CD-Review: Neromega - Nero Omega

Besetzung

S.S. - Gesang
S.M. - Gitarre
F.C. - Gitarre
M.S. - Bass
Andrea Freda - Schlagzeug

Tracklist

01. Solitudine
02. Pugnale e ardore
03. Morte nella fede
04. Un posto


Der Mörder trägt schwarze Handschuhe. Das Leder knistert, als er den Griff seines langen, blitzenden Messers umgreift. Über einen Teppich aus rotem Samt schleicht er auf sein Opfer zu, jung und langbeinig. Ein geschickter Schnitt, von hinten ausgeführt, und der Augapfel ist entzwei. Wenn jetzt Musik ertönt, könnte sie Ähnlichkeit zu der von NEROMAGA aufweisen. Die noch junge italienische Doom-Metal-Band hat sich den Horrorfilm ihres Heimatlands, den Giallo, mit seinen spezifischen Eigenheiten zur Inspirationsquelle erhoben.

Schon die optische Ästhetik der Gruppe lässt mit blutroter Schrift auf schwarzem Grund und violetten Schädeln in aufflammendem Eisernem Kreuz an die Werke des Regie-Altmeisters Dario Argento denken – oder eben an Landsleute wie Death SS, Paul Chain, Abysmal Grief und die oft vergessene Underground-Legende Black Hole. Dass italienischer Metal sich gerne vom Kino beeinflussen lässt, schließt nur einen Kreis: Argento selbst verwendete im Soundtrack seines 1985er-Streifens „Phenomena“ Heavy Metal im Soundtrack.

Doch was taugt nun „Nero Omega“, das 25-minütige Debüt-Minialbum von NEROMEGA? Zunächst einmal erfindet der Fünfer das Rad in keiner Weise neu. Ganz im Stil von Doom-Ursuppen-Bands wie Black Sabbath und Witchfinder General nutzen die Gitarrenriffs die Kraft des verminderten Intervalls, um im Hörer ein latentes Unwohlsein auszulösen. Eine dezente Orgel legt darunter einen Teppich aus, der ein weiteres Quäntchen Spookiness hinzufügt.

Auch Einflüsse aus Stoner und Sludge sind in der oft vorherrschenden dreckigen Zähigkeit des Gebotenen auszumachen. Was nicht bedeutet, dass sich die Musiker völlig auf diesen Modus versteifen würden – dafür sind die Songs auf „Nero Omega“ zu dynamisch: Hier und da zieht das Tempo an oder die Rhythmusfraktion schaltet auf double time. Oft folgt dann ein energiegeladenes Gitarrensolo. Das macht Spaß und zeigt, dass die Combo ihr Handwerk versteht. Auch die verzerrten Gitarren dürfen ab und zu für ein paar Takte schweigen. Dann tritt die krautrockige Percussionarbeit weiter in den Vordergrund – Goblin, die ikonische Haus- und Hofband der Argento-Soundtracks – lässt grüßen. Bei „Un posto“ handelt es sich um ein Cover der italienischen Progressive Rocker „Il Balletto di Bronzo“.

Die Kehrseite: Wer besonders mit italienischem Doom vertraut ist, hat dergleichen schon oft in ähnlicher Weise gehört. Zu generisch sind die Riffs, als dass sie der bekannten Mixtur wirklich Erfrischendes hinzufügen könnten. Die in einem mittleren Bariton gehaltenen, auf Italienisch vorgetragenen Vocals sind solide, lassen aber auch nicht aufhorchen. Ebenso verhält es sich mit den Gesangsmelodien: Nichts sticht wirklich negativ ins Ohr, doch genauso wenig bleibt auch nach mehreren Durchläufen hängen – mit Ausnahme des durchaus eingängigen Chorus im Opener „Solitudine“, der hier als Anspieltipp empfohlen sei.

So macht „Nero Omega“ letztlich besonders seiner Atmosphäre wegen Spaß, die sich an Cineasten und Horror-Fans wendet, die zugleich eine Vorliebe für klassischen Doom mitbringen. Diesen sei empfohlen, in das vorliegende Werk reinzuhören und das  äußerst geschmackvoll gestaltete Tape oder Vinyl bei Gefallen neben den genannten Bands in die Sammlung einzusortieren. Wer sich zum ersten Mal in diese musikalischen Gefilde vorwagt, ist mit letzteren wohl besser beraten. Fazit: Kann man hören, muss man aber nicht.

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Bewertung: 6.5 / 10

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