Review Norther – Mirror Of Madness

Es war einmal eine “European Death Cult Campaign”, bei der die norwegischen Hauptakteure im Nürnberger Löwensaal Halt machten. Auch ein gewisser Ich war vor Ort, um sich natürlich auch die Vorband Norther anzusehen. Ich hatte davon zwar noch nie ein Lied gehört, aber oft genug gelesen, das die jungen Finnen eine Mischung bzw. Kopie von Children Of Bodom und Eternal Tears Of Sorrow sein sollen. Als die fünf dann auf die Bühne kamen, staunte ich erstens nicht schlecht über ihr Aussehen, das zwischen Mädchen und schwul tendierte (nichts für ungut ;-)) und zweitens über die bombastische Leistung die man geboten bekam!Nach dieser klasse Vorstellung musste ich Norther natürlich auch mal auf CD antesten, und aus diesem Grund rotiert nun gerade eben die „Mirror of Madness“ in meinem Player.

Den Beginn macht „Blackhearted“, das mir noch gut vom Konzert in Erinnerung geblieben war (wenn sie es nicht gespielt haben, blamier ich mich jetzt wohl bis auf die Knochen, aber ich bin mir recht sicher, das es dabei war). Kommt auch auf CD gut, das Keyboard drängt sich erfreulicherweise auch nicht weit in den Vordergrund sondern agiert überaus songdienlich und klingt gut im Hintergrund hinter den dominanten Leadgitarren. Standesgemäß handelt es sich hier als Opener um einen Up-Tempo-Kracher, der Lust auf mehr macht. Mit „Betrayed“ und „Of Darkness And Light“ bekommt man dieses mehr auch, erst wieder in Höchstgeschwindigkeit und dann erstmals etwas gemäßigter.
Mein absoluter Favorit folgt an Position 4 und hört auf den Namen „Midnight Walker“, dass mir live schon überaus gut gefallen hat und mich seitdem nicht mehr losgelassen hat. Die Breaks stehen an richtiger Stelle und überhaupt passt hier alles zusammen. Wenn die ersten Refrain-Zeilen „I’ll take away your life, and end your pain inside“ gesungen werden, komme ich gar nicht dazu ein leises „Ja, bitte, noch bevor die nächste Popstars-Staffel anläuft“ hauchen kann, bin ich schon wieder am mitsingen und mitschunkeln – ein absoluter Überhit!
Neben „Blackhearted“ und „Midnight Walker“ gibt’s aus dieser Riege leider nur noch die Singleauskopplung „Unleash Hell“ und das abschließende „Mirror of Madness“, der Rest ist, so leid es mir tut, eher durchschnittlich und wenig berauschend. Versteht mich nicht falsch, die Songs sind keineswegs schlecht, nur können die fünf restlichen Tracks kaum begeistern und vom Hocker reißen, sondern höchstens wohlwollendes Kopfnicken herbeizaubern. Manchmal könnte die ganze Sache ein bisschen mehr Pepp vertragen… Einfach schon mal dagewesen, denkt man sich.

Wo wir wieder beim ursprünglichen Thema wären: Alle die, die Norther von vornherein als billige Bodom-/ETOS-Kopie abstempeln, machen es sich viel zu einfach. Klar sind Norther alles andere als innovativ, aber deswegen sind sie noch lange kein billiger Abklatsch. Genauso gut könnte man jede skandinavische Death Metal Band als Hypocrisy-Klon und jede neue Heavy Metal Band als Verschnitt von Manowar und Judas Priest bezeichnen – aber so einfach ist es eben nicht.Norther klingen frisch, modern und haben ein gut anhörbares Werk zusammengestellt. Ich muss zugeben, auf CD kommt das ganze weit weniger druckvoll und mitreißend als auf der Bühne, aber das sollte immerhin beweisen, dass Norther eine echt gute Live-Truppe sind.
Macht euch am besten selbst ein Bild von den Finnen, und entscheidet selbst, ob ihr den einfachen Weg gehen wollt und sie als Bodom-Kopie abstempelt oder ihnen eine faire Chance geben wollt. Die jedenfalls haben sie meiner Meinung auf jeden Fall verdient.

Wertung: 6.5 / 10

Geschrieben am 5. April 2013 von Metal1.info

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