Review Mick Pointer Band – Marillion’s ‚Script‘ Revisited

Ist das nun ein neuer Trend oder die Konsequenz aus der manchmal etwas dürftigen Landschaft des aktuellen Progressive Rock? Sicher, Roger Waters ist schon jahrelang mit „The Wall“ auf Tour, doch kürzlich sah sich ja auch Steve Hackett berufen, unter dem Banner „Genesis Revisited“ die alten Songs der Band wieder auf die Bühne zu bringen. Nun schließt sich auch Mick Pointer mit seiner MICK POINTER BAND diesem Kreis an und veröffentlicht mit „Marillion’s ‘Script‘ Revisited“ ein Live-Album zur gleichnamigen Show.

Pikantes Detail dabei: Pointer wurde nach den Aufnahmen zu Marillions Debüt-Album „Script For A Jester’s Tear“ gefeuert, da die Band seine Fähigkeiten am Schlagzeug als nicht ausreichend empfand. Diesbezüglich muss sich der Mensch jedenfalls auf „Marillion’s ‘Script‘ Revisited“ nichts vorwerfen lassen, Schnitzer oder Spielfehler sind bei seinen Parts nicht auszumachen.
Das gilt gleichermaßen für die restliche MICK POINTER BAND, die mit Gitarrist Nick Barrett (Pendragon), Keyboarder Mike Varty (Credo) und Bassist Ian Salmon (Arena) sämtlich aus bekanntermaßen fähigen Musikern besteht, die hier allesamt eine blitzsaubere Leistung abliefern.
Das entscheidende an der ganzen Sache ist demnach Sänger Brian Cummins, der normalerweise bei The Carpet Crawlers – einer Genesis-Tribute-Band – am Mikro steht und dort Peter Gabriel imitiert. Hier kopiert er nun die Gesangesleistung von Fish, was zu Beginn der Show einen, sicher unfreiwilligen, Comedy-Effekt hat. Allerdings steiger sich Cummins im Laufe des Konzertes, sodass es auch an seiner Leistung eigentlich nichts auszusetzen gibt.

Was die Musik angeht gibt es auf „Marillion’s ‘Script‘ Revisited“ logischerweise keine Überraschungen. Auf der ersten CD findet sich das Album, gespielt in seiner Reihenfolge. Der zweite Tonträger beherbergt die Songs der Bouns-CD der Reissue von 1997 plus den Track „Margaret“.
Zu „Script For A Jester’s Tear“ muss man eigentlich nicht großartig Worte verlieren. Das Debüt von Marillion wird normalerweise als Beginn des Neo-Prog angesehen und ist schlicht und ergreifend ein Klassiker.

Damit ist man auch schon an der Gretchenfrage von „Marillion’s ‘Script‘ Revisited“: Für welche Zielgruppe hat die MICK POINTER BAND diesen Livemitschnitt veröffentlicht? Fans von Marillion oder des (Neo-) Prog im Allgemeinen werden das Original eh daheim haben und der Mehrwert der zweiten CD hält sich in Grenzen. So schön es ist, dieses Album live zu hören – gerade, da die Show dem Original nachempfunden wurde, komplett mit Kostümen und allem Drum und Dran – so fraglich ist, wer diese Aufnahme braucht. Die Anschaffung lohnt sich eigentlich nur, wenn man das Original noch nicht im Schrank hat. Dann allerdings bekommt man hier eine fehlerfreie Wiedergabe eines grandiosen Albums.

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