CD-Review: Modern Rites - Monuments

Besetzung

Archytekt – Gesang, Bass, Schlagzeug, Synthesizer
Katalyst – Gitarre

Tracklist

01. Intro
02. Vigilance Eternal
03. Black Wolf
04. Unburdened
05. Self Synthesis
06. Nothing Left To Give
07. Machine Paradox


Modern Rites - Monuments Cover

Als Mensch des 21. Jahrhunderts denkt man sich gern vernunftgeleitet, für alten Aberglauben längst unempfänglich geworden. Dabei könnte man in vielen unserer Alltäglichkeiten irrationale Rituale erblicken: wenn wir morgens immerzu zu einer festgelegten Zeit aufstehen, dem von uns selbst erdachten Mammon hinterherjagen und bei flüchtigen Begegnungen bedeutungslose Floskeln austauschen. Vielleicht waren es derlei Gedanken, die den multimedial tätigen Künstler Archytekt (Kuyashii) und den Gitarristen Katalyst (Aara) dazu bewogen, ihre gemeinsame Band MODERN RITES zu nennen. Ihr Debüt „Monuments“ zeichnet ein düsteres Bild eines missgünstig auf uns herabschauenden Gegenwartsungetüms.

Ästhetisch sind MODERN RITES klar erkennbar bei Debemur Morti Productions beheimatet. Wie viele andere Bands im Roster des französischen Labels arbeitet das Duo im visuellen Bereich ausschließlich mit Schwarz-Weiß-Kontrasten und in musikalischer Hinsicht mit von Ambient, Post-Rock und Industrial beeinflusstem Black Metal. Bahnbrechend ist die Vision der Band nicht, wohl aber stilistischer umgesetzt. Im Intro zeigt Archytekt wie schon in seinem Gastbeitrag zu Aaras „Triade I: Eos“ (2021) sein Gespür für stimmungsvolle Einleitungen.

Nach dem sphärischen Ambient-Stück gehen MODERN RITES eher konventionell schwarzmetallene Wege. Aus Archytekts Kehle dringen durchwegs feindselige Screams und sein Drumming, das zwar keine neuen Schnelligkeitsmaßstäbe setzt, aber auch nicht mit kräftigen Fills, Double-Bass und Blast-Beats geizt, lässt die Songs mächtig klingen. Derweil arbeitet Katalyst sich an genretypischem, verhängnisvollem Gitarrenspiel im Tremolo-Stil ab, tauscht es mitunter aber auch gegen maschinengleich rumpelndes Riffing („Black Wolf“) oder durch lichtlose Weiten schwebende Leadmelodien („Self Synthesis“) aus.

Stilfremde Elemente machen sich im Black Metal von MODERN RITES nur unterschwellig bemerkbar. Bis zum bedrückenden Synthesizer-Ausklang des Abschlusstracks „Machine Paradox“ sticht auf „Monuments“ nur wenig hervor, was auch an den Kompositionen an sich liegt. MODERN RITES haben ihre Tracks schlüssig aufgebaut und schaffen in ihnen eine durchaus dichte Atmosphäre, dennoch fühlt man sich von ihren Stücken nie so überwältigt, wie man es aufgrund des imposanten Artworks erwartet.

In den 90er Jahren wären MODERN RITES möglicherweise noch als große Vordenker gefeiert worden. Inzwischen braucht es aber mehr als ein monochromes, bildgewaltiges Cover und ein paar dezente Sound-Spielereien, um aus einem ansonsten gewöhnlichen Black-Metal-Album ein musikalisches Monument zu machen. Langweilig oder gar missraten ist „Monuments“ deswegen aber nicht. MODERN RITES haben mit ihrem Debüt ein stimmiges und stimmungsvolles Stück schwarzer Klangkunst geschaffen, das selbst in seinen schwächsten Momenten zumindest auf einem soliden Fundament steht.

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Bewertung: 7 / 10

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