CD-Review: Norther - Circle Regenerated

Besetzung

Aleksi Sihvonen – Gesang
Kristian Ranta – Gesang, Gitarre
Daniel Freyberg – Gitarre
Jukka Koskinen – Bass
Heikki Saari – Schlagzeug
Tuomas Planman – Keyboard

Tracklist

01. Through It All
02. The Hate I Bear
03. Truth
04. Some Day
05. Break Myself Away
06. Believe
07. Falling
08. We Do Not Care
09. The Last Time
10. Closing In


NORTHER hatten schon seit Beginn ihrer Karriere 2000 mit einem Problem zu kämpfen, das sie auch und insbesondere auf ihrem 2008 erschienen Album „N“ nicht in den Griff bekamen: Neben drei bis vier Krachern, die durchaus von einem ausgeprägten Gespür für gute bis geniale Songs zeugten, lieferten die Finnen immer auch einen dicken Batzen unspektakuläre Ausschussware auf den Alben mit, die das Gesamtprodukt ausnahmslos in die Bedeutungslosigkeit katapultierten. „Circle Regnerated“ soll da nach dem Weggang von Petri Lindroos durch die neuen Mitglieder Sihvohnen und Freyberg Abhilfe schaffen.

Eigentlich standen die Vorzeichen für eine Kehrtwende auch nicht zu schlecht, konnte man doch leicht den Eindruck gewinnen, dass die Problematik am NORTHERschen Songwriting in der Bipolarität der Songs von Ranta und Lindroos lag. Ersterer schien immer für die kompositorisch etwas konzipierteren, im Zweifel auch ruhigeren Songs zu stehen, während zweiterer sich immer in kompromisslosem Gekloppe wohlzufühlen schien, was sich auch jeweils in den Lyrics niederschlug (siehe „Omen“ bzw. „Fuck You“). Für sich entstanden jeweils amtliche Nummern, das Problem lag in der Verquickung der beiden Herangehensweisen, die eben nie ein größeres, sondern im Gegenteil ein kleineres Ganzes erreichten.
Was auf „Circle Regenerated“ aber im Wesentlichen passierte war, dass die richtig großen Momente eines „Death Unlimited“ oder „Mirror Of Madness“ (jeweils der Song, nicht das Album) sich verabschiedeten. Anstatt wenige Hits und viel Müll zu produzieren, sind nun alle Songs Mittelmaß, was für ein konsistenteres Albumfeeling sorgt, selbstredend aber auch nicht das Höchste aller Dinge ist. Die Cleanvocals der beiden Sänger, die gerne mal zusammen eingesetzt werden, wirken immer etwas schwachbrüstig, der Sound nach der wuchtigen „Death Unlimited“ und „Till Death Unites Us“ etwas lasch. Dabei sind NORTHER sich musikalisch grundsätzlich treu geblieben, der ab und zu dezent elektronisch angehauchte Neo Thrash findet sich auch hier noch, vielleicht etwas spritziger und facettenreicher umgesetzt als zuvor. Auch Sihvohnens Kreischgesang ist vielleicht etwas markiger als der von Lindroos, ähnelt diesem stilistisch insgesamt aber doch frappierend.

Instrumental präsentieren sich die Finnen noch überzeugender als zuvor, in Songs wie „The Last Time“ dürfen gerade die Instrumentalisten an Keyboard und Gitarren in ausufernden Soli zeigen, dass sie in ihrem Genre keine Vergleiche zu scheuen brauchen. Auch hier wissen die Jungs aber zu selten markante Duftmarken zu setzen, womit wir auch wieder beim Problem von „Circle Regenerated“ wären, das oben schon angedeutet wurde: Es wird wenig falsch gemacht, aber irgendwie auch kaum etwas wirklich richtig.

Das vage progressive Feeling in den Songstrukturen, das dem Album im NORTHER-Kosmos wohl vorläufig Alleinstellung garantiert, klingt in seinen Ansätzen interessanter als die Konzeptionen vorangegangener Tracks. Vielleicht bedingt durch das noch frische Line-Up der Band wirken die Songs aber noch unausgegoren, als hätte die neu formierte Truppe selbst noch nicht genau gewusst, worauf sie eigentlich hinaus wollte. Dementsprechend machen NORTHER durchaus Hoffnung auf kommende Alben, „Circle Regnerated“ ist allerdings zu halbgar und unspektakulär, um wirklich empfehlenswert zu sein. Eine gute Idee wäre bis dahin übrigens auch, die Präsentation der Band etwas ansprechender zu gestalten als dies mit schlechten, nichtssagenden Artworks und Songtiteln wie „Believe“, „Falling“ oder „Truth“ der Fall ist. Verschenkte Sympathiepunkte.

Bewertung: 5 / 10

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