt recht merkwürdig, Party HipHop-Mixtape Getrommel, dann doch noch Gitarren, ungewohnt schnell für Linkin Park. Aber dann…dann geht der Beat los, Mike Shinoda beginnt den Tanz um eine brennende Mülltonne im Ghetto und kickt dazu phatte Flows dass sich die Donnerbalken biegen. Och nö. Der Band-eigene Erlöser namens Chester Bennington schreit dann wenigstens gut und mit Gitarren-Support im Refrain. Wahrscheinlich liefen bei der Aufnahme Shinoda’s Tonspuren über den Kopfhörer, sonst kann man Wut nicht so überzeugend rüberbringen. Nach 2:41 ist der Spuk schon vorbei.
„Figure 09“ kenne ich auch schon von irgendwo her, die ersten Takte auf jeden Fall. Riff, Shinoda…hatte ich das mit dem gewissen Schema schon erwähnt? Ratet mal, was im Refrain so passiert und Highlight des Songs ist.Track 9, „Breaking the Habit“ beginnt wundersamer weise geradezu abwechselungsreich, zudem hört man auch Chester Bennington zuerst. Leider ist dessen Gesang ein wenig poppig ausgefallen, auch im Refrain ist’s nun keine Offenbarung, was Gesang und Instrumental angeht – aber hey, Mike Shinoda hält die Klappe! Gegen Ende des Songs gibt es dezentes Klavier – man darf von Samples ausgehen – und ebenso dezentes Shouting. Kein wirklicher New Metal-Track, auch Rock ist das nicht so recht, aber trotzdem ganz gut.
LP-Old School mäßig beginnt „From the inside“, welches eher wieder in eine langsame Richtung geht. Chester gibt den Ton an, bis Mickey Shinoda wieder los rappt. Refrain – joa okay, ist in Ordnung, lyrisch jedoch schon seeehr gewohnte Kost, nicht nur im New Metal-Sektor….im Verlauf wird der Song stellenweise wieder etwas energischer, Bennington shoutet einmal mehr.

Oh nein. Asiatischer Beat, Scratching, das erste Wort ist „Yo“, irgendwas von wegen „Kids“ und „check“ und „Rhythm“ folgt…lustig: Mike Shinoda mit der Textzeile „I hate my Rhymes“ – ich auch, mein Freund. Chester gibt sich alle Mühe, doch auch er kann durch seinen Refrain-Einsatz das sinkende Schiff nicht mehr retten. Seine Vocals kann ich mir hier sehr gut auf einem Gitarrensong vorstellen, aber hier sind sie reine Verschwendung an das Gepose von Mike Shinoda. „Comin‘ at cha“-Gescratche beendet diesen Song dann. Nahe dem Totalausfall.Da ich elektronische Musik auch ganz gern mal höre konnte ich auch mit „Cure for the Itch“ von Hybrid Theory was anfangen. Hier nun das 2003er-Pendant „Session“ – böse Zungen würden einmal mehr von Abklatsch sprechen – dazu. Wer sagt, dass ich keine böse Zunge habe? Auch dieses Stück gefällt mir nicht schlecht, es kommt ohne Gesang aus, aber es ist dem „Vorgänger“ einfach viel zu ähnlich. Als B-Seite geeignet, an dieser Stelle merkt man dem Stück den Part als Platzfüller jedoch zu deutlich an.
Mit einem weiteren Elektro-Sampel und Riff beginnt „Numb“. Zu meiner Erleichterung sorgt Chester hier wieder primär für den verbalen Teil, der Chorus weist dann auch wieder etwas vom Emotions-Rock der ersten richtigen Platte auf. Würde man die Gitarren wegnehmen und Chester seine cleane Tonlage benutzen lassen wäre es von der Harmonie her zwar Pop in relativer Reinform, aber so ist der Rausschmeißer dann doch noch ein kleiner Höhepunkt der Platte.

Naja. Wie schon in meiner kleinen Einleitung erwähnt gefiel mir die erste Linkin Park-Scheibe sehr gut, ist sogar in meiner persönlichen Auswahl zum besten Album überhaupt auf dem New Metal-Sektor – dementsprechend groß ist die Ernüchterung bei „Meteora“. Meines Erachtens nach hat der Rap-Part zugenommen, die Melodien sind einfach nicht packend, und allgemein wirken die meisten Sachen schlicht recycled. Wenn das dritte Album diese „Entwicklung“ fortführt, dürfte die Band auch bald bei den jüngeren Hörern von vermeintlichem Metal nicht mehr so von Interesse sein. Hätte irgendeiner meiner Kumpel z.B. Track 11 gespielt, hätte ich gelobt, dass amerikanische HipHop-Musik ja doch erträglich sein kann. Auf einem Album dass unter der Sparte Metal läuft, wenn auch nicht in Reinform, möchte ich sowas einfach nicht hören. Schade drum, Chester Bennington gefällt mir wiedermal gut, ob es nun um langsamen oder schnellen Gesang, Shouting oder Emotionen geht – alles kein Problem. Würde man Mike Shinoda rauswerfen und Joseph Hahn’s Input drastisch kürzen – weinen würde ich um ihn allerdings auch nicht – könnte da wieder was richtig großes draus werden, sich ständig selbst zu kopieren und dabei noch schlechter zu werden, das geht auf Dauer nicht gut.

Wertung: 4 / 10

Geschrieben am 5. April 2013 von Metal1.info

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