CD-Review: Lost Life - Wrecked Human Deathcult

  • Veröffentlichung: 2008
  • Label: Pestilence
Besetzung

Nephesus - Gesang, Gitarren, Bass

Sessionmusiker:
Grond - Schlagzeug (Song 1-4,8)
Malphas - Schlagzeug (Song 5-7)

Tracklist

01. Atrocious Pleasure
02. Der Fluch
03. Deathcult
04. Swallowed By Darkness
05. Narben
06. Genocide
07. Black Dust
08. Death - Pierce Me (Silencer-Cover)


Die Tölzer Formation Thorngoth dürfte den meisten Black Metallern (zumindest im süddeutschen Raum) ein Begriff sein – doch auch das Soloprojekt von (Live)Gitarrist Nephesus, LOST LIFE, ist längst kein unbeschriebenes Blatt mehr:
Bereits 2005 veröffentlichte man das Debüt-Album „Odium (The Downfall Of The Bleeding Hearts)“ und spielte seit dem diverse Konzerte im süddeutschen Raum.
Nun liegt mit „Wrecked Human Deathcult“ nach vier Jahren Wartezeit das zweite Werk des Suicidal Black Metal-Projektes vor, auf welchem Mastermind Nephesus bis auf das Schlagzeug erneut alle Instrumente selbst eingespielt hat.

Mit dem Akustikgitarreneinstieg von „Atrocious Pleasure“ beginnt das Album zunächst langsam und ruhig, jedoch handelt es sich hier wohl eher um die sprichwörtliche „Ruhe vor dem Sturm“, bricht der Song dafür nämlich nach einer kurzen Verschnaufpause umso erbarmungsloser los, und schmettert dem Hörer genau das um die Ohren, was man sich eben unter „Suicidal Black Metal“ vorstellt: In bester Tradition der Genregrößen wie Bethlehem, Silencer oder – natürlich – Shining (an die auch das Cover-Artwork denken lässt), wird hier kalter, schneller Black Metal geboten, in dessen Mittelpunkt der typisch leidende, gequält herausgepresste Gesang steht.
Diesem gebührt an dieser Stelle schon einmal großer Respekt: inbrünstig und perfekt in Szene gesetzt erschallt Nephesus‘ Stimme hier durchaus beeindruckend aus den Boxen – dass der Mann das Sängerhandwerk versteht, ist jedoch schon lange kein großes Geheimnis mehr, quält er doch auch für Amystery sehr überzeugend seine Stimmbänder. Auch textlich bewegt man sich, Songtiteln wie „Narben“ oder „Genocide“ nach zu urteilen, auf traditionellem Terrain.
Doch auch an der restlichen Arbeit, die der Allround-Musiker hier – lediglich unterstützt von den beiden Schlagzeugern Grond und Malphas – abliefert, gibt es nur wenig bis garnichts zu meckern: Der gelegentliche Einsatz von Cleangitarren, sowie der Wechsel von ruhig über Midtempo Groove bis zu Highspeed-Geknüppel sorgen für Abwechslung – wobei man aber natürlich sowohl dem Genre als auch sich selbst treu bleibt, so dass allzu große Überraschungen hier ausbleiben. Ein Tick mehr individualität hätte den Songs vielleicht nicht geschadet, doch dafür wirkt „Wrecked Human Deathcult“ umso kompakter und sehr cohaerend, was auch seinen Reiz hat. Der musikalische Schwerpunkt liegt dabei klar auf sägenden, fließenden Riffs, die, unterstützt von schnellem, präzisem Drumming, gelegentlich mit groovenderen Midtempo-Parts aufgelockert werden.
Doch auch der Mix, den der Musiker ebenfalls selbst in die Hand genommen hat, weiß durch einen druckvollen Sound zu überzeugen und braucht sich nicht vor Studioaufnahmen verstecken: Eigenproduktionsgerumpel sucht man hier vergebens.
Abgerundet wird das Werk durch ein Cover des Silencer-Zehnminüters „Death, Pierce Me“, bei dem Nephesus noch einmal das letzte aus seinen Stimmbändern herausholt und sich die schwarze Seele aus dem Leib kreischt. Dass man es hier mit einem Coversong zu tun hat, merkt man dem Stück fast nicht mehr an, so gut fügt er sich hier in das Gesamtwerk ein.

Wer klassischen Suicidal Black Metal in Richtung früher Shining und Konsorten zu schätzen weiß, wird mit „Wrecked Human Deathcult“ auf jeden Fall seine Freude haben. Aber auch der gemeine Black Metaller sollte hier durchaus einmal reinhören – es lohnt sich auf jeden Fall.
Denn da man sich gut auf das versteht, was man macht, weiß das dargebotene Material durchweg zu überzeugen, auch wenn es sich stets im relativ eng abgesteckten Genre-Claim aufhält und bisweilen noch einen Tick mehr Individualität aufweisen könnte.

Anspieltipps: Das groovende „Deathcult“, das doomige „Swallowed By Darkness“ und „Black Dust“ für das gewagte aber durchaus geglückte Experiment mit dem mehrstimmigen, punkig angehauchten Clean-Gesang.

Bewertung: 7.5 / 10

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