Das Cover von "The End - Live In Los Angeles" von Mötley Crüe

Review Mötley Crüe – The End – Live In Los Angeles (Blu-ray+CD)

  • Label: Eagle
  • Veröffentlicht: 2015
  • Spielart: Heavy Metal

Einst die skandalträchtigste Band dieses Planeten, schafften es MÖTLEY CRÜE zeitweise, sich öffentlich komplett zu demontieren bis hin zu einem Punkt, an dem die Musiker nur noch per Anwalt miteinander sprachen. Umso beeindruckender, dass den Kaliforniern ein erfolgreiches Comeback glückte. Zwar machten die Herren selbst keinerlei Hehl daraus, dass es ihnen dabei mehr ums Geld denn um die Gesellschaft des jeweils anderen ging, aber gerade diese Ehrlichkeit machte ihre Rückkehr wohl auch für viele glaubwürdig. Das Geschäftsmodell scheint aufgegangen zu sein und MÖTLEY CRÜE sind nicht mehr – ihr letztes Konzert spielte die Truppe am 31. Dezember 2015 in ihrer Heimatstadt und hielt das Ganze im Konzertfilm „The End – Live In Los Angeles“ fest.

Dass sich eine Band zum Ende ihrer Karriere noch einmal ausgiebig selbst feiert, ist durchaus verständlich, und weil ursprünglich tatsächlich fürs Kino produziert, ist „The End – Live In Los Angeles“ auch entsprechend filmreif in Szene gesetzt – ein echter Konzertfilm eben. Visuell und produktionstechnisch kann man MÖTLEY CRÜE also keinen Vorwurf machen, denn man muss es den Kaliforniern einfach lassen: Ihre Shows waren selbst zum Schluss so groß wie zu ihren Hochzeiten und so bietet „The End – Live In Los Angeles“ eine der größtmöglichen Rockshows überhaupt. PINK FLOYD ließen einst auf der Bühne eine Messerschmitt in eine Wand rauschen und bei MÖTLEY CRÜE fährt halt das Schlagzeug Achterbahn – there’s no business like show business.

Blu-ray

Vor allem auf Blu-ray wurde dieser Auftritt in gestochen scharfem Bild festgehalten, was im Zusammenspiel mit den stets gelungenen und nicht selten filmreifen Kamerafahrten selbst bei unbeteiligteren Zuschauern für Gänsehaut sorgen kann. Mit Tänzerinnen und Konfettiregen wirkt es zwar stellenweise wie eine Mischung aus einem Beyoncé-Auftritt und dem Parteitag der Republikaner, aber es steht in jedem Fall fest, das MÖTLEY CRÜE eine gewaltige, durchgeplante und in jeder Hinsicht erfolgreich umgesetzte Konzert-Show in den Mittelpunkt ihres Abschiedskonzertes gestellt haben. Musikalisch bieten die Herren genau das, was man auf ihrer Abschiedstour erwarten möchte: So spielt sich die Truppe ab der Stripclub-Hymne „Girls, Girls, Girls“ durch sämtliche ihrer Hits, wobei ihre selbstbetitelte Platte natürlich wieder außer Acht gelassen wird, aber dafür ihr Abschlusswerk „Saints Of Los Angeles“ mit zwei Songs vertreten ist.

Die Setlist weist somit wenig Überraschungen auf, aber dafür vieles, worüber man sich freuen kann. Zunächst einmal klingt „The End – Live In Los Angeles“ genauso gut, wie es aussieht. Fast ein bisschen zu gut, denn während Publikum und Band stets schön ineinandergreifen, kommt der Klang doch etwas zu poliert aus den Boxen, um wirkliche Live-Atmosphäre aufkommen zu lassen. Zu einem Hochglanz-Produkt wie diesem passt das allerdings ganz gut. Auch soll der Band an dieser Stelle die nötige Ehre erwiesen werden, denn während man der Truppe ihr fortschreitendes Alter problemlos ansieht, liefern MÖTLEY CRÜE hier doch einen grandiosen Auftritt ab. Vor allem der stimmlich ziemlich fitte Vince Neil weiß zu überzeugen – sehr schön!

Live-CD

Zusätzlich zum visuellen Vergnügen von „The End – Live In Los Angeles“ gibt es den Auftritt noch einmal auf CD, wobei der Sound auch hier vollkommen in Ordnung geht – obendrein ist es hier nicht ganz so offensichtlich, dass die Akustikgitarre von Vince Neil augenscheinlich vom Band kommt. Das Blu-ray-Paket inklusive CD kommt zudem mit einem überaus schmucken Hardcover-Booklet, das mit ganzseitigen Hochglanz-Fotos vom Konzert-Abend überzeugt.

Zusätzlich zum Hauptteil gibt es die üblichen Interviews als Bonusmaterial, in denen sämtliche Bandmitglieder zu Wort komme. Dabei ist es gar nicht so uninteressant, wenn sich MÖTLEY CRÜE selbst zum Umstand äußern, dass die Musiker bereits seit einiger Zeit in separaten Tourbussen reisen. Und weil es auf der Bühne so toll aussah, wird im Bonusmaterial obendrein erklärt, wie der feuerspeiende Bass von Nikki Sixx und die Drumkit-Achterbahn von Tommy Lee funktionieren. Zugegebenermaßen hat es in der Geschichte der Live-Alben bestimmt schon spannenderes Bonusmaterial gegeben, aber zusammen mit dem mehr als beeindruckenden Konzertmitschnitt ist „The End – Live In Los Angeles“ ein durchaus wertiges Paket.

Fazit

So es tatsächlich wahr ist, dass MÖTLEY CRÜE sich per Gerichtsurteil nicht einmal mehr reformieren könnten, wenn sie es denn wirklich wollten, dann haben die kalifornischen Sleaze-Könige sich mit „The End – Live In Los Angeles“ absolut angemessen verabschiedet. Die einstigen Sunset-Strip-Heroen liefern hier eine in jeder Hinsicht riesengroße Show ab, die im Hinblick auf die Setlist höchstens minimale Wünsche offenlässt und obendrein kinoreif eingefangen und produziert wurde. Manch einem könnte es gefallen, wäre das Gebotene hier und da ein kleines bisschen weniger aufpoliert, letztendlich würde das einer so gut geölten Entertainment-Maschine wie MÖTLEY CRÜE aber kaum gerecht werden. Fast ein bisschen schade, dass sie weg sind …

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Wertung: 8.5 / 10

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